Einblicke in die Online-Welt

Moritz Becker referiert in Gräfenhausen über soziale Netzwerke bei Grundschülern. Foto: Marc Wickel

Beim Vortragsabend „Kinder, Smartphones & Medien“ in Gräfenhausen gibt es Tipps für Eltern. Es gibt aber keine Richtlinien, ab wann ein Kind reif für ein Smartphone ist.

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GRÄFENHAUSEN. „Was ist noch normal, wo ist die Grenze?“, war eine Frage einer Mutter, die am Mittwoch ins Gräfenhäuser Bürgerzentrum zur Veranstaltung „Kinder, Smartphones & Medien“ gekommen war. „Ich erwarte mir ein paar Tipps, wie ich meinem Kind Grenzen setzten kann“, sagte eine andere.

„Medien sind ein Thema, das uns seit Jahren begleitet“, erklärte Robert Kagerbauer, Elternbeirat an der Schlossschule Gräfenhausen. Daher habe man zusammen mit dem Schulförderverein und dem Medienzentrum des Landkreises die Medienexperten Peter Holnik aus Darmstadt und Moritz Becker aus Hannover eingeladen.

„Medien prägen den Umgang untereinander“, sagte Peter Holnik und zeigte Fotos der Showmaster Rudi Carell und Hans Rosenthal. „Später waren das Dieter Bohlen und Stefan Raab“, so Holnik und inzwischen seien es YouTube-Stars wie DominoKati aus Ober-Ramstadt. Auch wenn man das mit den YouTubern nicht nachvollziehen könne, sollte man das Gespräch suchen, betonte Peter Holnik. „Mein Vater hat immer gefragt, was guckst du für einen Mist?“, schilderte er. „So entsteht aber keine gemeinsame Ebene. Versuchen Sie eine Intuition für ihr Kind zu finden.“ Eltern sollten auch Medienkompetenz vermitteln, um Sendungen wie DSDS oder „Germanys next Topmodel“ einschätzen zu können. „Wenn irgendwo eine Kamera angeht, dann gibt es auch ein Drehbuch“, nannte Peter Holnik einen Punkt, den man sich und den Kindern klar machen müsse. „Besprechen Sie mit den Kindern die Inszenierung in den Medien.“ Einen Tipp, wann ein Kind ein Smartphone bekommen sollte, gab der Medienexperte nicht. „Sie müssen selbst einschätzen, wie fit ihr Kind ist“, sagte er.

Allerdings sollte es ein Gerät wie ein Smartphone nicht im Vorübergehen geben, sondern schrittweise die Kompetenzen dafür vermittelt werden. „Luke Skywalker bekommt sein Lichtschwert ja auch nicht mit den Worten ‚Mach’ keinen Mist und viel Spaß damit‘.“

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Auch Moritz Becker im zweiten Teil des Abends warb dafür, Kinder schrittweise ans Smartphone heranzuführen. So wie man es mit dem Straßenverkehr auch mache. „Niemand würde sagen, Du darfst erst Fahrrad fahren, wenn Du 16 bist“, sagte er. „Reihen Sie die Onlinewelt ein in andere gefährliche Dinge wie zum Beispiel Messer.“ Bei der Jugend von heute gehe es um Aufmerksamkeit, Freiheit und Anerkennung für sich und Identitätsentwicklung, sagte Becker. Zudem sind Jugendliche neugierig und unbekümmert, Nur sei das nichts Neues, erinnerte der Sozialpädagoge. Das hätten auch schon die Jugendlichen vor 20 oder 40 Jahren gewollt. Auch einige Phänomene der Onlinewelt seien alt. Geht es heute um „Likes“ bei den Sozialen Netzwerken, ging es früher um die meisten Lacher. „Es ging auch damals nicht um den Witz, sondern um den, der ihn erzählt“, erklärte Moritz Becker.

„Was uns Menschen antreibt ist das Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung oder wenigstens wahrgenommen zu werden“, erklärte der Sozialpädagoge. „Schreibe ich von vorneherein etwas grenzverletzendes, ist die Aufmerksamkeit garantiert“, beschrieb er den schnellen Weg zur Wahrnehmung durch andere. „Vielleicht wird man so auch US-Präsident?“, überlegt er mit einem Augenzwinkern. Postings, die einem Liebe oder Anerkennung bringen, seien schwieriger zu formulieren.

Aber auch bei der Medienpädagogik gebe es einen Wandel, räumte Moritz Becker humorvoll ein: „Ich erzähle Ihnen heute zu 50 Prozent Unsinn, aber ich weiß nicht, welche 50 Prozent es sind.“