AfD will Rüsselsheim öfter besuchen

Mehrere Hundert Rüsselsheimer hatten sich vor der Stadthalle versammelt um ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Solidarität zu setzen. Der Protest blieb friedlich. Foto: Vollformat/Volker Dziemballa

Während in der Stadthalle über Familienpolitik und Innere Sicherheit geredet wurde, demonstrierten am Freitagabend draußen Hunderte gegen die Veranstaltung.

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RÜSSELSHEIM. Während draußen im Regen mehrere Hundert Demonstranten gegen die erste AfD-Veranstaltung in der Rüsselsheimer Stadthalle protestierten, freute sich im Saal die Vorsitzende der AfD im Kreis Gross-Gerau, Irmgard Horesnyi, über den regen Zuspruch zum öffentlichen Themenabend ihrer Partei. Lange sei die AfD an Rüsselsheim vorbeigegangen, sagte Horesnyi. Dabei müsse die AfD viel häufiger nach Rüsselsheim kommen. Schließlich habe die Partei in der Stadt viele Wähler.

Genau das wollten die Demonstranten vor der Stadthalle nicht. "Die gehören nicht hierher", sagte Bernd Schiffler, Vorsitzender des DGB in Rüsselsheim, der federführend zur Protestkundgebung gegen die AfD-Veranstaltung aufgerufen hatte. Angeschlossen hatten sich viele Unterstützer: von der IG Metall und dem Frauenzentrum Rüsselsheim über die Stiftung Alte Synagoge und dem Bündnis soziale Gerechtigkeit bis hin zu den Naturfreunden. Schon gegen die NPD habe es früher in Rüsselsheim massiven Widerstand gegeben, berichtete Schiffler. Bei der AfD sollte es jetzt nicht anders sein.

"Wer Neo-Faschisten in seinen Reihen duldet", hat in unserer Gesellschaft nichts verloren, kritisierte Schiffler. Die AfD habe sich seit ihrer Gründung massiv gewandelt, die Partei positioniere sich immer weiter am rechten Rand. Dem müsse sich die Gesellschaft entgegenstellen. Der Faschismus finde seinen Nährboden immer in sozialer Ungerechtigkeit", mahnte Joshua Seger von der IG-Metall-Jugend. Mit einer sozialen und gerechten Politik könnten auch viele der AfD-Wähler wieder ins demokratische Lager zurückgeholt werden.

Bei der Kundgebung zählten nicht nur Parolen, sondern auch Argumente, das gleiche sollte auch im Lasalle-Saal gelten, wie die AfD-Kreisvorsitzende betonte. Für die Argumente war unter anderem die hessische AfD-Bundestagsabgeordnete Mariana Harder-Kühnel auf dem Feld der Familienpolitik zuständig. In der demografischen Katastrophe hatte sie ein Grundproblem der Republik ausgemacht. Zu wenig Kinder würden in Deutschland geboren, die Gesellschaft altere massiv. Nur Japan habe noch schlechtere Zahlen zu bieten. Doch während das asiatische Land fast komplett auf Zuwanderung verzichte, seien in Deutschland im "Schicksalsjahr 2015" mehr Zuwanderer ins Land gekommen als Kinder geboren wurden. Knapp zehn Minuten brauchte Harder-Kühnel, um auch bei der Familienpolitik auf das AfD-Lieblingsthema zu kommen.

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Im weiteren Verlauf kritisierte die AfD-Politikerin die zu hohe Steuerlast für Familien. Ihr Vorschlag: Familiensplitting. Dabei wird das Einkommen auf die Köpfe der Familie verteilt. Eine Familie mit drei Kindern und mittlerem Einkommen zahle dann so gut wie keine Steuern mehr, rechnete Harder-Kühnel vor. Die Kosten des Modells: knapp 60 Milliarden Euro.

Von Oliver Bär