Hochgefühl hält weiter an

aus Opel

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Phänomenal, fantastisch, toll, einmalig – es sprudelte am Dienstagabend nur so vor Superlativen bei der Bürgerversammlung, mit der an den Hessentag im Juni erinnert und...

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RÜSSELSHEIM. Phänomenal, fantastisch, toll, einmalig – es sprudelte am Dienstagabend nur so vor Superlativen bei der Bürgerversammlung, mit der an den Hessentag im Juni erinnert und gleichzeitig eruiert werden sollte, was von dem zehntägigen Landesfest dauerhaft bleibt oder bleiben sollte. Rund 120 Bürger, darunter viele Stadtverordnete und Vereinsvertreter, waren der Einladung in den Ratssaal gefolgt. Und es waren überwiegend Fans des Hessentags, die mit viel Herzblut vorgetragen an Lob nicht sparten.

Dass das Fest doch nicht mit einer schwarzen Null für die Stadtkasse endet, sondern voraussichtlich 2,77 Millionen Euro Defizit verbleiben, wurde von den Anwesenden überwiegend nicht negativ thematisiert. „Das Fest war so toll, da nehme ich als Steuerzahler zwei bis drei Millionen Euro in Kauf“, befand Mario Schuller vom ADFC. Ein anderer rechnete die Summe auf die Einwohnerzahl um, so dass der Betrag im Verhältnis äußerst gering sei.

Einmaliges Ereignis, das nicht wiederkommt

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Stattdessen kam bei der Versammlung in fast allen Beiträgen zur Sprache, dass durch den Hessentag ein Wir-Gefühl und eine positive Stimmung entstanden seien, die man so vorher noch nicht gekannt habe. „Das Rüsselsheimer Depri-Dasein war nicht da“, fasste ein Bürger seinen Eindruck zusammen. Ein weiterer sprach vom „tollsten Ereignis in den vergangenen 40 Jahren. Das war ein einmaliges Erlebnis, das kommt so nicht wieder“. Fastnachter Jürgen Wiesmann bekannte, dass er sich während der zehn Tage „neu in meine Heimatstadt verliebt“ habe und wieder stolz auf Rüsselsheim sei.

Auch Vertreter von Sport- und Kulturvereinen sowie des „Treffpunkt Innenstadt“ schlossen sich in einer kurzen, von Stadtverordnetenvorsteher Jens Grode (SPD) moderierten Runde, den positiven Äußerungen der Bürger an. Die Innenstadt sei nach seinem Gefühl seit dem Hessentag deutlich belebter, befand Florian Heinrich von der Einzelhändler-Gemeinschaft. Geschäftsinhaber, die während der Einschränkungen durch die lange Zeit der Baustellen in der Innenstadt, den nötigen Atem bewiesen hätten, könnten jetzt profitieren. Die Vereinsvertreter lobten vor allem das entstandene Zusammengehörigkeitsgefühl und die hervorragende Zusammenarbeit. Man habe gemerkt, was man in Kooperationen im Stande sei, alles zu leisten, sagte Harald Schenk vom Rüsselsheimer Sportbund.

Landesausstellung zu weit draußen gelegen

Sabine Schaplowski vom Stadtverband der kulturellen Vereine nannte als eine Idee, künftig im Bereich Vernapark, Opelvillen und Festung ein Stadtfest unter Beteiligung der Vereine zu veranstalten. Ein dauerhaftes Beachfeld am Main, regelmäßige Drachenbootrennen und ein Sportfest mit Mitmachangeboten hatte Harald Schenk als geäußerte Top-Wünsche eruiert.

Die Kritik hielt sich nicht nur bei der Bürgerversammlung in Grenzen. Die Landesausstellung hätte man nicht gebraucht beziehungsweise sei zu weit abseits gewesen oder die schwierige Anlieferung für Standbetreiber durch die hohen Sicherheitsvorkehrungen wurden beispielsweise genannt. Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) berichtete von nur 100 Beschwerdemails während des Hessentags. Die Getränke- und Essenspreise, die Parkplatzgebühren, das restriktive Verbot von großen Taschen in der Arena und die staubigen Parkplätze seien Hauptaspekte gewesen. Kritisiert wurde von mehreren Anwesenden die Rüsselsheimer Politik. „Ich glaube, die Zukunft besteht darin, dass sich die Politik für die Bürger einsetzt“, appellierte ein Bürger.

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Von Alexandra Groth