Hilferuf aus dem Odenwälder Nachbarkreis

In diesem Raum in der Notunterkunft können acht Geflüchtete untergebracht werden, es gibt aber auch größere Räume. Foto: Winfried Zang/Landratsamt

Der Miltenberger Landrat Scherf sieht die Kommunen überfordert mit der steten Neuaufnahme Geflüchteter.

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MILTENBERG. (red). „Wir sind am Ende der Leistungsfähigkeit!“ Landrat Jens Marco Scherf (Grüne) findet in einer Pressemitteilung seiner Kreisverwaltung drastische Worte angesichts der „erneuten Mammutaufgabe“ für den Odenwälder Nachbarlandkreis, weitere Geflüchtete aus Kriegsgebieten aufnehmen zu müssen. In einem Schreiben an Bundeskanzler Olaf Scholz und die Grünen-Spitze im Bundestag beklagt der Landrat demnach: „Wir haben die Ressourcen nicht mehr, weder Wohnraum für Unterbringung noch bei der Versorgung, Betreuung und Integration der Menschen. So sind die Kommunen dauerhaft überfordert.“

Es müsse dringend etwas passieren, fordert er – im Einklang, so heißt es, mit dem Bayerischen Landkreistag und dem Kreisverband des Bayerischen Gemeindetags. Dank Unterstützung der Stadt Klingenberg und der Mithilfe des Roten Kreuzes sei es dem Landkreis gelungen, in der leer stehenden alten Schule in Röllfeld eine Notunterkunft einzurichten, in der Ende Januar die ersten 30 Geflüchteten aus Kriegsgebieten einziehen sollen. Platz wäre für 60 Menschen, aber zunächst müsse sich alles einspielen, bevor die nächsten Geflüchteten aus dem Ankerzentrum in Schweinfurt kommen. Diese Zentren seien voll, im Landkreis fehlten weitere dezentrale Unterkünfte, weshalb nun eine möglichst kurzfristige Notunterbringung erfolgen müsse.

Der Landrat favorisiere dabei solange wie möglich Lösungen wie in Röllfeld, das Sozialamt würde im Notfall aber auch leer stehende Gewerbeimmobilien anmieten (unterkunft@lra-mil.de). Erst als allerletztes Mittel will der Landkreis wieder Schulturnhallen oder Stadthallen belegen – so wie im vergangenen Frühjahr. „In den zurückliegenden Pandemiewintern war der Vereins- und Schulhallensport stark eingeschränkt, ganz besonders auch zu Lasten der Kinder und Jugendlichen. Deshalb ist die Nutzung von Sporthallen die absolute ultima ratio“, wird Scherf zitiert.

Bislang seien im Kreis über 1500 Menschen aus der Ukraine aufgenommen und versorgt worden. Inzwischen seien die Personalkapazitäten bei der Verwaltung und der Betreuung der Geflüchteten aber ausgeschöpft, Schulen und Kindertagesstätten übervoll.