Nauheim: Erinnerung an einen Rennfahrer

Eine Gedenktafel erinnert auf dem Autobahnplatz im Nauheimer Oberwald an den Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Foto: Gemeinde

Der Bernd Rosemeyer verunglückte vor 85 Jahren auf der Autobahn am Nauheimer Oberwald bei Mörfelden.

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NAUHEIM. Eine Rekordfahrt sollte es werden, mit dem Tod eines Autorennfahrers endete sie. Die Rede ist von Bernd Rosemeyer, der bei besagter Rekordfahrt auf der gerade fertiggestellten Autobahn Frankfurt-Darmstadt in Höhe des Nauheimer Oberwalds am 28. Januar 1938 ums Leben kam. Sein Auto-Union-Stromlinienwagen Typ R war seitlich von einer Windböe erfasst worden und hatte sich mehrfach überschlagen. Rosemeyer, als erfolgreicher Rennfahrer ein Idol der Nazi-Zeit, war auf der Stelle tot.

Neben Rosemeyer war an dem Wettbewerb Rudolf Caracciola beteiligt, der als Erster startete und die Rekordmarke auf 432,692 Kilometer pro Stunde setzte. Am Endpunkt angekommen, wo schon Rosemeyer startbereit stand, warnte ihn Caracciola noch vor den Windböen auf der Fahrbahn. Kurz darauf setzte sich Rosemeyer in seinen Wagen, um sich die Bestmarke zurückzuholen und wurde bei 430 Stundenkilometern von der tödlichen Böe erfasst.

Heute erinnert eine Gedenktafel auf dem Autobahnparkplatz im Nauheimer Oberwald an das Geschehen vor 85 Jahren. Neben Vertretern regionaler Automobilclubs will auch die Gemeinde Nauheim dort bei einer Feierstunde am Samstag, 28. Januar, einen Kranz niederlegen, geht aus einer Pressemitteilung hervor. Denn für Nauheim, in deren Eigentum der 244 Hektar große Wald ist, sei der Unglücksort von einer gewissen Bedeutung.

Wieso hat Nauheim Waldbesitz in einer Entfernung von rund zwölf Kilometer Entfernung (Radfahrdistanz)? Der Oberwald ist laut Heimatforscher Hans-Joachim Brugger aus der „Drei-Dorf-Mark“ begründet. Bereits im Frühmittelalter, spätestens aber seit den frühen Karolingern (751 - 911) bildete Nauheim eine Domäne in Reichsbesitz mit Trebur, Mörfelden und anderen, wobei Trebur deutlich der zentrale Ort gewesen sei. Im Spätmittelalter gehörte Nauheim mit Trebur und Mörfelden einer Drei-Dorf-Mark an, die einen gemeinsamen Wald nutzte und verwaltete. Er wurde den Siedlungen als Nutzwald zur Verfügung gestellt, die Jagdausübung verblieb beim landgräflichen Landesherrn.

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Aus dem Jahr 1454 ist eine Waldstreitigkeit überliefert, die Mörfelden und Trebur austrugen. Als die Bedeutung der Dorfmarken abnahm, teilten sich die Dörfer 1730 bis 1732 ihren Waldbesitz. Trebur erhielt die Hälfte des Waldes, Mörfelden und Nauheim jeweils nur ein Viertel. 1692 wurde die Grenze zwischen den Markwäldern Langen/Egelsbach einerseits und Trebur/Nauheim/Mörfelden andererseits „abgesteint“. Der Nauheimer Oberwald war längere Zeit eine eigene Gemarkung, so Brugger. 1954 wurde durch Innenministererlass das Nauheimer Waldeigentum in die Gemarkung Mörfelden integriert.