Prozess: Odenwälder soll Drogen übers Internet verkauft haben

Einem jungen Odenwälder wird vorgeworfen, im sogenannten Darknet mit Drogen gehandelt zu haben (Szene gestellt). Foto: Silas Stein/dpa  Foto: Silas Stein/dpa
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Online-Handel wird auch mit Drogen betrieben. Ein junger Mann aus einer Stadt im Odenwaldkreis steht deswegen seit Mittwoch vor dem Darmstädter Landgericht. „Der Angeklagte...

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MICHELSTADT. Online-Handel wird auch mit Drogen betrieben. Ein junger Mann aus einer Stadt im Odenwaldkreis steht deswegen seit Mittwoch vor dem Darmstädter Landgericht. „Der Angeklagte betrieb von seiner Wohnung in Michelstadt aus einen schwungvollen Online-Handel mit Betäubungsmitteln“, klagte Staatsanwältin Esther Landsiedel an, „die Verkaufsverhandlungen erfolgten online beziehungsweise im Darknet“. Laut Staatsanwaltschaft soll der 28 Jahre alte Angeklagte online Betäubungsmittel gekauft und dann in ganz Deutschland weiter verkauft haben. Dabei soll er sie unter anderem in DVD-Hüllen der TV-Serie „Breaking Bad“ verpackt haben. In der Serie wird ein biederer Chemielehrer Crystal Meth-Koch und knallharter Drogenboss.

Beweise sind für die Anklägerin unter anderem Drogen, die Ende Januar 2016 in der Wohnung des Angeklagten gefunden wurden, sowie Chatverläufe zwischen dem Odenwälder und Onlinedealern. Dazu kommt noch der Punkt Drogenhandel mit Waffen. Als die Polizei das Haus des Beschuldigten durchsuchte, hatte sie auf dem Schreibtisch auch Messer gefunden sowie ein Beil, an dem Marihuanareste klebten.

Nachdem die Anklage verlesen war, gab die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff dem Angeklagten einen deutlichen Hinweis: „Nach Aktenlage scheint die Beweislage nicht so schlecht zu sein.“ Sie legte dem Beschuldigten nahe, ein umfassendes Geständnis abzulegen. Das könne die Strafhöhe deutlich in seinem Sinne beeinflussen.

„Ich habe nie einen Online-Handel betrieben“, sagte der Angeklagte. Während seiner Ausbildung zum Elektroniker habe er nur mit technischen Bauteilen gehandelt. Dass er Marihuana gekauft hatte, räumt er ein, weil er damit die Schmerzen in seinem Arm behandeln wollte. Mitte 2014 hatte er einen Unfall, bei dem sein linker Arm schwer verletzt wurde. Unter anderem habe er kein Gefühl mehr in der Hand gehabt, erklärte der junge Mann. Auch seien die Bewegungen verlangsamt gewesen. Aber nach einem Amsterdam-Urlaub, bei dem er Marihuana geraucht habe, sei es mit dem Arm besser geworden; so schilderte er, wie er zum Drogenkonsumenten wurde. Inzwischen verschreibe ihm sein Hausarzt Cannabis. „Ich kann seitdem wieder durchgehend arbeiten“, sagte er.

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Das Cannabis verarbeitet der Angeklagte für seine Zwecke weiter. „Ich extrahiere das und mache mir ein Öl daraus“, erklärte der junge Mann, der ein Umweltingenieurs-Studium abgebrochen hatte – dort war ihm zu viel Chemie dabei.

Dass ein Onlinedealer ihm neben Cannabis auch Kokain und Ecstasypillen geliefert hatte, erklärte der Beschuldigte damit, dass es das automatisch gegeben habe. „Das ist so ein Package, Party-Bundle heißt das“, erklärte er.

Chatverläufe mit Dealern als Beweise

„Da gibt es aber Korrespondenzen, die auf Handel schließen lassen“, hielt die Richterin ihm Chats mit einem Dealer vor. „Musst Bescheid sagen, die anderen 500 sind schon weg“, las die Richterin einen Dialog vor, in dem es um Kokain ging. „Das gehört zur Profilierung“, erklärte der Angeklagte.

Mit solchen Ansagen versuche man nur, sich die Händler warm zu halten. „Ich habe nur Marihuana gewollt, meine Alternative wären sonst harte Medikamente gewesen.“ Der Prozess wird am heutigen Freitag, 28. Juli, fortgesetzt.