Ein Ort, an dem Seelen heilen sollen

Der Kinderhof Fürstengrund besteht seit 30 Jahren: Das ist für alle Beteiligten ein Grund zum Feiern.Foto: Manfred Giebenhain  Foto: Manfred Giebenhain

Auf den ersten Blick erscheint das große weiße Haus am Ortseingang von Fürstengrund ein Haus zu sein wie so viele andere. Kein großes Schild oder ein ähnlich auffälliger...

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FÜRSTENGRUND. Auf den ersten Blick erscheint das große weiße Haus am Ortseingang von Fürstengrund ein Haus zu sein wie so viele andere. Kein großes Schild oder ein ähnlich auffälliger Hinweis deutet darauf hin, dass seit mehr als 30 Jahren besonders solche Kinder hier eine Heimat gefunden haben, die als verhaltensauffällig gelten. Die Jahre eines Vorläufer-Kinderheims eingerechnet, besteht die Kinderhof Fürstengrund gGmbH seit mehr als 40 Jahren, was jetzt gebührend gefeiert wurde.

Die ersten Kinder wurden in Lützelbach aufgenommen

Genau genommen war es vor 41 Jahren, als Sigrid und Johannes Endt sowie Bärbel Zutt im Juni 1976 die ersten Jungen und Mädchen im Lützelbacher Kinderhof aufgenommen haben.

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Der Umzug nach Fürstengrund und die Umbenennung erfolgten 1983, erklärt Thorsten Baumgärtl, der seit 2013 das Haus leitet. Ob jetzt ein Jahr über das Jubiläum hinaus oder nicht: Hier wird es nicht so genau genommen, weshalb auch lange Begrüßungsreden und Grußworte nicht die Sache des Kinderhofs sind.

Das gesellige Miteinander, gemeinsam essen und spielen, singen und tanzen und ein Wiedersehen mit Freunden, Nachbarn und ehemaligen Mitarbeitern und Bewohnern bestimmten das Bild des geschmückten Hinterhofs. Hier stehen den Kindern auch an anderen Tagen ein Spielplatz aus Holzelementen, ein roter Bauwagen, ein Sandkasten sowie ein großes Trampolin, eine Tischtennisplatte und ein Tischkicker zur Verfügung.

„Jetzt haben wir uns mal Zeit genommen, um zu feiern und das Wetter hat bestens mitgespielt“, schickt Baumgärtl einem Moment voraus, der bei aller Unaufgeregtheit ihm dennoch wichtig ist. Alle Mitarbeiter, die 25 Jahre und länger für den Kinderhof arbeiten, werden nach vorne gebeten, um ihnen für ihren treuen Einsatz zu danken. Ulrike Coradill ist gar von Beginn an dabei, was einen besonderen Applaus wert ist.

40 Prozent der Mitarbeiter sind schließlich länger als zehn Jahre mit an Bord. Nutznießer dieser Beständigkeit seien in erster Linie die Kinder, lenkt Sabine Bahr die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche: „Die pädagogischen Betreuungskräfte sind durchschnittlich mehr als 15 Jahre im Team.“

Ein Erwachsener ist maximal für zwei Kinder in der „persönlichen Betreuung“ zuständig. Im Idealfall kann so jedes Kind auf eine gleichbleibende persönliche Beziehung während seines Heimaufenthalts bauen.

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Als Grundgedanken der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bezeichnet Sabine Bahr daher: Verlässlichkeit, Beständigkeit und Kontinuität. Hierauf hat bereits Bärbel Zutt großen Wert gelegt, die mit dem Eintritt in den dritten Lebensabschnitt ihren Wohnsitz wieder nach Darmstadt verlegt hat.

Große Freude prägt das Wiedersehen

Dementsprechend groß war dann die Wiedersehensfreude. Darauf angesprochen, weshalb sie sich vor 41 Jahren selbstständig gemacht hat, bestätigt, worauf es damals wie heute ankommt: „Ich habe vorher in einem Kinderheim gearbeitet, in dem es weniger strukturiert zuging. Das wollte ich ändern in einer Zeit, als der Bedarf an Heimeinrichtungen dann besonders groß war.“