Ultimative Hochgefühle

Fingerzeige: Ulrike Haidacher (links) und Antonia Stabinger vom Duo „Flüsterzweieck“ sind in ihrem Element. Foto: Manfred Giebenhain  Foto: Manfred Giebenhain

Wenn ein Kabarettduo Flüsterzweieck heißt und dem Publikum gleich zu Beginn verkündet, der Name sei Programm, darf sich am Ende niemand beschweren, wenn er etwas nicht...

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MICHELSTADT. Wenn ein Kabarettduo Flüsterzweieck heißt und dem Publikum gleich zu Beginn verkündet, der Name sei Programm, darf sich am Ende niemand beschweren, wenn er etwas nicht verstanden hat. Auch der Programmtitel „Stabile Eskalation“ spricht für das Verwirrspiel, das am Freitagabend auf der Patat-Bühne geboten wurde.

Gut eine halbe Stunde lang stimmten Ulrike Haidacher und Antonia Stabinger ihr Publikum in der ausverkauften Kellerbühne auf das Schlimmste ein: ein Abend der ultimativen Hochgefühle, ein wahres Abenteuer sollte es werden, sich für ein weibliches Theaterkabarett anstelle von Fußball-England gegen Deutschland entschieden zu haben. Nicht „fad“ und auch nicht „oarm“ wollten sie daherkommen, die Preisträgerinnen des „Grazer Kleinkunstvogels“. An Sprachhürden kann es nicht gelegen haben, dass viele im Publikum die Botschaft nicht so richtig verstanden haben. Der berühmte rote Faden soll irgendwo zwischen den Sitzreihen im Publikum untergetaucht sein, merkte Ulrike Haidacher zutreffend mal so nebenbei an. Vielleicht sollte es auch so sein, denn wer in Michelstadt weiß schon, wie subtile Komik sich anfühlt, besonders dann nicht, wenn die eine Künstlerin von einer Pantomime zur anderen wechselt, während die andere sie daran zu hindern versucht.

Lange Zeit glich das Programm einer wahrlosen Aneinanderreihung von Proben auf der Suche nach dem richtigen Gag – oder dem Versuch, selbigen durch Provozieren des Publikums zu ersetzen. Muss das Adjektiv „geil“ wirklich für alles herhalten, was einem gerade durch den Kopf geht? Das Publikum, der Alltag und sogar das eigene Begräbnis sind geil? Wer hat da etwas nicht verstanden? Oder war dies sogar gewollt? Wie soll ein Publikum auf einen Kurzdialog reagieren, der da lautet: „Was haben sie gewählt?“ – „Den Nazi.“ Ein selbstkritisches Publikum fragt sich, ob es sich vorher besser mit den Besonderheiten des österreichischen Humors hätte vertraut machen sollen.

Zu den Stärken des Abends zählte der schlagfertig ausgetragene Dialog vor der Pause, als die ansonsten eher agile und quirlig über die Bühne fegende Antonia Stabinger sich zierte, auf einem Stuhl Platz zu nehmen, der mit einem Bein über die Bühnenkante hinausragte.

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Beide malten sich aus, in wessen Gesicht im Publikum das Stuhlbein landen und welche schweren inneren Verletzungen die Künstlerin erleiden würde. Der Patat-Koch würde notoperieren und ein mitgeschnittenes Video würde im Internet sogleich Millionen Likes erhalten. „Wir werden weltberühmt, löschen gleich darauf die gesamten Google-Daten und erhalten dafür den Friedensnobelpreis“, motivierte ihre Partnerin, endlich Platz zu nehmen.

Attacke, undeutliche Dialoge und ständig Armbisse

Wer nach der Pause eine Steigerung dieser Szene erwartet hatte, wurde enttäuscht. Pubertierenden Teenies gleich lenkten die beiden Damen vom wartenden Stuhl ab, zogen es vor, sich zu attackieren und setzen die Dialog mit undeutlichen Worten fort, in dem sie um die Wette sich selbst in den Arm bissen. Vielleicht hilft dies weiter: „Das Konzept des Abends steckt in einer Flasche Bier“, endete ein anderer Zweikampf um den Besitz einer Bierflasche, die Antonia Stabinger im Laufe des Abends nebenbei geleert hat.