Ober-Beerbach hat jetzt eine Ortsmitte

Die Ortsmitte in Ober-Beerbach heißt nun „Alte Bürgermeisterei“. Eine Granitstele zeigt dies an – und ist Wegweiser und Schautafel zugleich. Foto: Karl-Heinz Bärtl   Foto: Karl-Heinz Bärtl

Von bewundernden Lauten der Besucher begleitet hat Ober-Beerbachs Ortsvorsteher Christoph Massoth (CDU) am Mittwochabend das neue Schmuckstück am historischen Ortsmittelpunkt...

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OBER-BEERBACH. Von bewundernden Lauten der Besucher begleitet hat Ober-Beerbachs Ortsvorsteher Christoph Massoth (CDU) am Mittwochabend das neue Schmuckstück am historischen Ortsmittelpunkt enthüllt. „Alte Bürgermeisterei“ steht auf der dreiteiligen Granit-Stele. Das ist der Name, den der Ortsbeirat aus Vorschlägen der Bürgerschaft für den bisherigen „Dorfplatz“ ausgewählt hat. Beigesteuert haben das Hinweis- und Erinnerungsdenkmal Walter Heß und seine Helfer vom Verschönerungsverein. Der Verein feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag und hat sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen.

Die Stele erfüllt mehrere Funktionen auf einmal: An ihr sind Wegweiser zu wichtigen Wegen und Rastplätzen angebracht, etwa zum Sauteich oder zum Baum-des-Jahres-Weg. Außerdem zeigen alte Fotos, wie der Platz 1982 noch ausgesehen hat, bevor charakteristische Gebäude des alten Dorfmittelpunkts abgerissen wurden. Das erste Foto zeigt das Gemeindehaus, wo früher die Wohnung des Försters untergebracht war. Die zweite Abbildung erinnert an das Ensemble von Milchküche, altem Rathaus, neuem Rathaus und Feuerwehr. Und das dritte zeigt noch einmal das 1780 errichtete alte Rathaus aus anderer Perspektive.

„Kosten durfte es nichts“, erinnert sich Walter Heß, Steinmetz und zweiter Vorsitzender des Verschönerungsvereins, an die ersten Überlegungen, wie man die Stele gestalten könnte. Aber schmuck aussehen sollte sie trotzdem – und aus Naturstein gearbeitet sein. Also legte Heß alte Steine beiseite, die beim Abräumen von Gräbern angefallen waren. Und achtete darauf, dass die verschiedenen Granitarten eine zusätzliche Erinnerungsfunktion erfüllen.

Granit aus dem Odenwald für ganz Deutschland

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„Das sind alles Steine aus dem Odenwald, der früher ein Granitstein-Zentrum für ganz Deutschland war.“ Noch bis 1960 sei Herchenröder Granit weithin bekannt gewesen, genauso wie die beiden anderen Steinarten aus Groß-Bieberau und der Nähe von Brandau. Noch weitere Bilder waren bei der Einweihung zu sehen. Sie stammen aus dem Besitz des Verschönerungsvereins, der damit auch schon eine Ausstellung zur Geschichte des Dorfes gestaltet hatte. Etwa das Foto mit den Fußballern, die bei einem Umzug in den 1950er Jahren durchs Dorf liefen. Einer, der damals für die erste Mannschaft gekickt hatte, war auch bei der Einweihung dabei. Und freute sich, auf welches Interesse das historische Foto stieß, das allerdings nicht dauerhaft zu sehen ist.

Klaus Brunner, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, ging in seiner Ansprache darauf ein, warum die historischen Gebäude überhaupt abgerissen wurden. Genau über den Dorfplatz sollte nämlich die Umgehungsstraße führen, die man in den 1970er Jahren geplant hatte. Daraus wurde aufgrund von Anwohnerprotesten nichts. Aber der einstige Dorfmittelpunkt war trotzdem weg. Er gehörte erst der Verkehrsbehörde und wurde schließlich von der Gemeinde zurückgekauft. Ihn bekannter zu machen, ist das Ziel der Verschönerung durch den nachts beleuchteten Wegweiser. Zudem hält er Erinnerungen wach. „An der Milchküche haben früher die Bauern der Umgebung die neuesten Nachrichten ausgetauscht“, erzählt Walter Heß. Das sei ein wichtiger Treffpunkt gewesen.

Von Peter Gutting