Vorstoß für sieben Windräder über Breuberg

Von den Zinnen der Burg Breuberg fällt der Blick auf Neustadt (rechts), Rai-Breitenbach und den Höhenzug von Arnheiter Höhe und Querberg (im Hintergrund links). Dort will das Fachunternehmen Juwi (Wörrstadt) sieben Windräder bauen. Foto: Joaquim Ferreira

Über der Stadt Breuberg könnten auf dem Höhenrücken gegenüber der Burg sieben Windräder entstehen. Das Verfahren dafür ist auf dem Weg.

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BREUBERG/LÜTZELBACH. Das vorläufig stärkste Windräder-Aufkommen nach der Ansammlung am Hainhaus bei Breitenbrunn bahnt sich für den wenige Kilometer nördlich gelegenen Höhenzug zwischen Breuberg und Lützelbach an. Auf 159 Hektar Land soll die Hochfläche zwischen Arnheiter Höhe und Querberg im Dreieck von Rai-Breitenbach, Hainstadt und Lützelbach insgesamt sieben Anlagen Platz bieten. Wie die dieser Zeitung vorliegende Einladung zu einem Scopingtermin ausweist, sind die Vorbereitungen bereits weit gediehen. Denn der Fachbegriff steht für ein Abklärungsgespräch zu einem Genehmigungsverfahren, das damit beim Regierungspräsidium in Darmstadt angemeldet sein muss.

Von den Zinnen der Burg Breuberg fällt der Blick auf Neustadt (rechts), Rai-Breitenbach und den Höhenzug von Arnheiter Höhe und Querberg (im Hintergrund links). Dort will das Fachunternehmen Juwi (Wörrstadt) sieben Windräder bauen. Foto: Joaquim Ferreira

Wie den Unterlagen zu entnehmen ist, kommt das Bauinteresse für den Grenzkamm zum bayerischen Untermain vom regional bekannten Projektierer Juwi aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt. Dabei handelt es sich um jenes Unternehmen, das im Odenwaldkreis bereits den Bau von fünf Windrädern im Katzenwinkel bei Etzean vorantreibt und hier einen Konflikt mit der Standort-Kommune Oberzent ausficht, die am betreffenden Platz keine Windräder haben will. Demgegenüber kann sich Juwi dort wie in Breuberg über die grundsätzliche Privilegierung von Windräder-Bauten hinaus auf eine Planungsabsicht berufen, die auch fürsein neuestes Erwartungsgebiet gilt: Ebenso wie der Katzenwinkel steht auch die Arnheiter Höhe im Entwurf für den Teilplan Erneuerbare Energien, mit dem die Regionalversammlung den bestehenden Regionalplan ergänzen will. Der Bergrücken im Nordkreis ist dort allerdings als Vorranggebiet ohne Ausschlusswirkung ausgewiesen, was auf eine Restunsicherheit im Blick auf die Brauchbarkeit des Standorts hindeutet. Lässt es die Klausel doch ausdrücklich zu, alternativ ein derzeit vom Teilplan noch nicht zur Bebauung vorgesehenes Gebiet zu nutzen.

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Ob ohne oder mit Ausschlusswirkung – auch in Breuberg gehen die Juwi-Ambitionen der Standort-Kommune gegen den Strich. Dies offenbart sich in der Haltung des Stadtparlaments, das nicht nur gemeinsam mit allen weiteren Kreiskommunen anstelle des Regionalplan-Entwurfs den kreisbezogenen Flächennutzungsplan rechtswirksam machen will, sondern beim Regierungspräsidium auch ganz konkret Bedenken gegen eine potenzielle Überlastung ihres Stadtgebiets angemeldet hat.

So könnte die Bebauung des Querbergs nach Befürchtung der Breuberger eine Bedrängungswirkung auf den Stadtteil Rai-Breitenbach ausüben, über der sich die Rotoren-Reihe wie ein Riegel erheben würde. Am stärksten ins Auge fallen würde der wohl obendrein vom historischen Wahrzeichen und wichtigsten Ausflugsziel der Stadt aus, der schräg gegenüber liegenden Burg Breuberg. Skeptisch gesehen wird ein weiterer Ausbau der Windkraft-Nutzung nach dem Entwurf zum Teilplan Erneuerbare Energien auch in der zweiten hessischen Anrainerkommune, der Gemeinde Lützelbach. Mit den neun Hainhaus-Windrädern im Einzugsgebiet ihrer Ortsteile Haingrund und Breitenbrunn erbringt sie bereits einen maßgeblichen Beitrag zur Energiewende.

Verdichtung unmittelbar über der Mümling

Das nun in Rede stehende Gebiet würde sich vor allem auf die Kerngemeinde Lützel-Wiebelsbach und Seckmauern auswirken. Im Einflussbereich lägen ferner die bayerischen Kommunen Wörth und Obernburg, namentlich mit dem Stadtteil Eisenbach. Denen freilich gestehen die hessischen Genehmigungsbehörden noch nicht einmal das Äußerungsrecht zu, das für die Standorte-Städte und -Gemeinden gilt. Das Projekt auf der Arnheiter Höhe verstärkt zudem die Tendenz einer verdichteten Windräder-Nutzung des Höhenzugs unmittelbar östlich und nördlich der mittleren und unteren Mümling. Wie berichtet, arbeitet nämlich der Branchenriese PNE AG an einer Erschließung der Steinhäuser Hecken oberhalb von Mümling-Grumbach. Als Vorranggebiet in den Teilplan-Entwurf eingezeichnet ist zudem die Hochfläche zwischen Obrunnschlucht, Dusenbacher Kopf und Rimhorn.