Odyssee eines Ziegenbocks

Einen ungewöhnlichen Hilferuf ereilte am Samstagabend das Ehepaar Katja und Dennis Hartmann aus Brandau. Die Polizei bat die Inhaber des Hofladens, einem Ziegenbock...

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BRANDAU/WEITERSTADT. Einen ungewöhnlichen Hilferuf ereilte am Samstagabend das Ehepaar Katja und Dennis Hartmann aus Brandau. Die Polizei bat die Inhaber des Hofladens, einem Ziegenbock Unterschlupf zu gewähren. „Bitte nehmen Sie ihn bei sich auf, wir können ihn ja nicht mit auf die Polizeistation nehmen“, soll ein Beamter gesagt haben.

Die Brandauer machten sich auf den Weg ins Gewerbegebiet im benachbarten Beedenkirchen, wo der Ziegenbock plötzlich in einer Werkstatt aufgetaucht war. Dort konnte er schließlich nicht bleiben, also fuhren Hartmanns den Walliser Ziegenbock – vorne schwarz, hinten weiß – auf den eigenen Hof und stellten ihn zu den Artgenossen.

Der Zustand des Tiers sei wenig erfreulich gewesen. „Er war verfilzt und hatte sehr lange Klauen, die wir erstmal geschnitten haben“, sagt Katja Hartmann. Zudem konnte sich der Ziegenbock bei Wasser und Heu auf der Wiese in Brandau stärken.

Doch wem gehört der Ziegenbock? Und wie kam er in die Werkstatt in Beedenkirchen? Die Polizei wusste keinen Rat. Verschiedene Anrufe bei Landwirten im Lautertal und Umgebung sowie bei Ziegenhaltern hatten keine Erkenntnisse eingebracht. Dennis Hartmann startete einen Aufruf via Facebook. Unter dem Titel „Polizei vermittelt uns herrenlos umherirrenden Ziegenbock“ wurde gebeten, sich zu melden, wer Informationen zur Herkunft des Tiers hatte. Außerdem stellte er Fotos hinzu.

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Und tatsächlich hatte der Aufruf Erfolg. Karl-Heinz Keller, Leiter der Keller-Ranch in Weiterstadt, meldete sich bei den Hartmanns. Er hatte den Ziegenbock wiedererkannt. „Das ist doch unser Max, der 2016 zu uns gekommen war“, sagte Keller. Das Tier sei zwölf oder dreizehn Jahre alt und einst im Zirkus aufgetreten, bevor es in Weiterstadt unterkam.

Über die Odyssee der Walliser Schwarzhalsziege, die zu den ältesten Hausziegenrassen der Welt gehört, ist laut Keller bisher Folgendes bekannt: Die Keller-Ranch vermittelte Max, der einen Chip zur Identifizierung trägt, im vergangenen Jahr an einen Tierhalter ins pfälzische Kirchheimbolanden. Es sei ein Schutzvertrag geschlossen worden, wonach der Ziegenbock nicht weiterverkauft werden dürfe, lediglich zurückgegeben werden könne an die Keller-Ranch.

„Vergangenen Freitag ist Max aber in Allertshofen bei einer anderen Person gelandet“, schildert Karl-Heinz Keller. Ob dies auf legalem Weg geschah, weil der Ziegenbock dort zu Pflegearbeiten an Brombeerhecken eingesetzt wurde, oder ob er vielmehr auf illegalem Weg verkauft wurde, müsse noch geklärt werden. „Auf jeden Fall hatte der Ziegenbock keinen Bock mehr und ist abgehauen.“ Sein Weg führte ihn nach Beedenkirchen.

Veterinäramt will Zustand erfassen

Das Veterinäramt Darmstadt-Dieburg gab das Einverständnis an die Hartmanns, den Ziegenbock wieder an Karl-Heinz Keller zu übergeben. Seit Mittwochvormittag stapft Max wieder über die Keller-Ranch, nachdem er ausgiebig gebürstet wurde.

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Nach Angaben von Andreas Schweigmann vom Veterinäramt Darmstadt-Dieburg wird das Tier am heutigen Donnerstag in Augenschein genommen. Dabei soll der Zustand des Ziegenbocks erfasst und anschließend das Veterinäramt im Donnersbergkreis informiert werden, wo Max ja eigentlich in Kirchheimbolanden noch immer leben sollte.

Von Matthias Voigt