Es hakt: Analyse zum Waldbrand-Einsatz im Lahn-Dill-Kreis

Eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Feuerwehren kam bei den Bränden vor vier Wochen nur über den "kurzen Dienstweg" zustande. Die Politik sieht deshalb Handlungsbedarf.

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HAIGER/DILLENBURG/ WETZLAR. Vor vier Wochen brannten zwei große Waldstücke oberhalb von Frohnhausen und Niederroßbach. Bei der Aufarbeitung des Löscheinsatzes zeigt sich, dass eine Zusammenarbeit mit Einsatzkräften aus benachbarten Bundesländern künftig vereinfacht werden sollte.

Die stellvertretende Leiterin der Brandschutzabteilung in der Kreisverwaltung, Andrea Schäfer, hat am Donnerstag im Kreistags-Umweltausschuss über die Brände und die Arbeit der Feuerwehren und weiterer Hilfskräfte berichtet.

3000 bis 4000 Menschen halfen vor Ort

Insgesamt etwa 3000 bis 4000 Menschen hätten in der Zeit von Freitagabend (12. August) bis Dienstagmorgen (16. August) vor Ort geholfen. Feuerwehren aus allen 23 Kommunen im Lahn-Dill-Kreis seien im Einsatz gewesen, insgesamt 1700 Feuerwehrleute, THW, Malteser, DRK, Hessen-Forst, Lösch-Hubschrauber von Landes- und Bundespolizei, darüber hinaus Feuerwehren aus den mittelhessischen Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen, Limburg-Weilburg und Vogelsberg. Auch Feuerwehren aus dem benachbarten nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein seien "auf dem kleinen Dienstweg" verständigt worden und hätten geholfen.

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Das sorgte für Nachfragen unter den Kreispolitikern, CDU-Kreistagsabgeordnete Lisa Schäfer wollte wissen: Warum man den "kleinen Dienstweg" habe wählen müssen, ob es Probleme bei länderübergreifender Anforderung von Einsatzkräften gebe?

Die stellvertretende Abteilungsleiterin: "Wir müssen eigentlich erst auf Kräfte aus unserem Bundesland zurückgreifen." Und Hilfe aus einem anderen Bundesland müsse über das hessische Innenministerium beantragt werden. Für die Einsatzleitung habe sich aber die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoller sei, statt Hilfe aus der Wetterau oder aus Offenbach zu holen, die ohnehin vom Kreisbrandinspektor in Siegen-Wittgenstein angebotene Hilfe anzunehmen. Er sei vor Ort gewesen und habe erklärt, welche Löschzüge er anbieten könne. "Wir haben es dann auf dem kleinen Dienstweg gemacht, einfach nur als Hilfsleistung der Feuerwehren untereinander. Es hat ja auch gut geklappt."

Grünen-Politikerin Martina Klement wunderte sich, dass eine länderübergreifende Zusammenarbeit von den Bundesländern nicht grundsätzlich einfacher organisiert sei. Vor einem Jahr hatte sich die Kreispolitik mit dem Thema Hochwasserschutz beschäftigt und nach Lehren aus der Flutkatastrophe im Ahrtal gefragt.

Wie sieht grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus?

Da der Lahn-Dill-Kreis im Drei-Länder-Eck von Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt, hatten die Kreispolitiker wissen wollen, wie eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit aussieht. Kreisbrandinspektor Harald Stürtz hatte damals geantwortet: Kommunikation und Anforderung geschehe über die Bundesländer, die Kreise führten nur aus. So sei es auch bei der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal gewesen. Hilfskräfte aus dem Lahn-Dill-Kreis seien dort auf Befehl des hessischen Innenministers im Einsatz gewesen. Allerdings habe die Feuerwehr auch über private Kontakte und über den "kurzen Dienstweg" bei der Trinkwasserversorgung geholfen.

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Stürtz damals weiter: Trotz der Befehlshoheit bei den Ländern gebe es auch eine nachbarschaftliche Zusammenarbeit mit den Landkreisen Siegen-Wittgenstein und Westerwald. Das funktioniere bereits tagtäglich beim Einsatz von Rettungsdiensten bei Unfällen. "Das ist nicht illegal."

Kreis-Umweltdezernent Heinz Schreiber (Grüne) stellte in der Sitzung am Donnerstag klar: "Es ist eine politische Dimension. Es müsste von den Innenministerien in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geklärt werden."

Das Feuer war auch in einem "Naturwaldreservat" von Hessen Forst, einem Bannwald, also einem Wald, der nach Schäden sich selbst überlassen wird und sich so als Urwald regenerieren soll, ausgebrochen; dort bleiben umgestürzte Bäume liegen. SPD-Abgeordneter Stefan Scholl fragte, ob deshalb Wege blockiert gewesen seien. Andrea Schäfer: "Es war unwegsam, teilweise waren Wege blockiert, aber auch durch Bäume, die wegen des Brandes umstürzten. Wir haben aber auch Allrad-Fahrzeuge."

Schäfer berichtete zudem, dass der Kreis noch während des Brandes 30 Düsenschläuche und 16 Löschkugeln neu angeschafft habe. Diese wirken ähnlich wie Rasensprenger, verteilen Löschwasser großflächig und hätten sich beim Kampf gegen Glutnester bewährt.

Die Löschwasserversorgung sei kein Problem gewesen. Zum einen sei man mit acht Behältern à 10.000 Litern sehr gut aufgestellt, zum anderen hätte man auch auf Hydranten in Manderbach und Frohnhausen zurückgreifen können.

Beim Löschen habe man Fahrzeuge und Schläuche in den Gefahrenzonen im Wald gelassen und nur das Personal ausgetauscht. Man habe auch dafür gesorgt, dass immer genügend Löschzüge im Wartebereich gewesen seien, denn die Einsatzkräfte könnten nicht stundenlang durcharbeiten.

Dankbarkeit der Politik und der Bevölkerung

Sie berichtete auch Details aus dem Einsatz. Über die Gefahr: Kreisbrandinspektor Harald Stürtz, der die Leitung für den gesamten Einsatz hatte, sei an der Stelle gewesen, wo der Brand ausbrach, plötzlich sei das Feuer unter den Fahrzeugen "durchgeschossen"; sie hätten schnell den Rückzug angetreten, "sonst wären drei Fahrzeuge verloren gewesen". Über die Dankbarkeit aus der Bevölkerung: Sie habe einen Feuerwehrmann aus Alsfeld kennengelernt, er habe am Weiher Wasser umgepumpt. Da habe ein Kind einen Muffin gebracht, darauf steckte mit einem Zahnstocher ein Papierherz mit der Aufschrift "Du bist mein Held"; den Muffin habe der Feuerwehrmann gegessen und das Herz dann an seiner Uniform getragen.

Auch die Kreispolitiker sprachen in der Sitzung am Donnerstag unisono ihren Dank an die Einsatzkräfte aus.