Viele Ideen für Klein-Gerau

Pfarrerin Ellen Simon ist begeistert von ihrer Gemeinde. Foto: Vollformat/Marc Schüler

Die evangelische Pfarrerin Ellen Simon freut sich über das Engagement und den Zusammenhalt in der evangelischen Kirchengemeinde.

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KLEIN-GERAU. „Ich habe mich sofort in den kleinen Kirchenraum verliebt“, gesteht Pfarrerin Ellen Simon und blickt nachdenklich, als sie berichtet, dass die Sanierung des ehemaligen Schulhauses für die Kirchengemeinde sehr kostspielig wird, zumal nicht nur die vom Hausbock angegriffenen Holzbalken entfernt werden müssen, sondern auch noch Aufzug und Toilettenanlage neu angebaut werden.

Vor zwei Jahren kam Ellen Simon nach mehreren Vakanz-Vertretungen als Pfarrerin nach Klein-Gerau, obwohl sie eigentlich gar keine eigene Gemeinde wollte. „Aber mich reizte auch das Tätigkeitsfeld gesellschaftliche Verantwortung, das mich seit meinem Studium nicht mehr losgelassen hat“, sagt sie.

Schon als Jugendliche war sie in Nordrhein-Westfalen in der Kirche aktiv, damals in einer Kirchengemeinde mit pietistischer Ausrichtung. Erste Station ihrer theologischen Ausbildung war die kirchliche Hochschule Wuppertal, wo sie 1972 ihr Studium begann und in Heidelberg fortsetzte. Diese Zeit, die sehr feministisch und selbsterfahrungsorientiert gewesen sei, habe sie auch politisch geprägt. Simon ließ sich zur Telefonseelsorgerin ausbilden und absolvierte ihr Vikariat in der Evangelischen Kirche Rheinland im Bereich Seelsorge in Bad Kreuznach und Remscheid. Anfang der 1980er Jahre, als Sohn und Tochter geboren wurden, teilte sich Simon in Saarbrücken eine Stelle mit ihrem Mann, ehe sie eine Zusatzausbildung für das Therapieverfahren Psychodrama absolvierte und zusätzlich eine Beratungsausbildung für Ehe und Familie durchlief.

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Neben ihrem Engagement in der Telefonseelsorge war Simon in der Studierendengemeinde auch mit dem christlich-jüdisch-muslimischen „Trialog“ befasst, ehe sie eine Familienberatungsstelle in Koblenz leitete. Die vergangenen Jahre fuhr Ellen Simon „zweigleisig“, indem sie mit einer halben Stelle auch in Rheinhessen in der landwirtschaftlichen Familienberatung tätig war. Mit einer Tätigkeit in der Altenheim-, Krankenhaus- und Hospiz-Seelsorge gelang Ellen Simon der Einstieg in die Evangelische Kirche Hessen Nassau (EKHN) und ins Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim.

„Ich bin froh, in Klein-Gerau zu sein“, betont Simon, die im Herbst 2020 in den Ruhestand verabschiedet wird. Hier gebe es zwar kein repräsentatives Pfarrhaus und wegen der Sanierung werde vieles improvisiert, aber die Mitglieder der Gemeinde engagierten sich und es gebe einen guten Zusammenhalt. „Gisela Wollrab hat da in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Einfluss gehabt und eine wertschätzende Atmosphäre verbreitet.“

Aufgrund ihrer Tätigkeit im Bereich „Gesellschaftliche Verantwortung“ ist Ellen Simon schnell mit Politik und Vereinen ins Gespräch gekommen, bringt sich in der Initiative „Uffwärts Kloa-Gere“ ein und konnte etliche Dinge anstoßen. In der Kirchengemeinde treibt sie die Bestrebung voran, das Nachhaltigkeitszertifikat der EKHN „Grüner Hahn“ zu erhalten. „Wir haben uns vorgenommen, den Kirchgarten umzugestalten in einen Begegnungsort und wollen die Biodiversität fördern“, sagt Simon. Auch die Grundschule könne einbezogen werden und in einer Garten-AG Hochbeete bepflanzen.

Initiiert hat Ellen Simon auch „Kloa-Gere on stage“, wobei sich erstmals im September 2019 Einzelpersonen oder Gruppen auf der Volkshausbühne präsentieren konnten. Auch Ellen Simon war mit dabei, zusammen mit ihrem Mann Volkmar Hahn und einem befreundeten Ehepaar als „LinseSoupGroup“. Der Internationale Tanztreff für Frauen und die Kleiderbörse sind weitere Projekte.

Von Marvi Mensch