Brensbacher Bannoser Theater bringt „Das Tagebuch der Anne...

Die Enge ihres erzwungenen Zusammenlebens belastet Anne Frank und ihre Mitbewohner sehr, wie diese Szene zeigt.   Foto: Kirsten Sundermann  Foto: Kirsten Sundermann

Wer da meint, ein Drama in einem Boulevard-Theater aufzuführen, das ginge überhaupt nicht, der wurde am Freitag eines Besseren belehrt. Da feierte die Brensbacher...

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BRENSBACH. Wer da meint, ein Drama in einem Boulevard-Theater aufzuführen, das ginge überhaupt nicht, der wurde am Freitag eines Besseren belehrt. Da feierte die Brensbacher Bannoser-Gruppe mit ihrem neuen Stück „Das Tagebuch der Anne Frank“ Premiere – und das Publikum war begeistert.

Die Besucher dürften gewusst haben, dass sie an diesem Abend kein heiterer Schwank erwartet. Dazu ist der authentische Bericht des jüdischen Mädchens Anne über die schreckliche Zeit, die sie zusammen mit ihrer Familie und anderen Verfolgten auf der Flucht vor den Nazis in einem Amsterdamer Hinterhaus verbringen musste, nur zu gut bekannt. Der Inhalt ist beklemmend, das Ende tragisch.

Auch in Brensbach halten die Besucher während der Aufführung ab und zu die Luft an, wagen nicht, zwischen den einzelnen Akten – die Aufzeichnungen wurden schon Mitte der 50er Jahre von Frances Goodrich und Albert Hackett zu einem Theaterstück umgearbeitet – zu klatschen. Das wird dann nach der Halbzeit und am Schluss nachgeholt.

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Denn die Theatergruppe unter der Regie von Birgit Zörgiebel hat es in großartiger Weise verstanden, die Zuschauer mitzunehmen in das Geschehen, sie miterleben zu lassen, was es bedeutet, wenn Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen. Wenn die ständige Angst vor Entdeckung sie zwingt, sich zumindest tagsüber möglichst nicht zu bewegen und keine Geräusche zu machen. Wenn die Ungewissheit über das politische Geschehen draußen und das eigene Schicksal quält. Wenn der Hunger immer größer wird, weil auch die niederländischen Freunde, die sie unterstützen, unter den Lebensmittelrationierungen zu leiden haben.

Die Eingeschlossenen können einander nicht ausweichen, sie müssen es fast zwei Jahre lang miteinander aushalten, bis sie, kurz vor Kriegsende, durch Verrat doch noch entdeckt und deportiert werden.

Wie die Ensemble-Mitglieder es schaffen, die unterschiedlichen Charaktere überzeugend darzustellen ist hohe Schauspielkunst und verdient Bewunderung. Da ist zum einen der verständnisvolle und stets hilfsbereite Otto Frank (Jürgen Kredel), Ehemann der gutmütigen Edith (Anna Urbanik), die im allergrößten Zorn dann doch aus der Haut fährt. Mit dabei sind ihre beiden Töchter Margot (Eva Schwarz) und Anne (Hannah Schlingmann).

Ursprünglich sollten nur die Franks in der Hinterhauswohnung hausen, aber da noch weitere Juden dringend ein Versteck benötigten, haben sie auch diesen Unterschlupf gewährt. Dem stets nach Zigaretten und Essen gierenden Herrn van Daan (Nikolai Jeuthe) also und seiner koketten Frau (Heike Müller), die ihr höchstes Glück in ihrem Pelzmantel sieht. Und deren Sohn Peter (Maximilian Wolfenstädter), einem mürrischen Sechzehnjährigen, den außer seinem kleinen Kater nichts interessiert.

Liebenswerte und zugleich sprunghafte Romanheldin

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Als der hysterische und Katzenallergiker Dussel (Fabian Stichling) hinzukommt, potenzieren sich die Probleme. Franks älteste Tochter Margot hält sich zwar stets bescheiden im Hintergrund und Haushalt, aber die temperamentvolle Anne, die zu Beginn der „Einsperrung“ erst 13 Jahre alt und daher mit pubertären Stimmungsschwankungen zu tun hat, versucht immer wieder den Aufstand. Da fehlt es nicht an komischen Momenten, auf die die Zuschauer mit befreiendem Lachen reagieren.

Die gerne und stets plappernde Anne will später Schriftstellerin werden und übt das schon einmal, indem sie Tagebuch führt. Hier notiert sie alle kleinen Erlebnisse des Alltags, aber auch ihre Hoffnungen und Erwartungen. Ihrer Interpretin, der 23-jährigen Erzieherin in Ausbildung Hannah Schlingmann, ist es großartig gelungen, die liebenswerte Romanheldin in ihrer Sprunghaftigkeit herauszuarbeiten.

Auch die holländischen Helfer Miep (Anne Prattinger) und Kraler (Pascal Berger) werden überzeugend dargestellt, und ganz hervorragend zum Gesamteindruck passt der Einsatz von Michael Partheil, dem aus Modautal stammenden Musiker und Sänger, der dem Stück mit selbst vertonten Gedichten von Mascha Kaléko zusätzliche Tiefe und Spannung verleiht.