Gertrud Runkwitz feiert ihren 95. Geburtstag

Gertrud Runkwitz begeht am Sonntag, 7. April, ihren 95. Geburtstag. Foto: Ernst Schmerker

Die engagierte Naturschützerin blickt im Kreise ihrer Nachkommenschaft auf ein bewegtes Leben.

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MICHELSTADT. Die Kriegsjahre waren prägend für das Leben von Gertrud Runkwitz, die am Sonntag, 7. April, bei erstaunlicher geistiger Frische ihren 95. Geburtstag begeht. Seit vier Jahren lebt sie in der AWO-Pflegeeinrichtung am Stadtring 166 in Michelstadt, doch der Ehrentag gefeiert wird mit der Nachkommenschaft in Lohr am Main.

In Frankfurt geboren und mit einer fünf Jahre älteren Schwester aufgewachsen, hat sie nach ihrer Volksschulzeit das damals übliche Pflichtjahr absolviert. Auf eine mit Auszeichnung abgeschlossene Laboranten-Ausbildung folgte noch eine Lehre als Fotografin, die zur Dienstverpflichtung bei der Firma Matra führte. Von nun an war sie mit der damals noch schweren Plattenkamera unterwegs, um an den Standorten des Fahrzeug- und Flugzeugteile herstellenden Unternehmens Aufnahmen für die jeweilige Betriebsanleitung zu machen.

Im Jahr 1941 lernte sie ihren im Kriegseinsatz verwundeten Mann kennen, mit dem sie 1944 den Bund fürs Leben schloss. Als die Amerikaner kamen, flüchtete die junge Familie nach Leipzig, von wo es dann aus Angst vor den Russen mit dem Fahrrad zurück nach Frankfurt ging. Die in Aussicht gestellte Wohnung der Eltern war von Amerikanern beschlagnahmt. Letztlich fand das Paar in Pfungstadt eine Bleibe. Vater Runkwitz sorgte mit seinem Verdienst als Hilfsarbeiter fürs Nötigste.

Wirtschaftlich besser ging es der Familie, als der Ehemann mit einer Anstellung beim Finanzamt auch eine größere Wohnung erhielt. Als das vierte Kind aus dem Gröbsten war, nahm auch Gertrud wieder einer Beschäftigung auf, diesmal bei der Dresdner Bank. Da beide Eheleute schon immer die Natur liebten, bauten sie 1968 in Kimbach ein Haus.

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Von Kimbach aus leitete Mutter Runkwitz dann noch die Volksbank-Filiale in Steinbach. Aktiv war sie in der Bergwacht Kimbach. In dieser DRK-Gliederung hat sie nicht nur die Naturschutzprüfung abgelegt, sondern sich auch als Rechnerin bewährt. Auch dem Landfrauenverein, dem Gesangverein Liedertafel Bad König und der Gymnastikgruppe gehörte sie als aktives Mitglied an. Im Alter von 79 Jahren schaffte sie zum zehnten Mal die Leistungen für das goldene Sportabzeichen.

Zwei Jahre nach dem Tod des Ehemannes ging das Kimbacher Anwesen in neue Hände über. Nach Zwischenstationen in Istanbul, Bad König und Murnau fühlt sich die Seniorin im Pflegeheim am Stadtring gut aufgehoben. Auch wenn das Hörvermögen zu wünschen übrig lässt, nimmt sie an den Aktivitäten des Hauses mit Gedächtnistraining, Gymnastik und Rehasport teil. Zur Nachkommenschaft zählen neben den vier eigenen Kindern sechs Enkel und 13 Urenkel.