Die Revolutionäre kommen

Nach dem Debüt in Steinbach – hier im Juli 2016 mit der „Gefesselten Phantasie“ von Ferdinand Raimund – kommen sie diesen Sommer wieder in den Innenhof von Schloss Fürstenau in Steinbach: Am Sonntag, 2. Juli, stellt die studentische Theatergruppe „Vogelfrei“ aus Heidelberg dort ihr neues Stück vor: Johann Nestroys „Freiheit in Krähwinkel“.Archivfoto: Manfred Giebenhain  Foto:

Der imposante Innenhof von Schloss Fürstenau in Steinbach wird im Sommer erneut den passablen Rahmen für eine Freilichtaufführung liefern: Nach ihrem ersten Gastspiel dort...

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STEINBACH. Der imposante Innenhof von Schloss Fürstenau in Steinbach wird im Sommer erneut den passablen Rahmen für eine Freilichtaufführung liefern: Nach ihrem ersten Gastspiel dort 2016 kommt die studentische Theatergruppe „Vogelfrei“ aus Heidelberg im Juli nach Steinbach, um ihr neuestes Stück auch dem Odenwälder Publikum zu präsentieren. Die Aufführung am Sonntag, 2. Juli, im Innenhof des Schlosses beginnt um 18.30 Uhr. Der Kartenverkauf für das spöttische Stück „Freiheit in Krähwinkel“ von Johann Nestroy startet am Samstag, 1. April.

Nach ihrem Debüt mit „Die gefesselte Phantasie“ im Juli 2016 setzt die am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg beheimatete Theatergruppe „Vogelfrei“ ihre Gastauftritte in Steinbach fort. „Das gewählte Stück ist hoch aktuell“, erklärt Professor Dr. Thomas Wilhelmi von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Johann Nestroy hatte die Ereignisse des Revolutionsjahres 1848 spöttisch-provokativ auf einen fiktiven Ort in der österreichischen Provinz übertragen, um mit den erlaubten Mitteln der Übertreibung das Thema Meinungsfreiheit von der Theorie in die Praxis zu übersetzen. Uraufführung war am 1. Juli 1848 am Carl-Theater in Wien.

Auflehnung gegen das autoritäre Regime

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Zum Inhalt: Das Stück handelt von dem kleinen Stadtstaat Krähwinkel, in dem Autorität herrscht. Da die anderen Staaten schon Freiheit haben, wollen die Krähwinkler nun auch die Freiheit, und sie beginnen sich gegen das autoritäre System zu wehren. Auch sie wollen Revolutions-Luft schnuppern. Vor allem, nachdem der große Nachbar Österreich es bereits vorgemacht hat.

Doch wie packt man so eine Revolution an? Genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint der freigeistige Journalist und Berufsrevolutionär Ultra, der dem Bürgermeister und seinem Beamtenapparat endlich Widerstand leistet. Der Mann ist ein Idealist, dies jedoch aus fragwürdigen Beweggründen. Ihm geht es nicht um Krähwinkel, sondern allein um die Liebe einer Frau. Auch die Bürger haben nicht nur hohe Ziele im Sinn. Wie überall geht es für sie um Geld, Liebe und andere Ärgernisse. Nach menschlichen Verwirrungen, geschickten Täuschungsmanövern und grotesker Sensationslust steht am Ende die Freiheit in Krähwinkel. Doch wie sieht diese aus und zu welchem Preis wurde sie errungen?

In Steinbach wird die studentische Bühne erneut von der örtlichen Grafenfamilie unterstützt, die abermals den imposanten Innenhof des Schlosses für die Aufführung zur Verfügung stellt. Dass die Wahl der Studenten auf das rund zwei Stunden dauernde Theaterstück von Nestroy gefallen ist, hat übrigens nichts mit dem Nachkriegsfilm „Columbus entdeckt Krähwinkel“ zu tun, der einst in Michelstadt gedreht wurde. Die Akteure von „Vogelfrei“ führen seit mehr als zehn Jahren in den Sommermonaten stets ein neues Stück in Heidelberg auf, das im zweiten Jahr nun auch in Michelstadt auf die Bühne kommen wird.