Odenwälder Ufo-Meldestelle: Mehr Sichtungen als im Vorjahr

Immer wieder sehen Menschen vermeintlich Ufos am Himmel. In der Ufo-Meldestelle Cenap wird versucht die Sichtungen aufzuklären.

Im Jahr 2022 sind bei der Ufo-Meldestelle Cenap in Lützelbach 729 Meldungen eingegangen. Was dahintersteckte und warum nicht alle Sichtungen aufgeklärt werden können.

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Lützelbach. In der Ufo-Meldestelle Cenap im Lützelbacher Ortsteil Breitenbrunn werden täglich unbekannte Flugobjekte gemeldet. Hansjürgen Köhler hat sich seit 50 Jahren zur Aufgabe gemacht, diese Meldungen zu untersuchen und aufzuzeigen, was tatsächlich dahinter steckt. Im vergangenen Jahr sind so besonders viele vermeintliche Ufo-Sichtungen in Breitenbrunn eingelaufen, wie die Jahresstatistik aufweist.

Starlink-Satelliten, Flugzeuge und Drohnen

„Insgesamt erreichten uns im Jahre 2022 über 729 Meldungen”, berichtet Hansjürgen Köhler. Dabei stünden vor allem die gemeldeten Beobachtungen der sogenannten Starlink-Satelliten, ein von dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betriebenes Satellitennetzwerk, mit ihren verschiedenen Erscheinungsweisen an der Spitze. Mit 33 Prozent aller Sichtungen im vergangenen Jahr sind sie zwar gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, brächten aber immer noch eine Vielzahl an Zufallsbeobachtern zum Rätselraten. Weiter gestiegen seien dagegen die Sichtungen von Drohnen und Flugzeugen, die Augenzeugen ins Grübeln geraten lasse.

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„Fester Bestandteil von nicht erkannten Stimulus am Nachthimmel ist nach wie vor bei gleichbleibenden 24 Prozent die Kategorie Astronomie”, erklärt Hansjürgen Köhler. Darunter zählten unter anderem nicht erkannte Planeten oder auch Fixsterne. „Somit leisten wir bei unserer Ufo-Forschung nebenbei Astronomie-Unterricht bei zum Teil verwunderten Live-Anrufern, welche trotz diverser Stadt-Licht-Halos (helle Bereiche mit Lichtverschmutzung, Anm. d. Red) helle Planeten wie Jupiter, Venus, Mars, Saturn erblicken konnten”, führt der Hobby-Astronom weiter aus. Zugenommen hätten zusätzlich vorgelegte Handy-Fotos und -Videos, die alle Arten von Linsenspiegelungen sowie Einflüge von Insekten und Vögeln zeigten.

Hobbyastronom Hans-Jürgen Köhler betreibt die  deutsche Ufo-Meldestelle „CENAP“ im Lützelbacher Ortsteil Breitenbrunn.
Hobbyastronom Hans-Jürgen Köhler betreibt die deutsche Ufo-Meldestelle „Cenap“ im Lützelbacher Ortsteil Breitenbrunn. (© Köhler)

Häufig führten die diversen Flugbewegungen, welche Zufallsbeobachter beschrieben, die Cenap-Experten zur Wahrheit. Denn viele unterschätzten die Bewegungen von Drohnen, Ballons und Himmelslaternen und vermuteten aufgrund der Unwissenheit schnell Übernatürliches. „Daher ist es für uns wichtig, die Ufo-Welt und deren Erscheinungsformen zu kennen, um die wirkliche Ursache im Auge zu haben”, beschreibt Köhler das allgemeine Vorgehen.

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Nicht alle Sichtungen werden aufgeklärt

Und doch können nicht alle Phänomene aufgeklärt werden. Ähnliches besagen auch die sogenannten UAP’s des US-Militärs, in denen undefinierte Phänomene beschrieben werden. „Im Grunde genommen entsprechen die Ergebnisse des US-Militärs auch unseren Untersuchungsberichten. Auch wir haben im vergangenen Jahr 14 Fälle, die offen verblieben, jedoch wurden sie nicht wegen extremen fremdartigen Verhalten zum „X-File”, sondern durch fehlende Angaben der Beobachter, welche eine genaue Überprüfung verhinderten”, klärt Hobby-Astronom Köhler auf. Bei einzelnen Fällen habe man zwar Hinweise auf herkömmliche Ursachen, mangels genauer Angaben zu Datum und Uhrzeit und teilweise fehlender Ortsangaben, seien keine Abfragen zu astronomischen Gegebenheiten oder Überprüfungen des Flugverkehrs möglich gewesen. Daher blieben diese Fälle offen.

So werden auch in diesem Jahr wieder Hunderte vermeintliche Ufo-Sichtungen bei Hansjürgen Köhler in Breitenbrunn eingehen. Und der Odenwälder wird wie bereits seit Jahrzehnten sein Möglichstes tun, Licht ins Dunkel zu bringen, um die Phänomene aufzuklären. Schließlich feiert das Cenap in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum.