Hochbau-Betrieb im Felgenwald

In eine Großbaustelle haben die Arbeiten an der Errichtung zweier Windräder den Wald bei Vielbrunn verwandelt. Foto: Joaquim Ferreira

WHS-Enertec setzt zwischen Vielbrunn und Eulbach zum Bau zweier 217 Meter hoher Anlagen an.

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VIELBRUNN. Der Energieerzeugungs-Spezialist whs-Enertec (Erzhausen) hat damit begonnen, auf der Höhe südlich des Michelstädter Stadtteils Vielbrunn zwei Windräder bauen zu lassen. Er nutzt damit die seit Dezember 2016 vorliegende Genehmigung, den potenziellen Anlagen-Standort "Felgenwald II" zu verwerten. Demnach können zwischen Golfplatz Sansenhof und Eulbach zwei Türme errichtet werden, die mit Flügeln eine Höhe von bis zu 217 Meter erreichen.

Die Energiebranche eröffnet damit den dritten Windräder-Standort im Odenwaldkreis, der zugleich die erste Doppelbelegung für ein und dieselbe Ortschaft bedeutet. Denn zum Einzugsgebiet von Vielbrunn rechnet auch das weitläufige Gebiet Hainaus mit seinen inzwischen neun Anlagen. Aus dieser Konstellation erklärt sich die erhebliche Gegenwehr, der sich Projektierer und Genehmigungsbehörde vonseiten der lokalen Bevölkerung gegenübersehen.

Die in der Bürgerinitiative "Zukunft Vielbrunn" organisierten Gegner der Felgenwald-Bebauung begründen ihr Veto freilich nicht mit der Empfindung einer optischen Überlastung ihrer Ortschaft, sondern machen handfeste Hinderungsgründe geltend. Als solche führen sie vor allem die Lage des Standorts im Wassergewinnungs-Gebiet Michelstadts für seine östlichen Stadtteile und benachbarte Teile Erbachs an. Mit dieser Argumentation erreicht haben sie eine Klage der Stadt Michelstadt gegen die Baugenehmigung, die weiter verwaltungsgerichtlich anhängig ist.

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Wenn whs-Enertec dennoch baut, dann geschieht dies auf Grundlage der Zulässigkeit des Sofortvollzugs. Die wiederum hat der Bauherr ausdrücklich bestätigt bekommen, indem die zuständige Kammer die Forderung nach einstweiliger Verfügung eines Baustopps zurückgewiesen hat. In der Streitsache befindet sich Michelstadt insofern in einer kniffligen Lage, als seine Gremien den Felgenwald einst selbst als möglichen Windräder-Standort vorgeschlagen haben: Der Höhenzug ist in jenem gemeinsamen Flächennutzungsplan enthalten, mit dem die Städte und Gemeinden die Ausbreitung der Windkraft-Nutzung im Odenwaldkreis steuern wollten, damit aber aktuell an vorgesetzten Stellen, Gerichten und dem Fortschreiten konkreter Projekte scheitern.

Wie berichtet, hat das Regierungspräsidium dem Plan die Zustimmung veweigert, wogegen auch das Beschreiten des Rechtswegs bisher keinen Erfolg gebracht hat. In diesem Vakuum können sich Projektierer auf die bundesrechtliche Privilegierung der Winräder-Baus berufen und so praktisch für jeden Platz ihre Ambitionen geltend machen. "Das heißt allerdings nicht, dass sie auch überall bauen dürfen", veweist Hans-Joachim Büchs für "Zukunft Vielbrunn" auf den Schutz höherer Güter, zu denen wichtige Belange des Naturschutzes ebenso gehören können wie die Sicherheit von Boden und Wasser im Sinne menschlicher Daseinsfürsorge. "Genau dieser Ausschlussgrund trifft für den Felgenwald zu, weil der Bau dort Vielbrunn und seine Nachbarorte mit dem Verlust der Versorgung mit Trinwasser und der Verseuchung seiner Böden beroht", bekräftigt Büchs und kündigt an, das Vorhaben weiter juristisch und politisch zu bekämpfen.

Dabei stützt sich "Zukunft Vielbrunn" auf Gutachten und Profil der Boden-Experten Dr. Alexander Stahr und Dr. Benedikt Toussaint (beide Taunusstein). Sie haben sich in anderen Windräder-Konflikten schon bei der Clearingstelle im Wiesbadener Umweltministerium gegenüber Umweltministerin Priska Hinz durchgesetzt. "Im Felgenwald werden zwar jetzt schon vollendete Tatsachen geschaffen, die wir kaum mehr abwenden können", sagt Büchs hierzu, "aber die Klärung der Rechtsfrage bleibt für uns dennoch elementar."

Wenn den Bedenken der Vielbrunner doch noch juristisch Rechnung getragen werde oder gar der befürchtete Großschaden eintrete, dann müsse nämlich die Verantwortung geklärt sein. "Und im Fokus steht da seit Anordnung des Sofortvollzugs das Regierungspräsidium", so der BI-Sprecher.