Erinnerung an ehemalige jüdische Bürger wach halten
In Büttelborn wurden die Stolpersteine für die Familie Hirsch in der Weiterstädter Straße von Konfirmanden und vom Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur gereinigt.
BÜTTELBORN. Ein Zeichen gegen das Vergessen setzten der Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau und die Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Büttelborn am Dienstagnachmittag. Sie reinigten die Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Familie Hirsch in der Weiterstädter Straße 12 und gedachten der vertriebenen Mitbürger.
„In Büttelborn und Klein-Gerau haben wir im vergangenen Oktober die letzten Stolpersteine verlegt, in Worfelden werden wir voraussichtlich im kommenden Oktober vor den letzten beiden Häusern die noch fehlenden Stolpersteine verlegen“, erklärte Ulrich Trumpold vom Förderverein.
29 Stolpersteine wurden seit 2009 in der Gemeinde verlegt, so auch vor dem ehemaligen Haus der Familie Leopold und Johanna Hirsch. Während ihren Kindern Ferdinand, Ludwig und Elsie die Flucht in die USA gelang, wurden die Eltern nach Theresienstadt deportiert und in Auschwitz ermordet.
„Wir haben uns bewusst dieses Haus als erstes für die Stolpersteinverlegung und -reinigung ausgesucht, da wir über diese Familie gut informiert sind“, erklärte Trumpold. In einem Brief an ihre Freundin Erika Bopp hatte Elsie Levy (geborene Hirsch) von ihrer Jugend in Büttelborn und der Flucht in die USA berichtet. Diesen Brief verlasen die Konfirmanden bei der Stolpersteinreinigung und erinnerten so an die damaligen Ereignisse. Sie befassten sich mit Pfarrer Burkhard Lusky mit der Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bürger und erkannten dabei, dass Ereignisse wie diese damals auch vor ihrem heutigen Lebensmittelpunkt nicht Halt machten.
„Elsie Levy lebt in St. Louis und ist 102 Jahre alt“, berichtete Ulrich Trumpold. Zur Stolpersteinverlegung 2011 sei ihr Enkel Mike mit seiner Familie gekommen. Am wichtigsten sei ihnen damals gewesen, dass sich mit dem damaligen Bürgermeister Horst Gölzenleuchter ein Repräsentant der Gemeinde offiziell entschuldigt hat. Trumpold: „Wichtig ist es, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, denn Gedenken hält die Erinnerungen wach.“
Dank der Unterstützung von Paten wurden seit 2009 für 29 ehemalige jüdische Mitbürger Stolpersteine verlegt. „Damit ist das Gedenken aber sicher nicht beendet, vielmehr geht es auch darum uns zu erinnern, damit so etwas nie wieder passieren kann“, sagte Bürgermeister Andreas Rotzinger in seiner Ansprache. Anschließend machte sich Ulrich Trumpold mit den Stolperstein-Paten und Konfirmanden an die Reinigung der Gedenksteine. Danach wurden die Steine noch mit weißen Rosen geschmückt.