Ried: Wildpflanzenvermehrung braucht Wissen und Wasser

Wildpflanzen sind robust. Doch auch sie brauchen Wasser, wenn Samen in größeren Mengen geerntet werden sollen. Ein Feld mit Wirbeldost begutachten (von links) Ann Kareen Mainz, Markus Jurtschenko und Ernst Rieger. Foto: Robert Heiler

Die Zahl von Blühflächen nimmt stetig zu. Spezialisten des Verbands deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten stellen das nötige Saatgut her. Worauf es dabei ankommt.

Anzeige

WOLFSKEHLEN. Sie sind in ihrer Farbenpracht schön anzuschauen und eine Oase voller Futter für Insekten. Blühstreifen und -flächen nehmen in den Siedlungen und an Straßenrändern stetig zu. Doch wo kommt das ganze Saatgut dafür her? Um Wildpflanzen in großen Mengen zu vermehren und dann artenreiche Blühmischungen für verschiedene Standorte herzustellen, ist einiges an Wissen nötig. Das wurde bei einem Seminar des Verbands deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten beim Beregnungs- und Bodenverband Wolfskehlen deutlich. Passend zum Veranstaltungsort ging es um Bewässerung.

Bewässerung für Wildpflanzen? Sollten die nicht ohne zusätzliche Wasserzufuhr auskommen? Normalerweise ja, sagte Dr. Ann Kareen Mainz von der Geschäftsstelle des Verbands. Aber wenn man Ertrag an Samen haben wolle, müsse man bewässern. Die Pflanze selbst werde auch ohne Wasser überleben, sagte Mainz. Aber sie werde dann diesen Sommer keine oder weniger Samen produzieren. Das sei schlecht für Landwirte, die viel Geld reingesteckt hätten. Und langfristig auch schlecht für die Umwelt. Für Ausgleichsmaßnahmen bei Bauprojekten würden oft Äcker in Grünland umgewandelt. „Das sind sehr artenreiche Ersatzflächen. In Zeiten von Insektensterben und Artenschwund ist das ein sehr wertvolles Mittel“, betonte Mainz.

Bundesweit hat der Verband 120 Mitglieder, etwa 50 kamen zu dem Treffen. Die Veranstaltung kam durch Markus Jurtschenko von der Firma Appels Wilde Samen bei Griesheim in die Region, seit den siebziger Jahren ein Vorreiter der Vermehrung von Wildpflanzen. Er ist auch Vorstandsmitglied im Beregnungsverband.

Für Landwirte ist der Anbau von Wildpflanzen eine ertragreiche Nische. „Man kann gutes Geld damit verdienen, aber es ist auch sehr arbeitsaufwendig“, sagte Ernst Rieger von der Firma Rieger-Hofmann im Landkreis Schwäbisch Hall. Bis zu 3000 Arbeitsstunden fielen pro Hektar an. Seit den achtziger Jahren beschäftigt sich sein Unternehmen damit. Mittlerweile baue es auf 70 Hektar mit 70 Mitarbeitern 200 verschiedene Arten an. Zudem erzeugten für ihn deutschlandweit Landwirte auf 2000 Flächen mit insgesamt 1000 Hektar Saatgut von Wildpflanzen. Die verteilten Flächen sind nötig, denn seit März 2020 dürfe laut Bundesnaturschutzgesetz nur noch gebietseigenes Saatgut in der Natur ausgebracht werden, erläuterte Mainz. Das gelte auch für Straßenränder und für Gehölze. Bundesweit wurden 22 Ursprungsgebiete definiert. Der Kreis Groß-Gerau liegt im Gebiet 9 „Oberrheingraben mit Saarpfälzer Bergland“. Hier dürfte beispielsweise kein Saatgut aus Bayern ausgebracht werden, verdeutlichte Rieger. Die größten Anbauflächen bis fünf Hektar belegten häufige Arten wie Kornblume, Margerite, Schafgarbe und Klatschmohn. Seltene Arten wie die Küchenschelle baue er nur auf hundert Quadratmeter an. Die Griesheimer Mischung für Sandböden von Appel besteht aus 45 Arten.

Anzeige

Bei einer Exkursion besichtigten die Teilnehmer die Beregnung von Wirbeldost, Zittergras oder Herzgespann mit verschiedenen Methoden wie Tankanhänger, Rohrleitungen, Pumpen oder Tröpfchenbewässerung. Ortslandwirt Sebastian Schaffner gab einen Einblick in den Alltag bei Kulturpflanzen: „Beregnung ist der Kuhstall des Ackerbauern, man hat morgens und abends zu tun“, betonte er. Er habe aber 2019 leidvoll erfahren, dass man verlorenen Ertrag nicht nachholen könne, wenn man zu spät mit der Bewässerung starte.