Antifa verlässt Mainzer CSD nicht trotz Platzverweis

Anhänger der Antifa verdecken mit gemalten Bannern den Stand der Polizei beim CSD in Mainz. Foto: Carina Schmidt

Beim Mainzer CSD ist es zum Eklat mit der Antifa gekommen. Deren Anhänger verdeckten den Infostand der Polizei für die queere Community.

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MAINZ. Beim Mainzer Christopher Street Day hat die Anhängerschaft der Antifa durch ihr Verhalten dafür gesorgt, dass die Polizei ihr einen Platzverweis erteilt hat. Gegen 16 Uhr stellte sich rund ein Duzend Antifa-Anhänger vor den Stand von Diana Gläßer auf der Malakoff-Terrasse und versuchten, diesen mit großen Bannern zu verdecken. Gläßer ist Polizistin und füllt in Rheinland-Pfalz die Rolle als Ansprechstelle für lesbische, schwule, bisexuelle, transidente und intergeschlechtliche Menschen (AS LSBTI*) aus.

Der Antifa war dieser Stand, den Gläßer mit dem Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (Velspol) gemeinsam angeboten hat, offenbar ein Dorn im Auge. Sprüche wie „No cops corporation at pride“ (Keine Kooperation mit der Polizei beim CSD) oder „No pride in police violence” (Kein CSD mit Polizeigewalt) standen auf mehreren selbst bemalten großen Tüchern. Damit spielten sie auf die Anfänge des CSD an: Eine gewalttätige Razzia der Polizei in der Stonewall Bar in der New Yorker Christopher Street am 28. Juni 1969. Seitdem gehen Menschen der LSBTIQ-Gemeinschaft weltweit im Sommer auf die Straße, um für gleiche Rechte zu demonstrieren. Im Netz schreiben die Aktivisten von „Queer_Mainz“ über den Protest vor dem Polizei-Stand: „Die Polizei stellt für viele Minderheiten bis heute eine Bedrohung dar und kann ein Trigger für die Betroffenen polizeilicher Gewalt sein. Daher schließt die Anwesenheit der Polizei grundsätzlich andere insbesondere marginalisierte Menschen aus.“

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Wie Polizeihauptkommissarin Gläßer im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet, hätten die Antifas versucht, sie vom Rest abzuschirmen. Nach und nach hätten das weitere CSD-Besucher wahrgenommen und angefangen mit den Antifa-Anhängern zu diskutieren. Gläßer ließ sich von dem Protest jedenfalls nicht beirren. „Ich habe mich vor die Bannergestellt und weiter Flyer verteilt“, erzählt sie. Die Antifa-Anhängerschaft sei nicht gesprächsbereit gewesen, wie sie schildert. „Es geht nicht gegen Sie persönlich“, habe sie lediglich zu hören bekommen. Und Sprüche wie: „Aber Polizei ist staatliche Vertretung und Gewalt.“

Schließlich hätten sich Ordnungskräfte vom Verein Schwuguntia, der den CSD organisiert hat, in den Konflikt eingemischt. Sie schlugen einen alternativen Standort auf dem CSD-Gelände für ihren Protest vor. Das wurde abgelehnt. Daraufhin rief Gläßer Verstärkung und es kamen rund 20 Polizeibeamte, die Platzverweise erteilten. Die Aktion selbst wurde als Spontanversammlung eingeordnet – obwohl die Banner sichtlich vorbereitet waren.

Auch Personalien wurden kontrolliert. Und es habe die Frage im Raum gestanden, wie es nach dem Platzverweis weiter gehen könnte. Denn die Antifa-Anhänger wollten nicht gehen. „Danach kommt das Wegtragen“, weiß Gläßer. Das habe sie aber nicht gewollt und verhindert. Gewalt gehöre nicht zum CSD. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, habe sie ihren Stand lieber vorzeitig abgebaut.

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Was Gläßer an der Antifa-Aktion deutlich kritisiert: „Kein Mensch ist mit mir in den Dialog getreten. Stattdessen wurde ‚die‘ Polizei als Amtskultur kritisiert.“ Das könne man an 365 Tagen im Jahr vor der Polizeidienstelle am Valenciaplatz tun. Aber an einem Tag wie dem CSD, an dem die Ansprechperson für LSBTI als „Brücke zur queeren Community“ vor Ort sei, sei es besonders irrsinnig, so angegangen zu werden. Mit einer solchen Aktion werde ihre Arbeit kaputtgemacht, sagt die Polizeihauptkommissarin. Queerfeindlichkeit innerhalb der Polizei gebe es, keine Frage. Sie selbst habe in Podcasts schon davon berichtet. Aber gleich alles zu boykottieren, sei für sie nicht nachvollziehbar.

Der Antifa-Protest in Mainz ist übrigens keine einzigartige Aktion: Beim CSD in Hamburg hat eine Gruppe von sieben Personen der feministischen Antifa vor dem LSBTI*-Stand der Polizei ebenfalls ein Transparent mit ähnlicher Aufschrift hochgehalten. Das bestätigt ein Mitarbeiter des Lagedienstes der Hamburger Polizei.

Schwuguntia-Vorsitzender Florian Schlögel sagte am Sonntag: „Wir verurteilen die Form, in der dies hier passiert ist. Die Blockierenden zeigten keine Kompromissbereitschaft und behinderten die Arbeit einer bewusst geladenen Institution.“ Die Anfänge des CSD würden in einer Bewegung gegen die Polizei-Gewalt liegen, auch in Deutschland seien in der Vergangenheit queere Menschen durch den Staat und durch die Polizei verfolgt worden. „Heute leben wir jedoch in einer anderen Realität“, betont Schlögel. „Die Polizei als Institution schützt und unterstützt uns sichtbar.“ Gläßers Stelle kümmere sich speziell um Anfeindungen gegenüber queeren Menschen. „Diese Entwicklung erleben wir als unterstützenswert und stehen hinter ‚unserer‘ Polizei.“