Am Dollacker spielt die Gemeinde auf Zeit

Um dieses Gelände am Dollacker in Malchen dreht sich der Streit. Dort darf zwar gebaut werden, doch wollen Gemeindevertetung und Anwohner den Umfang der Bebauung   möglichst gering halten.  Archivfoto: André Hirtz  Foto:

Die Anwohner im Süden von Malchen sind besorgt. Sie befürchten, dass der Blütenhang südlich des Seeheim-Jugenheimer Ortsteils weiter bebaut wird. „Das ist das letzte...

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MALCHEN. Die Anwohner im Süden von Malchen sind besorgt. Sie befürchten, dass der Blütenhang südlich des Seeheim-Jugenheimer Ortsteils weiter bebaut wird. „Das ist das letzte Stück Bergstraße“, sagt Kolja Hosch. Zusammen mit anderen Malchern hat er Unterschriften gesammelt, um die Lebensqualität zu sichern. Grund für die Bedenken ist die geplante Bebauung in der Straße „Am Dollacker“.

Gebaut werden darf dort. Das hat im vergangenen Jahr der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel entschieden. Demnach darf ein dort liegendes Grundstück bebaut werden. Die Gemeinde hatte auf juristischem Weg versucht, dies zu verhindern, war aber gescheitert. Wenn eine Bebauung nun mal nicht zu verhindern ist, sollten so wenige Häuser wie möglich gebaut werden, lautete im September 2016 die einhellige Aussage der Fraktionen.

In welchem Umfang Häuser errichtet werden dürfen, soll im begonnenen Bebauungsplanverfahren festgelegt werden. Dazu soll es eine sogenannte Veränderungssperre für das Gebiet rund um den Dollacker geben. Diese soll den Status quo festschreiben und so eine weitere Bebauung verhindern, die nicht im Sinne der Gemeinde wäre. „Diese Veränderungssperre ist noch nicht veröffentlicht“, sagt Anwohner Hosch. Er und seine Mitstreiter fürchten nun, dass Fakten in Form von Baugenehmigungen für das Gebiet geschaffen werden.

„Es wird derzeit keine Baugenehmigungen geben“, versichert die Leiterin des Seeheim-Jugenheimer Bauamts, Marion Sund. Es sei Absicht, dass die Veränderungssperre noch nicht beschlossen worden ist. Die Gemeinde spielt damit auf Zeit.

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Sollte es einen Bauantrag geben, werde dieser auf jeden Fall zurückgestellt, erläutert Marion Sund das Verfahren. Bis zu einem Jahr habe die Gemeinde dann Zeit, um eine Sperre zu beschließen. Die Folge: Rückwirkend ab dem Eingang des Bauantrags kann zwei Jahre nicht gebaut werden. Das wäre der Zeitraum, in dem die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen und damit ihre Wünsche festschreiben könnte.

Erlässt die Gemeindevertretung aber eine Sperre noch bevor ein Antrag vorliegt, beginnt bereits mit deren öffentlicher Bekanntmachung die Zwei-Jahres-Frist. Da derzeit aber noch kein Bauantrag eingereicht worden ist, könnte die erste Variante der Gemeinde somit mehr Zeit für einen Bebauungsplan geben. Sund sieht darin deshalb einen Vorteil. Gleichwohl ist jetzt vorgesehen, dass die Gemeindevertretung im Juni über die Veränderungssperre entscheidet.

Kolja Hosch bleibt skeptisch. Er und seine Mitstreiter wollen sich nicht nur auf die Sperre verlassen. Sie haben klare Forderungen an das Bebauungsplanverfahren. Dabei geht es um den Verkehr und den Naturschutz.

In einem Schreiben an Bürgermeister Olaf Kühn (parteilos) verweisen die 60 Anwohner, die sich an der Unterschriftenaktion beteiligt haben, auf ein Verkehrsgutachten von 1995. Demnach ist die Verkehrsbelastung bereits ohne zusätzliche Bebauung kritisch, zumal es keine Randstreifen neben der Straße gibt. „Bitte stellen Sie sicher, dass das Verkehrsgutachten bei dem zu erstellenden Bebauungsplan vollständige Beachtung findet“, heißt in einem Schreiben an den Verwaltungschef. Dabei müsse geprüft werden, ob eine weitere Bebauung überhaupt rechtlich zulässig sei, sagt Kolja Hosch.

Den Anwohnern geht es aber auch um die Natur. Im Dollacker würden unter Naturschutz stehende Arten vermutet, sagen sie und nennen unter anderem Schlingnatter, Wendehals und Osterluzei. Deren Fortbestand sehen die Unterstützer der Initiative gefährdet. Sie fordern deshalb vor Beginn des Planverfahrens „eine umfangreiche gutachterliche Überprüfung für Umwelt und Naturschutz“.

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Von Wolfgang Görg