Gustavsburger Cramer-Klett-Siedlung: Unmut über Bauaufsicht

Die Interessengemeinschaft Cramer-Klett-Siedlung beklagt einen Richtungswechsel bezüglich denkmalschutzrechtlicher Genehmigungen im Quartier. Archivfoto: hbz/Stefan Sämmer

Künftig sollen die verbauten Fenster der Siedlungshäuser nicht mehr in Braun, sondern in weißer Farbgebung gehalten werden. Das stößt beim Förderverein auf Unverständnis.

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GINSHEIM-GUSTAVSBURG. In der Gustavsburger Cramer-Klett-Siedlung kommt es zu einem Richtungswechsel in Sachen Denkmalschutz: So sollen künftig die verbauten Fenster der Siedlungshäuser nicht mehr in Braun, sondern in weißer Farbgebung gehalten werden, teilen Interessengemeinschaft und Förderverein Cramer-Klett-Siedlung Gustavsburg mit.

Es sei bereits seit einiger Zeit ein möglicher Gestaltungsleitfaden für die denkmalgeschützen Siedlung durch das hessische Landesamt für Denkmalpflege geplant. Aber was ist daraus geworden? Was für Auswirkungen hat ein solcher Gestaltungsleitfaden für die Hauseigentümer? Sollen die Siedlungshäuser wieder schrittweise zum ursprünglichen bauzeitlichen Gebäudebestand anno 1900 zurückgebaut werden? Entsprechende durch das hessische Landesamt für Denkmalpflege angedachte Informationsveranstaltungen seien bislang ausgeblieben. Wird der Eigentümer vor vollendete Tatsachen gestellt, fragen Interessengemeinschaft und Förderverein.

Im Jahr 1979 wurde die ehemalige Arbeitersiedlung nicht nur vom Land Hessen als Denkmal anerkannt, sondern es sei eine zuvor nicht vorhandene Homogenität der Siedlungshäuser, respektive des Gesamtensembles, geschaffen worden. In den vergangenen 13 Jahren hätten bereits zahlreiche Sanierungsmaßnahmen stattgefunden. So seien bereits vielfach Fenster unter den damaligen denkmalschutzrechtlichen Vorgaben bei den Häusern erneuert worden. Müssen diese Fenster nun mit weißer Farbe gestrichen werden? Derzeitige Pläne sind nicht bekannt, die Interessengemeinschaft der Gustavsburger Cramer-Klett-Siedlung kritisiert jedoch diese Vorgehensweise und Intransparenz seitens der Bauaufsicht der Kreisverwaltung Groß-Gerau und dem hessischen Landesamt für Denkmalpflege.

Was einst in einer zwölfjährigen Generalsanierung mit viel Liebe zum Detail erschaffen worden sei, werde nun über den Haufen geworfen. Das ist für die Interessengemeinschaft nicht nachvollziehbar. Diese Handlungsweise sei dilettantisch und verunstalte das homogene Erscheinungsbild der Cramer-Klett-Siedlung für die kommenden 40 Jahre. Noch kurioser erscheine einem die Aussage aus der Kreisverwaltung, dass der Austausch einzelner Fenster, in der bisherigen braunen Farbgebung erfolgen darf. Eine solche massiv eingreifende Änderung im Erscheinungsbild müsse als Gesamtsanierungskonzept in einem denkmalgeschützen Ensemble mit 36 Häusern begleitet werden. Dieses Vorgehen widerspreche allen anderen bislang abgelehnten Baumaßnahmen der Eigentümer, so die Interessengemeinschaft.