Paradies für Plagegeister - Klima sorgt für hohes...

Eine Schnake auf der Lauer. Foto: dpa

Durch sommerlichen Temperaturen, über die sich die Rüsselsheimer bereits im April freuen konnten, gibt es dieses Jahr besonders viele Stechmücken. „Das habe ich in meinem...

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RÜSSELSHEIM. Manch einem mag es vorkommen, als sei der Frühling in diesem Jahr einfach übersprungen worden: Schon im April konnte man sich auch in und um Rüsselsheim über sommerliche Temperaturen freuen. Das bedeutet jedoch auch eine besonders starke Stechmückensaison. Dank frühzeitigen Sommereinbruches und starken Regens in den vorherigen Monaten herrschen ideale Bedingungen für die surrenden Blutsauger.

Schwärme im flußnahen Wald

„Als die Stechmückensaison ganz akut war, war ich südlich vom Rhein im Wald - und da waren direkt bestimmt 100 Stechmücken an mir“, erzählt Dieter Baumgardt, der Erste Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Rüsselsheim/Raunheim. „Das habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht so stark erlebt.“ Seit dieser unschönen Mückenbegegnung vor einigen Wochen habe sich die Situation jedoch deutlich entspannt. Ob das so bleibt, sei abzuwarten. „Aber immerhin kann man momentan wieder bei offenem Fenster schlafen.“

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Gründe für das hohe Schnakenaufkommen seien vor allem der warme Frühling und sehr hohe Grundwasserstände, durch starken Regenfall zu Jahresbeginn verursacht. Dadurch konnten sich die Blutsauger schnell und zahlreich entwickeln. Zwar kommen Schnaken besonders häufig im Wald und im Feld vor, doch auch in städtischen Gebieten können sie sich wunderbar vermehren, erklärt Baumgardt. Schließlich sind gerade Kleinstgewässer wie Regenrinnen, Gießkannen, Vogeltränken oder sogar weggeworfene Cola-Dosen ein wahres Paradies für Schnaken und ihre Larven. „Im Prinzip legen Stechmücken ihre Eier in jedes noch so kleine Gewässer ab. Es ist zu empfehlen, Gefäße wie Gießkannen, Gartenvasen und Näpfe regelmäßig zu reinigen.“

Auch Problem für die Gastronomie

Das vermehrte Schnakenaufkommen trifft auch die Gastronomie. „Hier im Wald haben wir natürlich jedes Jahr mit Schnaken zu tun. Aber das ist ja auch irgendwo normal, ist halt die Natur“, erklärt Alexandra Urban vom „Waldbembelsche“. Davon lassen sich die Gäste des täglich geöffneten Biergartens nicht abschrecken: „Unsere Stammkunden wissen da schon Bescheid. Sie bringen sich Anti-Schnaken-Kerzen mit oder haben Räucherstäbchen auf ihren Tischen stehen. Das sieht dann immer auch noch ganz schön aus“, berichtet Urban mit einem Lächeln.

Ansonsten helfen auch Anti-Mücken-Sprays, um sich die Blutsauger vom Leib zu halten. Viel mehr kann man selbst nicht tun. „Das ist auch gut so“, findet Baumgardt. „Ohne Schnaken würde ein Ungleichgewicht entstehen. Schließlich sind die Mücken und ihre Larven ein Grundnahrungsmittel etwa für Libellen oder Fische.“ Schnaken nehmen einen wichtigen Platz in der Nahrungskette ein, erklärt er. Das betreffe am Ende auch den Menschen. „Flächendeckender Bekämpfung stehe ich deshalb eher kritisch gegenüber. Gerade wenn man das Problem des Insektensterbens betrachtet.“

Alternativen zu flächendeckender Bekämpfung

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Flächendeckende Bekämpfung der Stechmücken kann unter anderem mit dem Mittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) betrieben werden. Er wird beispielsweise vom Verein Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) verwendet. BTI hat laut KABS keine negativen Auswirkungen auf andere Tiere oder den Menschen, sei ein biologischer Wirkstoff, der Stechmückenlarven innerhalb weniger Stunden tötet und nach spätestens drei Tagen abgebaut ist. Auswirkungen von BTI und Alternativen dazu werden momentan auch von der Uni Koblenz/Landau erforscht.

Von Michelle Häbe