Bad Königer Klinik setzt auf Singen: Wie eine gute Medizin

Gesang im Krankenhaus: Auch Wolfgang Bossinger, Begründer des internationalen Netzwerks, versteht es, zum Singen zu motivieren – hier die Gäste der Veranstaltung zur Zertifikats-Übergabe. Foto: Asklepios Schlossberg-Klinik

Singen tut gut, soll auch gesund sein. Warum also nicht auch in einem Krankenhaus? Als erste Klinik in Hessen wurde die Bad Königer Asklepios-Klinik als „Singendes...

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BAD KÖNIG. Singen tut gut, soll auch gesund sein. Warum also nicht auch in einem Krankenhaus? Das haben sich Mitarbeiter und Chefs der Asklepios Schlossberg-Klinik in Bad König gesagt. Und nun gehört die auf neurologische Frührehabilitation spezialisierte Einrichtung offiziell zu den bundesweit 33 Krankenhäusern im Verein „Singende Krankenhäuser“. Das entsprechende Zertifikat überreichten Katharina und Wolfgang Bossinger, Ehrenvorsitzende und Begründer des internationalen Netzwerkes, an Geschäftsführer Ulrich Schultz, Chefarzt Dr. Michael Hartwich sowie die beiden Musiktherapeuten der Klinik, Stephan Koslik und Joachim Nolden.

Auf den ersten Blick mag die Sache ungewöhnlich erscheinen: Singen in einem Krankenhaus, in dem schwerst erkrankte Menschen behandelt werden. „Aber gerade dort wird dem Singen eine heilende Wirkung nachgesagt: Singen ist einfach, zeigt aber große Wirkung!“, wird Musiktherapeut Koslik in einer Pressenotiz der Klinik zitiert. Was lag also näher, dies auch offiziell zum Programm zu erklären?

Bereits in der Intensivstation wird gesungen

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„Singen erschließt neue Zugangswege zum Patienten“, stellte Koslik anhand von Videoaufzeichnungen Beispiele aus dem Klinikalltag vor. Bereits auf der Intensivstation, auch bei beatmeten Patienten, wird in Bad König im Rahmen der Musiktherapie mit den Patienten gesungen. Das Lächeln, die funkelnden Augen und der Arm, der im Takt mitgeht: Schwerst erkrankte Menschen „fühlen sich durch das Singen schneller verbunden, genießen den Moment der Gemeinsamkeit“, zählt der Musiktherapeut die Vorzüge auf.

Bei Sprachstörungen, zur Regulation der Atmung, bei Gedächtnisstörungen, depressiven Entwicklungen, Ängsten und anderen neurologischen Erkrankungen gilt Singen als wichtiger Bestandteil der Therapie. „Es schult die Empathie, fördert Lebensfreude und stärkt das Immunsystem“, fasst Stephan Koslik seine Erkenntnisse zusammen. Diese würden von neueren Forschungen bestätigt. Von Patienten-Seite hört sich das dann etwa so an: „Für mich ist Singen, als wenn mitten in der Nacht die Sonne aufgeht.“ Von der therapeutischen Wirkung des gemeinsamen Singens ist auch Chefarzt Dr. Hartwich überzeugt: „Gesungen wird in unserer Klinik schon seit über 20 Jahren. Als Teil eines internationalen Netzwerks gehen wir jetzt in die Offensive und nehmen auch Angehörige und Besucher der Klinik oder singfreudige Menschen aus Bad König und Umgebung mit.“

Zur Zertifikatsübergabe – mit gemeinsamem Singen, klar doch – kamen neben Mitarbeitern und Patienten denn auch Angehörige, Bürger und Sänger aus Bad König und Umgebung. Die Odenwälder sind übrigens die erste Klinik in Hessen, die Mitglied bei „Singende Krankenhäuser e.V.“ wurde. Prominentes Mitglied des Vereins ist Dr. Eckart von Hirschhausen.

Um das Zertifikat zu erhalten, sind mehrere Voraussetzungen zu erfüllen. So müssen in den betreffenden Häusern ausgebildete Singleiter tätig sein, die fachtherapeutische Ansätze in speziellen Bereichen (etwa bei Patienten mit Sprachstörungen) einsetzen. Zudem müssen regelmäßig offene Singgruppen für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Interessierte angeboten werden.