Michelstädter Haupt- und Finanzausschuss rät von...

Die Würzberger Mies (hier der Blick von Bullau über den Eutergrund hinweg Richtung Würzberg) ist für eine Windkraftanlage mit fünf Rotoren vorgesehen. Die Stadt, die über elf dazu benötigte Grundstücke verfügt, will einem Pachtvertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald nicht zustimmen. Die Mehrheit im Hauptausschuss teilt Bedenken des Magistrats wegen der Höhe der Rotoren und der Nähe zur Siedlungsfläche des Michelstädter Höhenstadtteils. Foto: Joaquim Ferreira

An der geplanten Windkraft-Fläche in der Mies bei Würzberg mit fünf Einzelanlagen wird sich die Stadt wohl nicht beteiligen. Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt...

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MICHELSTADT. An der geplanten Windkraft-Fläche in der Mies bei Würzberg mit fünf Einzelanlagen wird sich die Stadt wohl nicht beteiligen. Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt mehrheitlich der Stadtverordnetenversammlung, einem Gestattungsvertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald nicht zuzustimmen.

Bei einer Gegenstimme der Grünen- und drei Enthaltungen der SPD-Fraktion teilte das Gremium die Bedenken des Magistrats. Die machen sich laut Beschlussvorschlag, den Ausschussvorsitzender Georg Walther verlas, vor allem an der Höhe der geplanten Anlagen, der Nähe zur Siedlungsfläche und eventuellen Verschlechterungen der Lebensqualität wegen möglicher Geräuschentwicklungen des Betriebs der Windräder fest.

Der Standort ist zwar im Flächennutzungsplan der Odenwaldkreiskommunen für Windkraftnutzung vorgesehen. Doch weil dieser nicht vom Regierungspräsidium genehmigt worden ist, kann eine Begrenzung auf die darin festgelegten Vorrangflächen nicht garantiert werden. Daher wird befürchtet, dass der Odenwald zusätzlich belastet wird, mit einer Quote, die "sogar über die Festlegungen des Regionalplan-Entwurfs hinausgeht".

Um diesen Kritikpunkt drehte sich die gut einstündige Diskussion. Gescheitert ist dabei Rainer Raßloff (SPD), dessen Fraktion nach seinen Worten zwar die grundlegenden Bedenken teilt, aber eine weichere Ablehnung vorgeschlagen hatte. Sie wollte sich die Tür für Verhandlungen offenhalten und lediglich "derzeit" dem Pachtvertrag nicht zustimmen.

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Dagegen sprach sich Lutz Hasenzahl (FDP) aus: "Ich bin dankbar, dass auch Fraktionen, die für den Flächennutzungsplan gestimmt haben, jetzt das Projekt ablehnen." Georg Walther (CDU) begründete die Ablehnung des Vertragswerks: "Wir brauchen diese Höhen und Masse an Windrädern nicht." In Verhandlungen zuvor war versucht worden, die Zahl der Rotoren von fünf auf drei zu reduzieren - erfolglos. Der Projektierer, das Versorgungsunternehmen Entega, hatte die Höhen der geplanten Windräder zweimal angehoben; zuletzt war eine Gesamthöhe von 241 Meter bei 166 Meter Nabenhöhe vorgesehen.

Dr. Tobias Robischon (ÜWG): "Wir müssen uns eingestehen, dass der Flächennutzungsplan ein totes Pferd ist, das wir immer noch reiten." Wenn der wider Erwarten doch noch in Kraft treten sollte - eine Klage gegen die Ablehnung ist anhängig - sei neu zu überlegen. "Wir brauchen einen Plan B, müssen bei der politischen Linie bleiben zur Begrenzung des Ausbaus", befand Robischon.

Diese Sichtweise der ÜWG, Windanlagen zu vermeiden, rief nicht nur den Widerspruch von Hans Jürgen Zinn (Grüne) hervor. Raßloff hielt nichts davon, zu "sagen, wir sind gegen Windkraft". Der Flächennutzungsplan sei nicht abschließend entschieden und biete die einzige Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Jeder andere Plan sehe mehr Windenergieflächen vor, oder die Genehmigungsfrage sei ganz offen und biete "eine Spielwiese für jeden Projektierer".

Auch Bürgermeister Stephan Kelbert (parteilos) erkannte eine "Gefahr, dass man da zugepflastert wird" und betonte: "Klar war, der Flächennutzungsplan muss Windkraft Raum geben." Er sah Michelstadt in einer Sonderrolle und regte Überlegungen an, den Regionalplan zu begrenzen mit einem eigenen Flächennutzungsplan. Der sollte zwei bis drei Prozent der Kommunalfläche der Windkraft zuführen, im Regionalplan seien es für Michelstadt sieben bis acht Prozent. Andererseits wollte Kelbert auch "die Solidarität der kommunalen Familie nicht aufs Spiel setzen". Er nannte es einen Skandal, dass der Flächenplan der 15 Odenwaldkommunen unter Missachtung des hohen Guts des kommunalen Planungsrechts "kleinlich und schäbig" abgelehnt wurde.

Zinn hatte an die Vergütungen der Entega für die Stadt erinnert und betont, an der Würzberger Anlage würden viele Bürger profitieren, kein Monopolist. Es sei aber viel Geld im Spiel, und die Einwohnerschaft in Würzberg werde gespalten, befand ergänzend Bürgermeister Kelbert. Natalie Rauch (SPD) betonte, ohne Zustimmung der Stadt seien andere Pachtverträge möglich. Und gäbe es den Vertragsentwurf nicht, würde die Stadt gar nicht gefragt.

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Von Elmar Streun