Ärger um die Rückegassen

Eine Holztafel, die anonym am Waldrand bei Steigerts aufgestellt worden ist, soll an die Baumfällungen erinnern.Foto: Karl-Heinz Bärtl  Foto: Karl-Heinz Bärtl

Eine Gedenktafel steht an einem Baumstumpf am Waldrand von Steigerts. Sie soll Mahnung sein dafür, dass dort vor einiger Zeit Bäume gefällt wurden. Unter anderem mit der...

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STEIGERTS. Eine Gedenktafel steht an einem Baumstumpf am Waldrand von Steigerts. Sie soll Mahnung sein dafür, dass dort vor einiger Zeit Bäume gefällt wurden. Unter anderem mit der Verkehrssicherheit begründet das Forstamt Darmstadt die Maßnahme. „Es sieht furchtbar aus“, beschreibt Yvonne Albe die Situation. Der Wald als Erholungsort sei schwer geschädigt. Nicht nur die Menge der gefällten Bäume, vor allem die Folgen beklagt eine Bürgerinitiative um Yvonne Albe.

Bei dem Streit geht es vor allem um die sogenannten Rückegassen. Es sind die Wege, über die schwere Maschinen die gefällten Bäume zum Abtransport auf die befestigten Waldwege schleppen. Ob diese im Wald bei Steigerts richtig angeordnet sind, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Entlang des Waldwegs biegen links und rechts die Rückegassen ab. Die Fahrspuren sind tief, weil der Boden während der Arbeiten sehr nass war und sich die Räder der traktorähnlichen Harvester dort eingegraben haben. „Die liegen zu dicht beieinander“, lautet die Hauptkritik der Waldschützer. Für die Rückegassen gibt es Vorgaben. „Der Forstbetrieb strebt einen Rückegassenabstand von 40 Meter an“, heißt es in den Richtlinien des Forest Stewardchip Council (FSC), das das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft betreibt und es weiterentwickelt. „Ein Abstand unter 20 Meter ist nicht zulässig“, sagt Yvonne Albe unter Verweis auf das Regelwerk.

Die Rückegassen, die das Waldstück durchziehen, halten nach Messungen von Yvonne Albe diese Werte nicht immer ein. „Das sind vielleicht zwölf Meter“, sagt sie und zeigt auf zwei Fahrspuren, die vergleichsweise dicht bei einander liegen.

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Dagegen bezeichnet Forstamtsleiter Hartmut Müller die Kritikpunkte als „nicht zutreffend“. Sicherlich sollten die Abstände nicht geringer sein als 20 Meter, Ausnahmen gebe es nur, wenn die Topografie dies nicht zuließe. Das lässt die Umweltschützerin für das Gebiet am Steigerts ebenso wenig gelten wie für die Waldfläche westlich des Schuldorfes, wo ebenfalls Bäume gefällt worden sind. Das seien nahezu ebene Flächen, sagt Albe. Gleichwohl weist Müller die Kritik zurück.

Regeln für das Anlegen von Rückegassen gibt es deshalb, weil diese Wege durchaus ein Eingriff in den Wald sind. Die Verdichtung, die durch den Einsatz von schwerem Gerät erfolgt, sei ein „Wuchshemmnis“, räumt der stellvertretende Forstamtsleiter Hilmar Branz ein. Es wachse dort zwar wieder Grün, aber keine Bäume mehr. Der Boden werde nicht mehr belüftet, es sei eine andauernde Schädigung auf Jahrzehnte hinaus, kritisiert Yvonne Albe.

Nicht nur die Rückegassen stehen in der Kritik, auch der Umfang der Fällungen. Die begründet Müller mit der Verkehrssicherheit. Entlang des von Waldbesuchern viel genutzten Weges habe es mehrere Bäume mit „erheblichen Schadmerkmalen“ gegeben, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Forstamt und Revierförster. Die für die Verkehrssicherheit notwendigen Maßnahmen seien mit der ohnehin geplanten Holzernte verbunden worden.

Eine Einigung zwischen Forstamt und Naturschützern erscheint nicht möglich. Ein kürzlich veranstaltetes Audit von FSC soll klären, ob das Forstamt unter anderem im Wald von Steigerts nach Richtlinien der Organisation gearbeitet hat. Nur dann darf das Holz aus den Wäldern, die das Forstamt betreut, das FSC-Zertifikat für nachhaltige Forstwirtschaft erhalten.

Das Ergebnis soll nach Angaben von Hartmut Müller in den nächsten Wochen vorliegen. So lange will auch Bürgermeister Alexander Kreissl (CDU) mit einer Einschätzung warten.

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Von Wolfgang Görg