Im Dienst der Vergangenheit

Der Hobby-Historiker Karl Listner engagiert sich insbesondere für den Erhalt der Burgruine Tannenberg.Foto: Karl-Heinz Bärtl  Foto: Karl-Heinz Bärtl

Ein Experte für die Geschichte Seeheim-Jugenheims und der dortigen Schlösser ist Professor Karl Listner. Er wurde jetzt 80 Jahre alt und ist noch immer beruflich in seinem...

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SEEHEIM-JUGENHEIM. Ein Experte für die Geschichte Seeheim-Jugenheims und der dortigen Schlösser ist Professor Karl Listner. Er wurde jetzt 80 Jahre alt und ist noch immer beruflich in seinem Hobby aktiv.

Mit seiner Familie kam der Bauingenieur 1971 nach dem Studium in Darmstadt nach Seeheim-Jugenheim. Schon kurze Zeit später trat er dem Heimat- und Verkehrsverein HVV Seeheim bei. „Damit legte ich den Grundstein für meine Entwicklung zum Hobby-Historiker“, berichtet er. Er war von Anfang an dabei, als sich der Verein ab 1972 dafür einsetzte, die weitgehend verfallene und überwucherte Burgruine Tannenberg zu erhalten.

Nach der Freilegung wurden die Mauern gesichert

„Damals war von der Burg nichts erkennbar, nur das Relikt des Bergfrieds“, erinnert sich Listner an die ersten Arbeiten im Herbst 1972, bei denen die Reste der Ruine erst einmal von dem Bewuchs freigelegt wurden, der sich hier seit den ersten Ausgrabungen um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Großherzog Ludwig III. breit gemacht hatte. „Der Großherzog war so angetan von den damaligen Funden, dass er sogar vom „Pompeij der Bergstraße“ gesprochen haben soll“, sagt Listner.

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Er hat inzwischen mit seinem Buch „Amtssitz – Räubernest – Ausflugsziel – 800 Jahre Burg Tannenberg in Seeheim -Jugenheim“ Bilanz der Arbeiten gezogen, durch die die Burg mit der wechselvollen Geschichte wieder zu einem häufig besuchten Ausflugsziel geworden ist. Dabei sind Listner und die manchmal bis zu 70 Helfer auf Interessantes und auch Neues gestoßen, etwa auf den Grundriss einer Turmburg, die offenbar der Ausgangspunkt für die Burganlage wurde.

„Die Arbeit an der Ruine führte sowohl für Alteingesessene als auch für Neubürger zu einer neuen Identifikation mit ihrer Gemeinde“, sagt Listner, der lange vor allem als Maurer in der Ruine arbeitete. Danach verlegte er sich stärker auf die museale Arbeit und baute mit Gleichgesinnten das heutige Museum im Seeheimer historischen Rathaus auf, das Funde aus der Arbeit auf der Ruine Tannenberg ausstellt und den Alltag in der Burg beleuchtet.

Die Recherche zum Seeheimer Schloss wurde zu einem neuen Thema, dem sich Listner mit großem Engagement widmet. Auch dazu hat er ein Buch geschrieben und mit dem Museumsverein Seeheim-Jugenheim herausgegeben. Darin stellt er den Werdegang der Anlage von Pistorschen Hofgut bis zum denkmalgerechten Wiederaufbau nach dem fortschreitenden Verfall dar.

Neben diesen und anderen schriftlichen Arbeiten zu historischen Themen in Seeheim-Jugenheim hat Karl Listner auch Ausstellungen zur Ortsgeschichte veranstaltet, bietet Schlossparkführungen in Seeheim an und hat an der Textgestaltung von Informationstafeln des Geoparks Odenwald-Bergstraße zum Seeheimer Schloss mitgearbeitet, die voraussichtlich zum Jahresende aufgestellt werden.