Polizei warnt: Winterzeit ist Einbruchszeit

In der dunklen Jahreszeit nehmen Einbrüche zu. Die Polizei greift stärker durch und informiert zur Prävention.

In der dunklen Jahreszeit nehmen Einbrüche zu. Die Polizei verschärft deshalb ihre Kontrollen und gibt Tipps, wie Haus und Wohnung sicherer gegen Einbrecher gemacht werden können. 

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Kreis Groß-Gerau. Die Uhren wurden umgestellt und es wird früher dunkel. Einbrechern bietet dies günstige Bedingungen, um unbemerkt auf Beutezug zu gehen. „Einbrüche fangen im Herbst an, mehr zu werden und sind in den kalten Jahreszeiten häufiger als in den Sommermonaten“, berichtet Sebastian Trapmann, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Neben den Sachschäden, die bei einem Einbruch entstehen, blieben betroffene Menschen oft verängstigt zurück und fühlten sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher. 

Kontrollen und stärkere Polizeipräsenz

Um einbrecherischem Treiben einen Riegel vorzuschieben setzt die Polizei auf eine Mischung aus Prävention, Polizeieinsätze und Aufklärungstechnik. So sind für die dunkle Jahreszeit verstärkte Kontrollen und Fahndungsaktionen geplant, um gegen Einbruchskriminalität durchzugreifen, so Trapmann. Dabei gehen Ermittler sowohl offen als auch in zivil gegen Einbrecher vor.

So gebe es beispielsweise verstärkte zivile Kontrollen an überregionalen Transitstrecken wie der A5 oder der A67. Denn diese sind auch für Kriminelle attraktiv, um zu möglichen Einbruchszielen und zurückzugelangen. „Das hängt viel mit Erfahrungswerten zusammen“, berichtet der Polizeisprecher, aber auch Informationen aus benachbarten Bundesländern helfen den Ermittlern, Verdächtige zu verfolgen. Wenn sich beispielsweise nach einem Blick in die Datenbank herausstellt, dass eine verdächtig wirkende Person mit Werkzeug im Auto bereits mehrfach wegen Einbruchsdelikten in Erscheinung getreten ist, erhärte sich der Verdacht, dass sie ein Vergehen plane.

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Unterstützt wird die Polizeiarbeit durch die Prognosesoftware „KLB-operativ“ (Kriminalitätslagebild), die aus polizeilichen Daten örtliche und zeitliche Schwerpunkte ableitet, wann und wo Einbrüche wahrscheinlich seien. Ziel sei es, Täter zu fassen, aber auch abzuschrecken, bevor überhaupt ein Verbrechen begangen wird, so Trapmann.

2021: 3858 Wohnungseinbrüche in Hessen

„Die Taten sind generell rückläufig, nicht nur dank Corona“, beobachtet Trapmann. Im vergangenen Pandemiejahr waren Diebstähle bei Wohnungseinbruch laut Polizei rückläufig. Grund dafür sei gewesen, dass sich die Menschen häufiger zu Hause aufhielten. Ob bei der Arbeit im Homeoffice oder weil die Pandemie weniger Gelegenheit bot, sich draußen aufzuhalten – die Chance für Einbrecher nahmen dadurch ab.

Aber auch die Anstrengung der Polizei und ihrer Aufklärungstechnik machen sich laut polizeilicher Kriminalstatistik 2021 bezahlt: Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbruchsdiebstahl ist demnach die beste seit der Jahrtausendwende. Im Vergleich zum Jahr 2020 sank die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr von 5165 auf 3858 (inklusive 1819 versuchter Straftaten).

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 zeigt einen Rückgang der Einbruchsfälle und eine steigende Aufklärungsquote.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 zeigt einen Rückgang beim Wohnungseinbruchsdiebstahl und ein Wachstum der Aufklärungsquote. (© Hessisches Ministerium des Innern und für Sport )
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Auch im Kreisgebiet sinken die Fallzahlen, während sich die Aufklärungsquote der Polizei und die Zahl der gescheiterten Einbruchsversuche in den vergangenen Jahren erhöht haben:

2018 gab es in der Region 291 Fälle (inklusive 127 Versuche), 2019 waren es 312 (samt 135 Versuchen), 2020 nur noch 231 (97 Versuche) und 2021 gab es sogar nur 113 Einbrüche (inklusive 67 Versuchen). 2017 waren es Trapmann 383 Einbrüche und 2017 sogar 432 Einbrüche.

2018 und 2019 lag die Aufklärungsquote noch bei rund 12 Prozent, 2020 und 2021 konnten bereits über als 30 Prozent der Einbrüche im Kreisgebiet von der Polizei aufgeklärt werden.

Positiver Trend: Seit 2018 ist die Zahl der erfolgreichen Einbrüche im Kreis Groß-Gerau gesunken. Gescheiterte Versuche und die Aufklärungsquote sind hingegen gestiegen. (Quelle Sebastian Trapmann, Polizeipräsidium Südhessen)
Positiver Trend: Seit 2018 ist die Zahl der erfolgreichen Einbrüche im Kreis Groß-Gerau gesunken. Gescheiterte Versuche und die Aufklärungsquote sind hingegen gestiegen. (Quelle Sebastian Trapmann, Polizeipräsidium Südhessen) (© Jan Pfaff)

Aber: 2022 stiegen die Fallzahlen wieder an. Laut Polizei nutzten die Täter die größer gewordenen Abwesenheitszeiten Berufstätiger aus sowie deren Unvorsichtigkeit: Unbeleuchtete Carports und leere Garagen beispielsweise erlaubten ihnen Rückschlüsse darüber zu ziehen, wann Bewohner abwesend seien und wo und wann ein Einstieg möglich.

Wie können Einbrüche verhindert werden?

Land und Polizei bieten eine Reihe von Informations- und Präventionsangeboten für die Bevölkerung an, die Bewohnern von Häusern und Wohnungen dabei helfen sollen, ihre Zuhause sicherer gegen diebische Besucher zu machen.

„Ein großes Thema ist die Prävention“, sagt Trapmann, auch wenn deren Wirksamkeit schwer messbar sei. Die Taten nähmen ab, die Versuche nähmen zu.

Teilweise nimmt die Polizei Wohngebiete direkt unter die Lupe, erläutert Trapmann. Mitarbeitende gehen durch die Straßen und suchen nach Schwachstellen, gewissermaßen mit einem Einbrecherblick. Steht beispielsweise ein Gartentisch unter einem gekippten Fenster eines Hauses, klingeln die Polizisten oder hinterlassen Infomaterial und Hinweise: Was ist ihnen aufgefallen, was können die Bewohner besser machen.

Neben dem mechanischen Schutz beispielsweise durch Alarmanlagen und robustere Fenster und Türen ist das Verhalten entscheidend, weiß Trapmann. Ist die ganze Straße hell erleuchtet und ein einzelnes Gebäude unbeleuchtet, sei das ein Zeichen für potenzielle Einbrecher: in diesem Haus ist niemand vor Ort und ein Einstieg leichter.

Gute Nachbarschaft ist der beste Einbruchsschutz.

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Sebastian Trapmann Sprecher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Polizei Südhessen

Trapmann empfiehlt deshalb, das Haus belebt aussehen zu lassen. So könnten etwa durch Zeitschaltuhren für die Beleuchtung wechselnde Lichter eingeschaltet werden. Auch ließen sich elektrische Rollläden programmieren, dass die Jalousien unterschiedlich hochgingen.

„Gute Nachbarschaft ist der beste Einbruchsschutz“, hebt Trapmann hervor. Gute Nachbarschaftsverhältnisse helfen dabei, dass die Augen offen gehalten würden nach verdächtigen Personen und verdächtigen Vorkommnissen. Dann solle die Polizei alarmiert werden, betont Trapmann: „Man sollte sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen, auch wenn es dann nichts ist. Dafür sind wir da.“