Medizinisches Versorgungszentrum in der Kreisklinik...

Unter Leitung von Roxana Sauer arbeiten Natalie Ballhausen und Samir El Amri im neuen Versorgungszentrum. Foto: VF/Alexander Heimann

Auf 400 Quadratmetern hat im Erdgeschoss der Kreisklinik Groß-Gerau das Medizinische Versorgungszentrum seine Arbeit aufgenommen. Im Mittel- und Südkreis sind weitere Praxen...

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KREIS GROSS-GERAU. Das Medizinische Versorgungszentrum Kreis Groß-Gerau (MVZ) an der Kreisklinik ist Anfang Januar an den Start gegangen. Die Praxis unter Leitung von Dr. Roxana Sauer ist zugleich die Keimzelle für weitere geplante MVZ-Ableger im Mittel- und Südkreis. Davon erhofft man sich im Landkreis in erster Linie die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung, da zahlreiche ältere Ärzte für ihre Praxen keine Nachfolger finden. Klinikchef Reinhold Linn sieht mit dem Projekt den Grundstein gelegt für eine „von der großen Politik geforderte Verzahnung von ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung“.

„Die Medizin wird immer weiblicher“, sagt Dr. Roxana Sauer, zugleich Ärztliche Direktorin des MVZ in Trägerschaft der Kreisklinik (Infokasten). Junge Ärztinnen stellen andere Anforderungen an den Beruf, wenn es darum geht, Arbeit und Familienleben zu verbinden. Viele ziehen heute das Angestelltenverhältnis im MVZ einer eigenen Praxis mit hohen Investitionskosten, langen Arbeitszeiten und zusätzlichem Verwaltungsaufwand vor. Medizinische Versorgungszentren wie sie beispielsweise auch das Rüsselsheimer GPR-Klinikum seit einigen Jahren im Nordkreis etabliert hat, sollen diesen Wünschen Rechnung tragen.

Innerhalb einer nur fünfmonatigen Umbauphase sind im Erdgeschoss der Kreisklinik auf 400 Quadratmetern moderne Praxisräume entstanden, die den Besucher mit einem großzügigen, hellen Entree an einem runden Servicetresen empfangen. Grün-blaue Gestaltungselementen verströmen eine einladende Atmosphäre. Die Kosten für den Umbau beziffert Linn auf rund 850 000 Euro.

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Die Praxis sei bereits voll ausgestattet und funktionsfähig, erklärt Roxana Sauer. Lediglich die neue Endoskopietechnik fehle noch. Sie werde aber in Kürze geliefert, schildert Sauer, die ihren Patientenstamm aus ihrer bisherigen Praxis mitbringt. Dass das neue MVZ benötigt wird, daran haben Sauer und ihre beiden Kollegen Dr. Natalie Ballhausen und Samir El Amri keine Zweifel. Eine zunehmende Zahl von Patienten habe gar keinen festen Hausarzt mehr, unterstreicht Ballhausen. Dass diese im Krankheitsfall künftig eher im MVZ eine Anlaufstation finden, anstatt unnötig die überlastete Notfallambulanz der Klinik aufzusuchen, diese Hoffnung verbindet Klinikchef Reinhold Linn zusätzlich mit dem Projekt. Roxana Sauer betont jedoch, dass es sich beim MVZ nicht um eine Portalpraxis handelt, wie sie anderswo gezielt zur Entlastung der Notaufnahme mit einem gemeinsamen Empfang an Kliniken angesiedelt ist.

Die Groß-Gerauer MVZ-Zentrale sei die „Keimzelle eines kleinen Konzerns“, erklärt Sauer. Erst wenn hier alles perfekt funktioniere, könnten weitere Standorte folgen. Zur Jahresmitte soll eine Arztpraxis in Biebesheim übernommen und als zweites MVZ im Kreisgebiet etabliert werden, erläutert Klinikchef Linn. Als ein weiterer Standort ist Büttelborn im Gespräch.

Zunächst werde man nun in der Zentrale Prozesse optimieren und duplizieren, um sie auf künftige Zweigstellen zu übertragen, schildert Nicole Williams. Die MVZ-Projektmanagerin ist begeistert, dass die Praxis in nur fünf Monaten realisiert werden konnte. In Rekordzeit habe man ein tolles Team zusammengestellt, das in den vergangenen Wochen bei Kennenlerntreffen, gemeinsamen Abendessen, Baustellenrundgang und Adventsumtrunk bereits zusammengewachsen sei. Wie gut die Umbauarbeiten gelaufen sind, davon zeugen auch kleine Rosensträuße, die die Handwerker zur Eröffnung überreicht haben.