Ausbaugegner protestieren gegen Terminal 3

„Nicht kleinkriegen lassen“: Ausbaugegner versammeln sich in der Abflughalle B zum Protest gegen das neue Terminal. Foto: Torsten Boor

Bei einer Mahnwache in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens anlässlich der Grundsteinlegung für Terminal 3 steht insbesondere Grünen-Minister Tarek Al-Wazir in der Kritik.

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FRANKFURT. Vor der großen Abflug-Anzeigetafel im Terminal 1 wurde der Grundstein zum Grabstein: Mit einer Mahnwache haben am Montag rund 100 Gegner des Flughafenausbaus gegen die zeitgleich vollzogene offizielle Grundsteinlegung für das neue Terminal 3 protestiert. „Die Auswirkungen des Terminals werden verheerend sein“, sagte Kundgebungs-Mitorganisatorin Monika Wolf von der Bürgerinitiative Nauheim unter großem Applaus.

Dass die Grundsteinlegung im Süden des Airports kein Anlass zur Freude für die Anwohner des Flughafens sei, darin waren sich die Kundgebungsredner in der Abflughalle B einig. „Wir müssen dem Flughafen endlich Grenzen setzen“, erklärte Petra Schmidt von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. „Nach über zwanzigjährigem Kampf geben wir nicht auf!“

Ursula Fechter von der Bürgerinitiative Frankfurt-Sachsenhausen – zugleich Fluglärmschutzbeauftragte der Stadt Frankfurt – nannte „Schadensbegrenzung“ als Gebot der Stunde. Für Lärm- und Klimaschutz sei das Wachstum des Flughafens „die Katastrophe schlechthin.“

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Die Demonstranten hatten ein Kreuz und einen symbolischen Grabstein in die Abflughalle mitgebracht, auf dem ein Foto von Tarek Al-Wazir (Grüne) über einem Zitat zu sehen war, das dem jetzigen Landeswirtschaftsminister zugeschrieben wurde: „Mit mir wird es kein Terminal 3 geben.“

Anwesend bei der Mahnwache war auch die Linken-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Janine Wissler. Die Einladung zur feierlichen Grundsteinlegung habe sie dafür ausgeschlagen, betonte sie ebenso wie ihre gleichfalls anwesende Fraktionskollegin Christiane Böhm aus Trebur. Zwar sei der Bau des Terminals 3 nicht mehr zu verhindern, sagte Böhm – „aber wir müssen aktiv bleiben, in der Schublade liegen sicherlich schon die nächsten Ausbaupläne“.

Der zunehmende Luftverkehr macht sich speziell in Flörsheim mit einer wachsenden Gefahr durch Wirbelschleppen bemerkbar. „Vorige Woche sind in der Gallusstraße wieder einige Ziegel von einem Dach gefallen“, sagte Kundgebungsteilnehmerin Cäcilie Steube von der dortigen Bürgerinitiative. Flughafenbetreiber Fraport bestreite jedoch die Existenz solcher Wirbelschleppen. „Je mehr ausgebaut wird, desto schlimmer wird es“, sagte Steube, „deswegen sind wir hier.“

Die „Demontage des Fluglärmschutzgesetzes“ kritisierte Horst Walter aus Nauheim. Die Öffnung des Flughafens für Billigflieger wirke sich durch den „ausufernden Massentourismus in der Luft“ katastrophal für das Umland aus. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Überflüge in Trebur-Astheim zunimmt, erklärte der dort lebende Ferdinand Loidold.

Bereits mehr als 250 Mal haben Ingeborg Zorn-Ilka und ihre Tochter Esther Ilka aus Flörsheim an Montagsdemonstrationen der Ausbaugegner teilgenommen. Auch sie kritisieren den Terminal-Bau für Billigflieger wegen des wachsenden Lärms und des Waldverlusts. „Man darf sich nicht kleinkriegen lassen“, betonten beide.

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Eine 27 Jahre alte Rüsselsheimerin, die ihren Namen nicht nennen wollte, berichtete von der Gründung einer bundesweit aktiven „Graswurzelinitiative“ namens „Am Boden bleiben“. Geplant seien öffentlichkeitswirksame Aktionen mit radikalen Forderungen, etwa ein „Schließungscamp“ an einem Flughafen.

Im Verlauf der Kundgebung wurden unterschiedliche Interessen bei der Verkehrsanbindung des neuen Terminals deutlich. Herbert Debus vom Umweltverband BUND kritisierte den Neubau als „falsches Wachstumssignal“ und forderte zugleich eine Anbindung an das S-Bahn-Netz auf Kosten von Fraport. Andernfalls drohe ein Verkehrskollaps auf den Autobahnen. Dagegen sagte Petra Schmidt, eine „Ausschleifung“ der S-Bahn zum Terminal 3 werde in Mörfelden-Walldorf abgelehnt, da sie die Fahrzeit nach Frankfurt verlängere und zudem weiteren Waldverlust verursache. Es sei auch nicht im Interesse der Ausbaugegner, die Nutzung des Flughafens attraktiver zu machen.