Horst Schnur kehrt SPD-Fraktion im Odenwaldkreis den Rücken

Über die Windräder-Politik haben sich Horst Schnur und die SPD-Kreistagsfraktion entzweit. Der frühere Landrat (hier als Alterspräsident bei der Rede zur Konstituierung des Parlaments 2018), hat deshalb sein Mandat zurückgegeben.Archivfotos: Manfred Giebenhain/Guido Schiek

Der frühere Landrat Horst Schnur hat sein Mandat als SPD-Kreistagsabgeordneter zurückgegeben. Die Ursache liegt in der Windräder-Debatte.

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ODENWALDKREIS/OLFEN. Einer der bekanntesten Sozialdemokraten Südhessens, der frühere Odenwälder Landrat Horst Schnur, hat der Kreistagsgruppe seiner Partei den Rücken gekehrt. Wie der 76-Jährige am Donnerstag bestätigte, hat er diese Woche sein Mandat im Kreisparlament zurückgegeben und davon neben Landrat Frank Matiaske auch den Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Raoul Giebenhain, unterrichtet. Schnur hat damit nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus einer Entfremdung zwischen ihm und zumindest Teilen der eigenen Parlamentsreihen gezogen, die aus Meinungsverschiedenheiten über die Haltung zum Ausbau der Windkraft-Nutzung im Odenwaldkreis entstanden ist.

Dabei gibt Schnurs Brief an Giebenhain einen Eindruck davon, wie es dem streitbaren Abgeordneten zuletzt mit einigen seiner Kollegen ging: „All denjenigen in der Fraktion, denen es nicht möglich ist, mich zu grüßen oder Guten Tag und Auf Wiedersehen zu sagen, die sich im Ausdruck ihrer Körpersprache von mir abwenden und meine kontroverse Meinung nicht länger ertragen wollen, möge meine Entscheidung eine Erleichterung sein“, schreibt der im Oberzenter Stadtteil Olfen beheimatete Politiker. Wie er gegenüber dem ECHO hinzufügte, habe er damit zwar sehr wohl seine Enttäuschung formulieren, aber keinen Affront provozieren wollen.

„Mir geht es nicht darum, mit meinem Rücktritt irgendeine Auseinandersetzung zu befeuern“, betonte Schnur. In diesem Sinne seien sein Schritt und dessen Begründung nicht als Angriff gegen die SPD-Fraktion gedacht, deren Politik er bei den meisten Inhalten weiter teile und begrüße. Es dürfe aber durchaus deutlich werden, dass er seine Kraft nicht mehr in die Verarbeitung politischen Ärgers stecken wolle. „Ich breche meine parteipolitische Betätigung ab, werde mich im gesellschaftlichen Leben im Rahmen meiner altersbedingten Einschränkungen und Möglichkeiten weiterhin aktiv verhalten und auch in der Öffentlichkeit bei entsprechenden Gelegenheiten sehr wohl meine Meinung einbringen“, fasst der ehemalige Landrat zusammen.

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„Gerade im Moment stehe ich vor einem wichtigen Termin, bei dem ich einem in Oberzent heimisch gewordenen Flüchtling sein Aufenthaltsrecht sichern helfen will“, ließ Schnur dazu im Gespräch wissen und zeigte damit die von ihm mit angestoßene Integrationsarbeit im südlichen Odenwaldkreis als eines der Betätigungsfelder auf, in denen er sich unvermindert einbringen will. Dassselbe gilt für sein Engagement in der Dorfgemeinschaft seines Heimatorts Olfen, in der Odenwaldstiftung oder in der Regionalforschung. Vor allem aber will sich Schnur auch weiter der intensiven Nutzung des Odenwaldkreises mit Windkraft widersetzen, nun eben ohne den parlamentarische Arm, dafür aber umso entschlossener innerhalb der Bürgerbewegung. „Es waren und sind ohnehin die Initiativgruppen, von denen hier die Impulse ausgehen“, sagt Schnur und kommt damit auf die Ursache der gegenseitigen Vorbehalte innerhalb der SPD-Kreistagsfraktion zu sprechen. Hier hätten viele Sozialdemokraten aus falsch verstandener Solidarität viel zu lange die Windräder-Politik der Großregion mitgetragen und seien erst spät und hie und da womöglich auch nur halbherzig auf die Widerspruchs-Linie eingeschwenkt. „Und an der Ächtung, die ich seit meinem frühen Veto in der Regionalversammlung bei manchen verspüre, hat sich nichts geändert.“

Ein Knirschen zwischen Schnur und weiten Teilen der Fraktion stellte auf Anfrage auch deren Vorsitzender Raoul Giebenhain nicht in Abrede. Es sei aber ausschließlich rund um das Thema Windkraft entstanden und habe auch hier allein der politischen Linie gegolten: „Eine Übertragung der Meinungsverschiedenheiten auf die persönliche Ebene ist weder gewollt gewesen noch erfolgt“, sagte Giebenhain. Dafür verdiene und genieße Schnur einen zu hohen Respekt bei allem Sozialdemokraten – vor allem für die Leistungen, die er als früherer Vorsitzender und Landrat für Partei und Kreis vollbracht habe, aber auch für die nun beendete Mitarbeit in der Fraktion: „Das Wissen und die Erfahrung Schnurs werden uns fehlen“, fasste Giebenhain sein Bedauern über den Abschied zusammen.