Führungskrise beim Technischen Hilfswerk Groß-Gerau

Im April vergangenen Jahres hat Jürgen Schneider das Amt des THW-Ortsbeauftragten für Groß-Gerau übernommen. Nun hat er es aufgegeben. Archivfoto: Vollformat/Alexander Heimann

Orstbeauftragter Jürgen Schneider und sein Stellvertreter Norbert Grohnmeier haben ihre Ämter niedergelegt. Bis zur Neuwahl führt der Geschäftsführer des THW-Bezirks...

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GROSS-GERAU. Der Ortsverband des Technischen Hilfswerkes steckt zur Zeit in einer Führungskrise: Sowohl der Ortsbeauftragte Jürgen Schneider (Stockstadt) als auch sein Stellvertreter Norbert Grohnmeier haben ihre Ämter niedergelegt. Bis zur Wahl eines neuen Ortsbeauftragten führt nun der Geschäftsführer des THW-Bezirkes Starkenburg, Thomas König, kommissarisch den Ortsverband Groß-Gerau.

In der THW-Geschäftsstelle Darmstadt will man nicht so recht mit den Gründen herausrücken, warum es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Der Geschäftsführer ist diese Woche noch in Urlaub. Katharina Löw, zuständige Ausbildungsleiterin für den Bezirk, erklärte lediglich, die „Chemie“ habe nicht gestimmt, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich gewesen. Sie betonte aber gleichzeitig, dass die volle Einsatzbereitschaft des Groß-Gerauer THW jederzeit gegeben sei. Auch Jürgen Schneider wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern. Er gab „persönliche Gründe“ für seinen Rücktritt an.

Klaus Meinke, der im April des vergangenen Jahres das Amt des Ortsbeauftragten nach fünf Jahren an Jürgen Schneider übergeben hatte, will auf die Hintergründe nicht näher eingehen. Er sagte jedoch, dass viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen dazu gehöre, eine „Mannschaft mit mehr als 100 Leuten zu führen, zu motivieren und Verantwortung für deren Einsatz zu übernehmen.“ Man müsse Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen können.

Mitunter würden hohe Anforderungen an die THW-Aktiven gestellt. Beispielsweise, so Meinke, habe das THW 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise mit rund 100 Helfern innerhalb von 24 Stunden eine Lagerhalle in Biebesheim für die Bedürfnisse der Flüchtlinge hergerichtet. Die Arbeit gehe aber auch jetzt weiter: So habe das THW beim Deponiebrand in Büttelborn mit dem Bagger geholfen. Und aus der Geschäftsstelle in Darmstadt wird bestätigt: Sollte es wegen der augenblicklichen Trockenheit zu einem größeren Brand kommen, stehe der Groß-Gerauer Ortsverband jederzeit zur technischen Hilfeleistung bereit, beispielsweise um Schneisen zu schlagen.

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Abteilung „Seelift“ koordiniert Hilfseinsätze

Henning Müller, der zusammen mit Klaus Meinke das Führungsduo gebildet hatte, gab das Amt des Stellvertreters ebenfalls Mitte April 2017 ab. Als junger Familienvater und Richter am Sozialgericht in Darmstadt war ihm die Belastung zu groß geworden.

Doch einer Aufgabe hat er sich weiterhin verschrieben: Er leitet die Abteilung „Seelift“ – wegen des nahen Flughafens ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal des Groß-Gerauer Technischen Hilfswerkes, das im Katastrophenfall wie etwa bei Erdbeben internationale Hilfseinsätze koordiniert.