Im Gedenken an die Gräueltaten der NS

Stolpersteine in der Mörfelder Altstadt erinnern an ermordete jüdische Mitbürger. Am heutigen Samstag steht ein Rundgang auf den jüdischen Spuren an. Foto: Vollformat/Sebastian Schwappacher
© Vollformat/Sebastian Schwappacher

Das Gedenken an die Gräueltaten der Nationalsozialisten an den jüdischen Mitbürgern zu bewahren, hat sich der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis...

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MÖRFELDEN-WALLDORF. Das Gedenken an die Gräueltaten der Nationalsozialisten an den jüdischen Mitbürgern zu bewahren, hat sich der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau auf die Fahnen geschrieben.

Die Stadt Mörfelden-Walldorf war vor 13 Jahren die erste Kommune im Kreis Groß-Gerau, die das Stolpersteinprojekt des Künstlers Gunter Demnig unterstützt hat, das vom früheren Ersten Stadtrat und dem Vorstandsmitglied des Fördervereins Jüdische Geschichte, Hans-Jürgen Vorndran, umgesetzt wurde.

54 Stolpersteine wurden in Mörfelden und Walldorf „im Gedenken an unsere vergessenen jüdischen Nachbarn“, wie es Vorndran ausdrückte, vor deren damaligen Wohnhäusern verlegt.

2011 in Mörfelden und 2012 und 2016 in Walldorf gab es bereits Rundgänge zu den früheren Wohnhäusern jüdischer Familien. Heute, Samstag, 18. August, wird von 15 bis 16.30 Uhr erneut ein solcher Rundgang angeboten.

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Die Stolpersteine, so hatte es der inzwischen verstorbene Schriftsteller Peter Härtling einmal formuliert, sollten „Steine des Anstoßes sein, deren Spur in unser Gedächtnis führt“. Gerade angesichts des derzeit vermehrt aufkeimenden Antisemitismus und der Holocaustleugnung seien solche Veranstaltungen des Erinnerns wichtig, so Vorndran.

Der Rundgang durch Mörfelden startet um 15 Uhr am Denkmal für die jüdischen Familien Mörfeldens an der Ostseite des Rathausplatzes. Bürgermeister Heinz-Peter Becker spricht ein Grußwort, bevor Rudi Hechler Fotos von Nazi-Aufmärschen in der Stadt zeigt und die Situation der Juden schildert.

Die Langgasse 40, die Zwerggasse 2 und 3, die Hintergasse 18, die Mittelgasse 9 und die evangelische Kirche in der Langgasse sind weitere Stationen des Rundgangs. In der Kirche ist dann noch eine Gesprächsrunde mit Pfarrerin Meike Sohrmann geplant. An jeder Station gibt es Informationen über die einst dort lebenden jüdischen Familien.

Von den Juden, die in Mörfelden und Walldorf lebten, gelang nach 1933 21 Personen die Flucht. 13 gingen nach Amerika, je drei nach England und Ecuador, je eine nach Frankreich und nach Palästina. Sechs Personen hatten sich versteckt oder lebten in einer „privilegierten Mischehe“.

Acht Juden starben in den Folgejahren eines natürlichen Todes, zwei begingen angesichts der Situation Selbstmord. 17 Juden wurden aus ihren Wohnungen verschleppt und deportiert. Von ihnen hat niemand überlebt, wie Hans-Joachim Vorndran in seinem Buch niedergeschrieben hat.

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1942 wurden Mörfelden und Walldorf von den braunen Machthabern als „judenfrei“ an die übergeordneten Behörden gemeldet.

Der Rundgang an diesem Samstag wird von der evangelischen Kirchengemeinde Mörfelden und der Stadt unterstützt.