Vom Rebellen zum Erbsenzähler: Sven Hieronymus mit seinem...

Solange der 05-Fan Grund zum Weinen findet, gibt es auch für die Fans von Sven Hieronymus viel zu lachen.Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Es spricht ja für Sven Hieronymus, dass keiner über ihn sagt: „Früher war er besser.“ Doch selbst seine „ollen Kamellen“ haben ihren Reiz. Die Fan-Basis beschert ihm...

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MAINZ. Es spricht ja für Sven Hieronymus, dass keiner über ihn sagt: „Früher war er besser.“ Doch selbst seine „ollen Kamellen“ haben ihren Reiz. Die Fan-Basis beschert ihm wie selbstverständlich ein volles Unterhaus für das Best of aus seinen drei bisherigen Programmen. Einige haben sich sogar äußerlich ihrem Humor-Helden angepasst und tragen eine Haartracht, die fast so echt ist wie das Markenzeichen des Rockers vom Hocker. Der zeigt aber wenig Verständnis für den fragwürdigen Geschmack seiner Doubles: „Ich seh’ nicht freiwillig so aus!“

Neben dem Aussehen steht anscheinend so ziemlich alles seinem Willen entgegen, was die Entwicklung seiner Biografie betrifft. So ist er ursprünglich auch nur wegen einer falschen Programmankündigung versehentlich vom Fanbuch-Autor zu seiner Erfolgslaufbahn als Comedian gezwungen worden. Auch durch seine regionalen Spracheigenheiten sieht er sich fürs Leben gezeichnet: „Rheinhessisch ist die linguistische Diaspora Deutschlands.“

Dabei wollte Hieronymus eigentlich immer nur das Eine: Rock’n’Roll. Er schwärmt von Motörhead und Iron Maiden. Aber weit entfernt vom wilden, freien Rebellen-Geist muss er sich stattdessen kleinbürgerlichen Zwängen fügen. So gleicht es ihm einem Nahtod-Erlebnis, sich hilflos den moralischen Merkwürdigkeiten des Alltags ausgeliefert zu sehen vom Schul-Elternabend bis zum St. Martins-Umzug. Da kann dieser sonst gerne mal grobschlächtige Witzbold selbst zum Erbsenzähler werden und den Text des Kinderlieds vom Heiligen Martin sezieren bis jeder an der geistigen Verfassung des Komponisten zu zweifeln beginnt. Nach der Halbzeitpause gibt es dann eine Reminiszenz an die Zeit, als ihn ein mediales Versehen die Karriereleiter hinauf schubste vom Profi-Fan zum Kult-Kasper.

Highlight ist jedes Mal die emotionale Achterbahnfahrt, wenn es um das turbulente Auf und Ab der 05er geht. Bekanntlich hat Hieronymus seinem Heimatverein schon Liebeshymnen gedichtet. Natürlich erhalten seine ganz persönlichen Fußball-Impressionen in jeder Bundesliga-Saison neue Impulse. Weinen könnte er darüber, immer wieder. Und so lange er noch Grund zum Weinen findet, werden die Fans noch viel zu lachen haben.