Diagnose Ärztemangel: An vielen Rüsselsheimer Praxen...

Die Hausärzte in Rüsselsheim haben viel zu tun. Ein Großteil der Praxen ist nach eigener Aussage voll ausgelastet. Foto: dpa

Hessenweit sind 170 Hausarztsitze nicht besetzt. In Rüsselsheim fehlen 16,5 Stellen, was zeigt: Ärztemangel ist längst nicht mehr nur auf dem Land ein Problem. Viele...

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RÜSSELSHEIM. „Wir haben Aufnahmestopp“ oder „neue Patienten nehmen wir nur ungern auf“, heißt es bei vielen Hausärzten in Rüsselsheim auf Nachfrage. Die Allgemeinmediziner sind extrem ausgelastet, viele arbeiten an der Belastungsgrenze. Um die Praxen überhaupt zu erreichen, braucht es einen langen Atem. Wer das Telefon nur kurz klingeln lässt, hat schlechte Karten. Auch das ist ein Indiz für die hohe Arbeitsbelastung in den Praxen.

40 Hausärzte, die sich 38,5 Vollzeitstellen teilen, gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) in Rüsselsheim. Das entspricht einem Versorgungsgrad von gut 93 Prozent für den Mittelbereich Rüsselsheim, zu dem auch die umliegenden Städte und Gemeinden zählen. Was zunächst einmal nicht schlecht klingt, bedeutet aber auch, dass in Rüsselsheim laut Bedarfsplanung 16,5 Arztsitze fehlen. Diese fehlenden Ärzte könnte die Stadt im Hinblick auf die Auslastung der vorhandenen Praxen gut gebrauchen.

Mit diesem Problem steht Rüsselsheim freilich nicht allein da. Hessenweit gibt es über 170 Hausarztsitze, die derzeit nicht besetzt sind. Der Ärztemangel ist längst nicht mehr nur auf dem Land Thema, sondern auch in den Städten. Doch wohin mit den Patienten, wenn sie keinen Hausarzt finden? Die Kassenärztliche Vereinigung betont auf Nachfrage, dass eine wohnortnahe Versorgung wünschenswert sei. Wenn Patienten dort allerdings keinen Hausarzt finden, sollten sie auf umliegende Städte und Gemeinden ausweichen. Für Rüsselsheimer sei es unter Berücksichtigung des Verkehrsnetzes zumutbar, in Bischofsheim, Ginsheim-Gustavsburg, Mörfelden-Walldorf, Nauheim, Raunheim oder Trebur zum Arzt zu gehen, heißt es vonseiten der KV.

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Schwierige Nachfolgersuche für Hausärzte

Nicht selten schlagen Patienten aber auch wegen Kleinigkeiten, die eigentlich von einem Hausarzt behandelt werden könnten, in den Notaufnahmen der Krankenhäuser auf. Ein Phänomen, mit dem auch das Rüsselsheimer GPR-Klinikum seit einigen Jahren vermehrt zu kämpfen hat, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärt. Um einem Hausärztemangel in Rüsselsheim und Umgebung entgegenzuwirken, setzt sich das GPR-Klinikum mit dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Rhein-Main für die Unterstützung junger Ärzte ein. So soll es Hausärzten leichter fallen, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung ist das auch dringend notwendig. Denn im Jahr 2030 werden im Landkreis Groß-Gerau 56 Prozent aller Hausärzte über 65 Jahre alt sein und einen Nachfolger suchen.

Dass es für viele Hausärzte schwierig ist, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden, hat verschiedene Gründe. Hauptgrund dürfte aber wohl die hohe Arbeitsbelastung in Verbindung mit den finanziellen Risiken einer Selbstständigkeit sein, die viele junge Ärzte scheuen. Zudem steigt die Zahl der Ärzte, die in Teilzeit beschäftigt sind. Während im Jahr 2007 nur 1,2 Prozent der hessischen Hausärzte in Teilzeit arbeiteten, war es 2016 schon fast jeder Zehnte (8,6 Prozent), was die Versorgung der Patienten natürlich zusätzlich erschwert.

Die Aussichten auf Entlastung stehen also schlecht für die Hausarztpraxen in Rüsselsheim. Trotz Aufnahmestopps und hohen Patientenaufkommens heißt es aber beispielsweise bei der Gemeinschaftspraxis Eslam-Bahadorie: „Wer akute Hilfe benötigt, bekommt diese natürlich auch.“