Medizinisches Versorgungszentrum öffnet 2019 in der...

Dr. Roxana Sauer leitet das neue Medizinische Versorgungszentrum an der Kreisklinik. In der Kreisklinik werden die notwendigen Praxisräume gerade umgebaut. Foto: Vollformat/Volker Dziemballa

Hausarztmangel und überfüllter Notaufnahme soll das neue Medizinische Versorgungszentrum am Groß-Gerauer Krankenhaus entgegenwirken. Der Betrieb startet im Januar. Weitere...

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KREIS GROSS-GERAU. Parallel zur Hiobsbotschaft über das hohe Jahresdefizit von 9,5 Millionen Euro gab es an der Kreisklinik nun Grund zur Freude: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat den Antrag auf Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) am Kreiskrankenhaus Groß-Gerau bewilligt. Am 2. Januar 2019 soll die Praxis unter dem Dach der Klinik unter Leitung von Dr. Roxana Sauer in den ehemaligen Räumen der Physiotherapie starten. Die Umbauarbeiten sind in vollem Gang.

Synergieeffekte für Krankenhaus erhofft

In das Projekt setzt Krankenhauschef Reinhold Linn große Hoffnungen. Er verspricht sich eine Reihe von Synergieeffekten für die Klinik und die ärztliche Versorgung im Kreis Groß-Gerau, wo bereits heute 8,5 Hausarztsitze unbesetzt sind, Tendenz steigend. Das MVZ als Tochtergesellschaft des Klinikums sei ein „Meilenstein für die ambulante medizinische Versorgung im Kreisgebiet“, sagte Dr. Sauer, die an der Kreisklinik als leitende Oberärztin mit den Fachgebieten Gastroenterologie und Ernährungsmedizin sowie als Bereichsleiterin Endoskopie und Ultraschall tätig ist.

Weitere Zentren, die von der Kreisklinik mit angestellten Ärzten betrieben werden, sollen ab 1. April in Biebesheim, anschließend in Büttelborn und Wallerstädten folgen. Damit komme man dem Wunsch einer großen Zahl junger Mediziner nach, die heute lieber im Angestelltenverhältnis mit verlässlichen Arbeitszeiten und ohne Investitionsrisiko arbeiten möchten. Zugleich werde die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet. Die Klinik verspricht sich als Nebeneffekt eine höhere Zahl von Patienten, die aus den MVZs zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus kommen.

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Zusätzlich soll die Praxis im Krankenhaus die überlaufene Notfallambulanz entlasten, die für die Klinik ein teures Zuzahlungsgeschäft ist. Zwar sei das MVZ keine klassische Portalpraxis, erläuterte Sauer in der Sitzung des Kreis-Sozialausschusses. Allerdings biete sie eine Alternative für einen großen Teil vermeintlicher Notfallpatienten, die gar keinen festen Hausarzt haben oder deren Hausarztpraxis etwa aufgrund eines Umzugs weit entfernt ist. Hinzu komme eine weitere Gruppe von Menschen, die gerade auf der Suche nach einem neuen Arzt sind. Diese Patienten wolle man direkt in das MVZ umlenken und als festen Kundenstamm gewinnen, schilderte Sauer. Geplant seien attraktive Öffnungszeiten auch samstags.

Die Möglichkeit, kurzfristige Termine etwa für endoskopische Untersuchungen anzubieten, sei ein weiterer Pluspunkt des MVZ. Unter der Leitung von Dr. Sauer sollen dort im Januar die beiden Allgemeinmediziner Samir El Amri und Nathalie Ballhausen praktizieren. Verstärkt wird das Team durch sechs Arzthelferinnen sowie eine Praxismanagerin.

Eine Projektmanagerin, die das Vorhaben in den vergangenen Monaten koordinierte, wird auch die weitere Etablierung von Medizinischen Versorgungszentren im Mittel- und Südkreis vorantreiben. Um das MVZ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, sei neben einer Marketingkampagne ein Tag der offenen Tür geplant. Außerdem kündigte Sauer eine Vortragsreihe zu medizinischen Alltagsthemen an.

Landrat Thomas Will freute sich, dass das erste Medizinische Versorgungszentrum unter der Regie des Kreiskrankenhauses von der KV ohne jegliche Einschränkung genehmigt worden sei. Im Sozialausschuss des Kreistags wurde die Entwicklung des Projekts positiv aufgenommen.