Landkreis Darmstadt-Dieburg: Blick in die Glaskugel

Michel de Nostredame, besser bekannt als Nostradamus, war ein französischer Apotheker und arbeitete als Arzt und Astrologe. Als Vorhersager ist er bis heute bekannt – auch wenn er wenig erfolgreich war. Foto: pict rider/stock.adobe.com

Bayern München steigt ab, Europa wird zur Insel: Skeptiker aus Roßdorf prüfen Weissagungen für 2019.

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ROSSDORF. Stellen Sie sich vor, Sie könnten voraussagen, wer am Ende der Fußball-Bundesligasaison auf Platz eins steht und Deutscher Meister wird. Jetzt werden Sie sagen: Das war ja einfach in den vergangenen Jahren, die Bayern stehen doch immer oben. Doch was über viele Jahre hinweg – in diesem Falle siebenmal in Folge – zählt, muss nicht auch im nächsten Jahr gültig sein.

Schwieriger wird es bei den Absteigern. Doch Martin Wagner, der von sich glaubt, er habe eine prophetische Gabe, sagte vor der Saison 2018/19, er könne voraussagen, wer in der künftigen Saison den Gang in die zweite Liga antreten müsse. Keine einfache Angelegenheit. Und er nannte: den FC Bayern München. Und Borussia Dortmund. Ausgerechnet jene Vereine, die am Ende auf den Plätzen eins und zwei landeten. Was zeigt: Selbsternannte Wahrsager oder Hellseher kann man ziemlich leicht als solche entlarven. Wenn das prognostizierte Ereignis erst einmal eingetreten ist. Und man per Abgleich mit der Weissagung feststellt: Das war wohl nichts. Übrigens weissagte Wagner, Meister werde der VfB Stuttgart. Und ausgerechnet der – stieg auch noch in die zweite Bundesliga ab.

„Mit solchen Prognosen wird wenigstens keine Angst unter Leichtgläubigen geschürt“, sagt Michael Kunkel, 59 Jahre alt. Er ist Mathematiker und Mitglied von GWUP. Dahinter verbirgt sich die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, die ihren Sitz in Roßdorf hat. Am Ende jedes Jahres, und das nun auch schon zum 19. Mal, setzt sich Kunkel mit den Prognosen und Vorhersagen für die vergangenen zwölf Monate auseinander und prüft, welche Kuriositäten diesmal nicht in Erscheinung getreten sind. So auch in 2019.

Beliebt sind seit jeher Untergangsszenarien. So sagte Rose Stern, selbsternannte Nostradamus-Deuterin, voraus, innerhalb weniger Tage werde der magnetische Nordpol um 5000 Kilometer zur Seite springen. Dadurch werde die Erdachse verschoben und der europäische Kontinent in ein Inselarchipel zerbrechen. Ob es stimmt? Glücklicherweise nicht. Denn sie sagte den Beginn der Endzeit für Dezember 2019 voraus. Zumindest am 20. Dezember, als dieser Text entstand, liegen weder Griesheim noch Weiterstadt am Meer, und auch in Dieburg gibt es keine Strandbar.

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„2019 floppten auch realistischere Prognosen wie ein harter Brexit, das Ende von Facebook oder der Rücktritt der Bundesregierung im Frühjahr“, blickt Michael Kunkel zurück. Aber es gab auch völlig abstruse Vorhersagen. So zum Beispiel die Entdeckung eines Riesenaffens ähnlich King Kong oder ein Papagei, der ins Weiße Haus in Washington einbricht.

Was Michael Kunkel generell beobachtet hat: „Die Mehrzahl der Astrologen wagt sich dabei seltener auf das dünne Eis exakter Prognosen. Naturkatastrophen, Kriege oder sonstige gesellschaftliche Umwälzungen werden zwar erwähnt, aber der in der Regel verwendete Konjunktiv verwässert die sowieso schon vagen Aussagen zusätzlich.“

Fast schon ein wenig bedauernd stellt Michael Kunkel fest: „2019 gab es keine richtigen Highlights.“ Denn auch der ins Weiße Haus einbrechende Papagei erweist sich bei näherer Betrachtung als billiger Abklatsch einer Fehl-Prophezeiung aus dem Jahre 2018 – damals noch sollte das Tier eine Bank überfallen. Was Skeptiker Kunkel zur Frage führt: „Wie sollte er denn dann die Beute wegbringen?“

Zu guter Letzt haben wir Erdenbewohner auch den Klassiker unter den fehlgeleiteten Prophezeiungen überstanden: den Weltuntergang. Können Sie sich erinnern, was sie am 21. Januar 2019 gemacht haben? Nein? Macht nichts. Auf jeden Fall haben Sie ihn überlebt. Trotz Vorhersage von Pastor Peter Begley, dass die Welt an diesem Tag ihr Ende findet.

Von Matthias Voigt