Rüsselsheim: Opels Dienstleister Rhenus SCR in der Krise

Rhenus baut am Standort auf dem Opel-Gelände in der Mainzer Straße in Rüsselsheim erneut massiv Stellen ab. Foto: Vollformat / Samantha Pflug

Nach rund 250 Entlassungen im vergangenen Jahr werden bei Rhenus SCR weitere 100 Arbeitsplätze abgebaut. Die Zukunft des Unternehmens am Standort ist offenbar in Gefahr.

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RÜSSELSHEIM. „Mehr Erfolg, Zufriedenheit und Arbeitsplatzsicherheit“ verspricht das weltweit agierende Unternehmen Rhenus auf seinen Internetseiten. Für die Beschäftigten von Rhenus SCR in Rüsselsheim stellt sich die Situation indessen ganz anders dar. Nachdem im vergangenen Jahr bereits rund 250 Mitarbeiter überraschend entlassen wurden, sollen in den kommenden Wochen von den verbliebenen etwa 200 Beschäftigten noch einmal etwa die Hälfte gehen. Das hat die Geschäftsleitung der Belegschaft in der vergangenen Woche mitgeteilt. Dort soll die Nachricht mit großer Empörung aufgenommen worden sein. Bei der IG-Metall und der Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen haben die Pläne unterdessen massiven Protest ausgelöst.

Die Belegschaft von Rhenus SCR residiert direkt auf dem Opel-Gelände in der Mainzer Straße und bereitet als Dienstleister angelieferte Fahrzeugkomponenten für die Endmontage vor. Da Opel jedoch selbst aus Kostengründen Personal abbaut und die Zahl der Leiharbeiter reduzieren will, sollen diese Arbeiten in Zukunft von Mitgliedern der eigenen Belegschaft erledigt werden. Vor allem aus dem Opel-Werk Eisenach, wo Personal abgebaut wird, aber auch aus dem polnischen Opel-Werk Gliwice sollen Mitarbeiter nach Rüsselsheim kommen.

Für die IG Metall stelle sich die Zukunftsfrage für Rhenus SCR in Rüsselsheim, so der zuständige Gewerkschaftssekretär Daniel Bremm von der IG-Metall-Bezirksleitung in Darmstadt. Man werde, wie schon im vergangenen Jahr, gemeinsam mit dem Betriebsrat um jeden Arbeitsplatz kämpfen und wolle für die betroffenen Mitarbeiter eine angemessene Abfindung erstreiten.

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„Die Menschen haben Wertschätzung und Respekt verdient“

Ingrid Reidt von der Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen fordert „die Akteure in Wirtschaft und Politik“ auf, ihre soziale Verantwortung ernst zu nehmen und für sozial verträgliche und existenzsichernde Lösungen zu sorgen, wenn schon die Arbeitsplätze nicht zu retten seien.

„Die Menschen haben Wertschätzung und Respekt vor geleisteter Arbeit verdient. Dies drückt sich in der Höhe der Abfindung und einem fairen und sozialverträglichen Sozialplan aus, wie auch in der Schaffung neuer beruflicher Perspektiven durch Qualifikation“.

Die Betriebsseelsorge solidarisiere sich mit der Belegschaft bei Rhenus in Rüsselsheim und weise erneut auf deren prekäre Situation hin. Leidtragende der Umbrüche bei Opel seien auch in diesem Fall wieder die ohnehin wirtschaftlich nicht allzu gut gestellten Beschäftigten der Zulieferbetriebe. Bei allen betrieblichen Herausforderungen müsse auch die Sorge um die betroffenen Menschen im Vordergrund stehen, so Ingrid Reith.

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Rhenus wirbt im Internet mit freien Jobs

Peter Stury, Geschäftsführer von Rhenus SCR in Rüsselsheim, gab sich am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung zugeknöpft. „Ich gebe dazu keine Auskunft“, sagte er. Es handele sich um betriebsinterne Gründe, die nicht nach außen kommuniziert würden. Zudem sei noch nichts abschließend entschieden. Zur Frage, ob Rhenus SCR in Rüsselsheim überhaupt noch eine Zukunft habe, sagte Stury ebenfalls nichts.

Bei Rhenus in Rüsselsheim wurde am Freitag wegen des Brückentages nicht gearbeitet, sodass auch vom Betriebsrat keine Stellungnahme zu erhalten war. In der Rhenus-Zentrale in Holzwickede wurde eine Weiterleitung an den Betriebsrat mit dem Hinweis verweigert, in dieser Sache gebe derzeit nur die Geschäftsleitung Auskunft. Dieser Weg sei einzuhalten. Auch von Opel war am Freitag keine Stellungnahme zu bekommen.

Während in Rüsselsheim erneut Personal abgebaut wird, wirbt Rhenus im Internet mit 432 freien Jobs und listet auch die jeweiligen Standorte auf, an denen die Mitarbeiter gebraucht werden. Als Unternehmenskultur werden dort „große Offenheit, Vielfalt und Internationalität“ gepriesen.