Der Stimmungsmacher am Klavier

Musikkabarettist Michael Krebs erobert das Publikum im Michelstädter Patat im Handumdrehen.Foto: Manfred Giebenhain  Foto: Manfred Giebenhain

Eines gleich vorneweg: Dieser Mann ist ein begnadeter Pianist. Mal zärtlich, mal mit voller Wucht, entlockt Michael Krebs dem Flügel stimmungsvolle Klänge, die am Samstag im...

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MICHELSTADT. Eines gleich vorneweg: Dieser Mann ist ein begnadeter Pianist. Mal zärtlich, mal mit voller Wucht, entlockt Michael Krebs dem Flügel stimmungsvolle Klänge, die am Samstag im Patat-Keller für zwei Zugaben gut waren.

Inszeniert, Zufall oder einfach gekonnt? Das von Patat-Macher Lothar Mertens angekündigte Vorpremiere-Programm „Live“ enthielt jede Menge Überraschungen, die der „rockende Klavierkabarettist“ mit Bravour meisterte. Oder wie kam es dazu, dass der kleine Junge in der ersten Reihe ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Flüsterfuchs – nein danke“ trug, das wie gerufen, zur ersten Zugabe passte?

Wenn der kleine Finger und der Zeigefinger ausgestreckt und die beiden in der Mitte eingezogen werden, outet Michael Krebs sich lautstark als Fan des Heavy-Metall-Festivals „Wacken“. „Pommesgabeln des Teufels“ heißt auch seine Band, die an diesem Abend Pause hatte. Dasselbe Symbol wird aber auch im Kindergarten und in der Grundschule verwendet, um optisch das akustische Gegenteil auszudrücken.

Zu seinem Siegeszug der Pommesgabeln über den Flüsterfuchs passte auch sein letzter Song, der seine neue Freundin, die Grundschullehrerin, verspottet. Davor war es „Das Mädchen von der Jungen Union“, das sich im Bett leidenschaftlicher erwies als der weibliche Nachwuchs der Grünen oder der bibeltreuen Christen.

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Einer, der so frech und frivol seinen Charme ausspielt wie dieser Künstler, erobert nicht nur die weiblichen Herzen. Michael Krebs braucht keinen Gospelchor, um eine Kellerbühne in eine Konzerthalle zu verwandeln. Dreistimmig unterstützten die Patat-Besucher das musikalische Multitalent, als es melancholisch und traurig zugehen sollte. Aber auch darüber machte der vor Selbstbewusstsein strotzende Mann sich lustig, und niemand im Raum war ihm böse, als er als TV-Programmgestalter sinnierte: „Die Leute sind so dumm.“ Qualität statt Quoten: Dafür steht Michael Krebs, der sein eigenes Ding macht.

Das Publikum erlebte einen Musikkabarettisten, der nicht nur davon redet, wie nahe er gerne am Publikum sein möchte, sondern es unter Beweis stellte. In der Pause durften die Besucher ihre Musikwünsche abgeben. Mit verschlossenen Augen zog der Künstler das Wunschlied aus dem Topf: „Karl, der Käfer“, ein Protestsong der Band „Gänsehaut“ aus der Ökobewegung der 1980er Jahre. Für einen guten Kabarettisten gelang es Michael Krebs, die Vorgabe respektvoll aufzugreifen und zeitgemäß so zu interpretieren, dass das Publikum nicht nur seinen Spaß daran hatte, sondern den „Schädlings-Medley“ im Chor mitsingen durfte. Wie sehr dieser Mann im Hier und Jetzt zuhause ist und dennoch nicht vom Mainstream überrannt wird, stellte er selbst unter Beweis.

Selfies, Likes und Postings

Selfies, Likes, Postings und Skypen sind nicht seine Welt. Der Mann in den verschlissenen Jeans und in seinen abgewetzten Lederschuhen steht in der Tradition des Hardrocks und des anarchischen Rebellentums.

Die Mischung aus Charme, Talent, Sympathie und Geradlinigkeit vermag es, dass Menschen aus allen Schichten diesem talentierten Kabarettmusiker applaudieren.