Augentraining bei der SG Dornheim

Gudrun Plettrichs gibt Augen-Gymnastikkurse bei der SG Dornheim.Foto Vollformat/Alexander Heimann  Foto:

Kaum hat das Gespräch mit der Kursleiterin des Augentrainings bei der Sportgemeinde Dornheim begonnen, da finden wir uns schon mitten in praktischen Übungen wieder: Was...

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DORNHEIM. Kaum hat das Gespräch mit der Kursleiterin des Augentrainings bei der Sportgemeinde Dornheim begonnen, da finden wir uns schon mitten in praktischen Übungen wieder: Was Gudrun Plettrichs (62) über die Augen-und Sehprobleme vieler Menschen erzählt, über die oft berufsbedingt einseitige Belastung des Sehsinns beim Starren auf Bildschirme, ist so einleuchtend, dass unvermittelt Lust aufkommt, den eigenen Augen Gutes zu tun. „Optisches Fasten“, diese Sehnsucht im Alltag,

Verkrampfungen im Nacken lösen

„Für Augenblicke mal nichts zu sehen“, erfrischt unmittelbar. Gudrun Plettrichs instruiert: „Reiben Sie Ihre Handflächen aneinander, bis sie warm und weich sind. Dann formen Sie eine Schale, als wollten Sie Wasser schöpfen und bedecken die geschlossenen Augen mit den Händen.“ Etwa achtmal ruhig ein-und ausatmend ist diese kleine Übung eine Wohltat, gibt das Gefühl, sich im geschützten Kokon zu befinden, fern der Anspannung.

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Gudrun Plettrichs lächelt: „Tut gut, oder?“ Tatsächlich ist das Brennen der Augen schon gelindert. „Brennende Augen? Da weiß ich noch was: Versuchen Sie mal das Schmetterlingsblinzeln“, sagt Gudrun Plettrichs. Zunächst wird die „Königshaltung“ eingenommen, was beinhaltet, dass man einen goldenen Faden am Hinterkopf imaginiert, der den gesamten Schulter-und Nackenbereich in eine gerade, stolze Position bringt, die Verkrampfungen löst. Dann wird mit blitzschnellen Lidschlägen geblinzelt und der Kopf sacht von einer zur anderen Seite gewendet, als wolle man sich selbst über die Schulter gucken. „Die Augen werden befeuchtet, das Blickfeld erweitert. Die Nackenmuskulatur wird gelockert und die Durchblutung des Sehzentrums im Hinterkopf gefördert“, fasst Plettrichs das Wohlbefinden, das sich einstellt, in Worte.

Erstaunlich, wie doch alles, was Körper ist, zusammenhängt. Plettrichs nickt: „Die wenigsten machen sich bewusst, dass ein verspannter, geknickter Nacken ein verbreiteter Sehfehler ist, denn der Hals ist ein Engpass, durch den sechs Hauptadern führen, die den Kopf mit Blut versorgen.“

Die Sehkraft mit diesen einfachen Übungen zu trainieren, hat Gudrun Plettrichs vor Jahren zunächst an sich selbst erfahren. Sie berichtet: „Bevor ich als Kursleiterin bei der SG erstmals Augentraining anbot, habe ich über meinen eigenen Job als Verwaltungsangestellte im Finanzamt davon erfahren. 2012 gab es im Rahmen des Gesundheitsmanagements im Finanzamt einen Vortrag von Wolfgang Hätscher-Rosenbauer, der ein Institut für Sehtraining in Bad Vilbel leitet und auch Dozent an einer Akademie für gesundes Leben ist.“ Seine „Augenschule“ habe das Wunder des Sehens neu in ihr Bewusstsein gerückt und ihr veranschaulicht, dass Sehschwäche mit regelmäßigen, einfachen Übungen gemindert oder gar abgebaut werden kann. „Es war ein Umdenken insgesamt. Warum brauchen immer mehr Menschen eine Brille? Warum sind wir oft so wenig achtsam demgegenüber, was und wie viel wir durchs Fenster der Augen in uns einlassen?“, skizziert Gudrun Plettrichs essenzielle Fragen, die klar machen: „Eins hängt am anderen. Wenn ich seelisch nicht entspannt bin, sind auch Körper und Blick auf die Welt nicht entspannt. Augen, Nacken, Rücken – alles gehört zusammen.“