Stolpersteine in der Büttelborner Ludwigstraße verlegt

Teilnehmer legen weiße Rosen auf die Stolpersteine an der Ludwigstraße 14 in Büttelborn. Foto: Vollformat/Volker Dziemballa
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In der Ludwigstraße 14 erinnern acht Quader nun an die von den Nazis gedemütigten, zur Flucht gezwungenen sowie deportierten Mitglieder der jüdischen Familie Grünewald aus...

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BÜTTELBORN. Weithin waren die Hammerschläge zu hören, mit denen der Kölner Künstler Gunter Demnig am Donnerstag acht Stolpersteine wider das Vergessen festklopfte: Vor dem Haus an der Ludwigstraße 14 erinnern die Quader nun an die von den Nazis gedemütigten, zur Flucht gezwungenen sowie deportierten Mitglieder der jüdischen Familie Grünewald aus Büttelborn. Zur Familie gehörten Sigmund Grünewald und seine Frau Amalie („Malchen“) sowie an deren Kinder Lina, Henni, Jakob, Erna und Betty und die 1937 erst zweijährige Ruth Grünewald. Das Gedenken an die Büttelborner ist nun am Ort, von dem sie 1938 unter grauenhaften Umständen fast ohne Hab und Gut flüchten mussten, manifestiert.

„Vergangenheit vergeht niemals“

Es war die letzte Stolpersteinverlegung in der Kommune, mit der hier seit 2011 gemeinsam mit dem Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis sowie dem Dekanat zwölf Familien der Kerngemeinde, Klein-Geraus und Worfeldens gedacht wurde. „Am Rande der Gesellschaft gibt es heute Bewegungen, die die Stolpersteinverlegung umso wesentlicher machen“, sagte Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU) zu den versammelten Bürgern sowie Paten der Stolpersteine. „Wir verlegen hier Steine für die Opfer der Nazis – doch zu den Opfern gehörten auch Täter. Es gab keine Stunde Null, die Tätergeschichte geht weiter. Die zwölf Jahre des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wirken nach. Denn Vergangenheit vergeht niemals – nachwachsende Generationen, die Ausreden nicht mehr akzeptieren, stellen neue Fragen. Was hier geschah war das ganz normale Pogrom – auf lokaler Ebene“, ergänzte Walter Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins Jüdische Geschichte. Landrat Thomas Will (SPD) schlug ebenfalls deutlich den Bogen in die Gegenwart: „Dass wir gedanklich stolpern, das sollen die Stolpersteine bewirken. Menschen wurden wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer Denkweise verfolgt, gefoltert, ermordet. Heute müssen wir feststellen, dass die Sprache, die damals benutzt wurde, wieder gesellschaftsfähig wird.“ Dagegen müsse jeder Demokrat aufstehen, müsse stolpern über das, was damals geschah und was heute geschieht, betonte Will. „Nie wieder darf es zu dem kommen, was Millionen Menschen, auch der Familie Grünewald, geschah“, so Will.

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Ulrich Trumpold vom Förderverein Jüdische Geschichte berichtete vom Leid und Vertreibung der Familie Grünewald – teils konnte die Familie emigrieren, teils hielt sie sich versteckt. Tochter Erna, wiewohl mit einem Nichtjuden verheiratet, wurde 1942 deportiert, ihr Schicksal blieb unbekannt. Petra Kunik von der jüdischen Gemeinde Frankfurt zitierte eindrückliche Verse aus dem Gedicht „Steh auf, Abel“ von Hilde Domin: „Wenn du nicht aufstehst, Abel, wie soll die Antwort, diese einzig wichtige Antwort sich je verändern? Steh auf, Abel, damit wir es täglich vor uns haben, dieses Ja, ich bin hier.“ Zum Abschluss sprach sie das jüdische Totengebet und bat um Schutz für die Seelen der Verstorbenen. Stolpersteinpaten und Gäste legten weiße Rosen auf die golden schimmernden Steine vorm Haus Nummer 14.