Enorme Explosion in der Silvesternacht in Mainz - LKA...

Die Explosion in der Mainzer Holzhofstraße. Screenshot: VRM

Nach einem gewaltigen Feuerwerksknall in der Silvesternacht in Mainz hat sich das LKA eingeschaltet: Die Ermittlungen laufen wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

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MAINZ. Nach einer großen und lautstarken Explosion in der Silvesternacht in der Holzhofstraße, von der mehrere Videosequenzen in den sozialen Netzwerken kursieren, hat die Mainzer Kriminalpolizei nun Ermittlungen wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion eingeleitet und Spezialisten des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA) hinzugezogen.

„Für uns hat das Ganze nach dem vergangenen Wochenende eine andere Dimension erreicht“, so Polizeisprecher Rinaldo Roberto. Denn anfangs konnte die Polizei das Video keinem Einsatz zuordnen. Inzwischen konnte die Sequenz, auf dem eine laute Detonation und grelle, umherfliegende Funken zu sehen sind, mit einem Notruf aus der Silvesternacht zusammengeführt werden, der um 0.12 Uhr bei der Einsatzleitstelle einging. Eine Polizeistreife habe jedoch vor Ort nichts feststellen können, so Polizeisprecher Roberto – keine Verletzten, keine Sachschäden, auch keine Zeugen.

Frau erleidet Brandverletzungen

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Am vergangenen Samstag nun meldete sich eine Zeugin bei der Polizei. Die Frau soll angegeben haben, durch nach der Explosion umherfliegende Funken und Splitter leichte Brandverletzungen erlitten zu haben. Sollte sich der Verdacht wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion also erhärten, droht dem oder den bislang unbekannten Verursacher/-n eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Sollten sich noch weitere Opfer mit schweren Verletzungen melden, könnte sich die Mindestfreiheitsstrafe auf zwei Jahre erhöhen. Inzwischen hat die Polizei auch einen Entschärfungsspezialisten vom LKA hinzugezogen. Er nahm die Videoaufnahme in Augenschein und äußerte den Verdacht, dass es sich nicht um handelsübliches, frei verkäufliches Silvesterfeuerwerk handelte.

Fachleute vermuten inzwischen, dass es sich um eine sogenannte Kugelbombe handelte, die normalerweise durch ein senkrecht stehendes Rohr wie eine Rakete in die Luft geschossen wird und dort explodiert. Auch Videoaufnahmen im Internet, die zeigen, wie Kugelbomben explodieren, legen den Schluss nahe, dass es sich bei der Detonation in der Holzhofstraße um eine solche gehandelt hat; aber eben ohne Abschussvorrichtung, sondern mitten auf der Straße.

Auch die Art, wie Kugelbomben gezündet werden, entspricht dem Ablauf im Mainzer Video. Sie werden über eine Lunte gezündet, wobei es vor der eigentlichen Detonation zu einer Art Vorexplosion kommt, bei der weißer Rauch aufsteigt. Dies ist sowohl in anderen Videos im Internet als auch in der Sequenz aus der Holzhofstraße zu sehen.

Kugelbomben gelten als Großfeuerwerk

Kugelbomben werden häufig bei professionellen Feuerwerken verwendet. Sie gelten als Großfeuerwerk und tauchen bei der Einteilung pyrotechnischer Gegenstände im Sprengstoffrecht in der höchsten Kategorie F4 auf. Die zu Silvester im Handel verkauften Feuerwerkskörper wie Raketen, Batterien oder Böller entsprechen der Kategorie F2. Privatpersonen dürfen lediglich F1- und F2-Feuerwerke zünden. Großfeuerwerke hingegen dürfen nur von ausgebildeten Pyrotechnikern bei behördlich genehmigten Veranstaltungen gezündet werden.

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Sollte es sich also um eine Kugelbombe gehandelt haben, dann wäre der Straftatbestand des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion erfüllt, bestätigt Polizeisprecher Rinaldo Roberto. Schließlich sei ein solcher Feuerwerkskörper nicht dafür vorgesehen, mitten in der Innenstadt und ohne Abschussvorrichtung gezündet zu werden.

Die Ermittler bitten nun weitere Zeugen, die den Vorfall und die Szenerie in der Holzhofstraße um kurz nach 0 Uhr beobachtet oder sogar gefilmt haben, sich unter der Telefonnummer 06131-653633 zu melden.