Rolf Otto duldet in seiner Garage ein Wespennest und erlebt...

Ein gewaltiges Nest haben Wespen in der Garage des Langenbrombachers Rolf Otto gebaut, bisher sind sie allerdings kaum aggressiv. Foto: Joaquim Ferreira

Die Wespe kommt in Europa je in rund einem Dutzend von Arten vor. Sie alle leben während des Sommers in selbst gebauten Nestern, bis im Herbst die Königin stirbt. Eines dieser...

Anzeige

LANGENBROMBACH. Angefangen hat alles damit, dass der Langenbrombacher Rolf Otto (55) im Frühling dieses Jahres in seiner Garage auf ein kaum handflächengroßes Wespennest stieß und sich nach kurzem Überlegen zu dessen Duldung entschloss. Geworden ist daraus ein Putzeimermaße sprengendes Insektenquartier, das den Diplom-Ingenieur und seine Frau Doris (68) täglich aufs Neue fasziniert, "wobei das Ganze meiner Frau nicht immer ganz geheuer ist", wie der Ehemann einräumt.

Im Grunde genommen aber sind sich beide einig, dass es weiter keinen Grund gibt, die Beseitigung der fliegenden Mitbewohner anzustreben. Der naturkundlich eher durchschnittlich kompetente Otto kann zwar weder selbst bestimmen, welche Art der Spezies Wespe sich da bei ihm angesiedelt hat, noch hat er dies fachmännisch untersuchen lassen. "Aber es ist ein ausgesprochen friedliches Volk, das ich da erwischt habe - und darauf kommt es an", fügt der schon in Langenbrombach aufgewachsene Ortsbürger hinzu. Mit ihm und seiner Frau könnten also auch Haushund und -katze gut mit dem einstweiligen Zuwachs leben, Kinder als etwaige Risikogruppe seien nicht im Haus.

Sollten die Wespen also nicht doch noch aggressiv werden und seine Frau, ihn oder Nachbarn gefährden, dürfen sie bis zu ihrem naturgegebenem Abschied seine Gäste bleiben. "Irgendwann zwischen September und spätestens November wird das Volk sterben und eine leere Hülle zurücklassen, die ich dann beseitigen kann, ohne Gefahr zu laufen, Schaden anzurichten oder zu nehmen", gibt Otto das Wissen weiter, mit dem ihn die Untere Naturschutzbehörde ausgestattet hat. Die nämlich hatte er schon konsultiert, als er das Wespennest entdeckte und regelgerecht damit umgehen wollte. Zur ebenso klammheimlichen wie radikalen Zerstörung, wie sie unter Haus- und Gartenbesitzern nach wie vor fast üblich ist, wollte der Langenbrombacher nämlich mit Blick auf das Lebensrecht jeder Kreatur und die Anforderungen des Naturschutzes nicht schreiten. "Vor allem ging von den Wespen selbst keinerlei Druck in Richtung Beseitigung aus", bekräftigt er den guten Leumund der Mitbewohner.

Anzeige

Vom Fachmann der Naturschutzbehörde wurde Otto auch insofern in seiner Haltung bestätigt, als der darauf hinwies, dass Wespen unter Naturschutz stehen. Ihre Nester dürfen also gar nicht zerstört, sondern müssen von Expertenhand umgesiedelt werden. "Ich hätte also eine Art Kammerjäger kommen lassen - und teuer bezahlen müssen", macht der Odenwälder aus einem weiteren Grund für seinen Frieden mit der Insektensiedlung keinen Hehl. Also putzte und schützte der Eigentümer sein Auto, über dessen zunächst unerklärliche Verschmutzung er auf das Nest aufmerksam geworden war, und nahm sein Fahrrad aus der Fluglinie. Hinter dem nämlich hatte sich die kleine Wabenansammlung zunächst ungesehen entwickeln können.

Unter den Haken, der üblicherweise das Velo trägt, hängte der findige Hausherr zum Abfangen weiterer potenzieller Schmutzeinträge einen formidablen Eimer - nicht ahndend, dass der wenige Wochen später nicht etwa den Ausscheidungen der Wespen, sondern denen selbst Platz bieten würde.

"Den Fahrradhaken haben die Tierchen inzwischen ganz in ihr Nest integriert, den Eimer als Erweiterungs-Pfeiler genutzt", beschreibt Otto, um hinzuzufügen: "Da kann man nur staunen, wie schnell und stark die ihr Nest ausgebaut haben."