Ober-Ramstadt: Anklage fordert Haftstrafen ohne Bewährung

Den vier Angeklagten im Alter von 21 bis 39 Jahren wird vorgeworfen, einen Mann in eine Hütte gelockt, gefesselt und verprügelt zu haben, um so 10 000 Euro von ihm zu fordern. Archivfoto: Marc Wickel

Im Prozess um erpresserischen Menschenraub mit gefährlicher Körperverletzung in Ober-Ramstadt sieht der Oberstaatsanwalt keinen minderschweren Fall.

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DARMSTADT/OBER-RAMSTADT/REINHEIM. Freiheitsstrafen ohne Bewährung hat am Dienstag Oberstaatsanwalt Jens Neubauer für alle vier Angeklagten im Darmstädter Landgerichtsprozess um den erpresserischen Menschenraub mit gefährlicher Körperverletzung in Ober-Ramstadt und Reinheim gefordert.

Die Männer waren zu sehr unterschiedlichen Teilen an den einzelnen Taten beteiligt. Der Oberstaatsanwalt sah in seinem Plädoyer den 37 Jahre alten Groß-Gerauer als den Haupttäter, der die Tat geplant und brutal durchgeführt habe. Auch wenn dieser durch Amphetamin enthemmt war, gestanden hatte und nach der Tat einen Täter-Opfer-Ausgleich mit 3000 Euro Schmerzensgeld gesucht hatte, forderte der Oberstaatsanwalt sechs Jahre und zwei Monate Haft.

Für den 22 Jahre alten Angeklagten aus Reinheim forderte der Anklagevertreter fünf Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe. Auch da sah Neubauer trotz Täter-Opfer-Ausgleich mit 4000 Euro Schmerzensgeld – anderes als Verteidiger Manfred Döring – keinen minderschweren Fall. Beide Angeklagte hätten Schulden – 2500 und 3500 Euro – beim 24 Jahre alten Geschädigten aus Mühltal eintreiben wollen, erklärte Neubauer. Um das zu erreichen, hätten sie ihn nach Ober-Ramstadt gelockt und dann in eine Hütte nach Georgenhausen verschleppt, wo sie dem jungen Mann brennende Zigaretten im Gesicht ausdrückten, ihn schlugen, mit einer Schreckschusspistole bedrohten und ihm drohten, ihm mit einer Gartenschere den Finger abzuschneiden, so der Oberstaatsanwalt.

Eineinhalb Jahre ohne Bewährung wegen Beihilfe zur Körperverletzung forderte der Ankläger für den 39 Jahre alten Bensheimer. Der hatte gestanden, den Geschädigten im Auftrag des Groß-Gerauers nach Ober-Ramstadt geholt zu haben, wo ihn dann die Hauptangeklagten und der vierte Angeklagte in ein Auto brachten und entführten – weswegen Jens Neubauer für den vierten Angeklagten, einem 32 Jahre alten Riedstädter, wegen Beihilfe zur Entführung zweieinhalb Jahre Haft fordert.

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Jennifer Pia Gehrke, Verteidigerin des Groß-Gerauers, sah wegen des Täter-Opfer-Ausgleichs einen minderschweren Fall und plädierte auf zwei Jahre und acht Monate. Die anderen Anwälte plädierten auf Strafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, jeweils auf Bewährung.