Pfungstädter Brauerei: Investor weist Kritik zurück

Auf dem Brauereigelände in Pfungstadt will ein Investor innerhalb weniger Jahren ein Wohnquartier entwickeln. Foto: Torsten Boor

In einem Schreiben an Pfungstadts Fraktionsvorsitzende bekennt sich Uwe Dieter Krück zu dem Vorhaben

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PFUNGSTADT. Es ist ein Bekenntnis zu den Brauereiplänen in Pfungstadt: Der designierte Investor Uwe Dieter Krück hat in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzendem der Pfungstädter Stadtverordnetenversammlung sein Interesse an dem Umzug und dem Neubau des Traditionsunternehmens bekräftigt und Kritik an seiner Person zurückgewiesen.

„Ich stehe weiterhin unverändert und voll und ganz zu meinem Angebot, die Pfungstädter Brauerei von den aktuellen Familiengesellschaften zu übernehmen und dauerhaft fortzusetzen“, heißt es zu Beginn des Papiers. Die drei Seiten, die der Redaktion vorliegen, hatte Bürgermeister Patrick Koch (SPD) am vergangenen Montag den Fraktionschefs während eines nicht öffentlichen Treffens ausgehändigt – unmittelbar bevor die Stadtverordnetenversammlung zusammentrat, um das Eckpunktepapier zur Brauereiumsiedlung zu beschließen. Die Stellungnahme trägt das Datum vom 14. Dezember, sie hat keinen Briefkopf und keine handschriftliche Unterschrift.

Wie Bürgermeister Koch und Brauerei-Geschäftsführer Stefan Seibold verweist Krück darauf, dass nur durch Übernahme und Umzug „dauerhaft der Weiterbetrieb der Pfungstädter Brauerei für die Zukunft gesichert werden“ könne. Auch er nennt das Grundstück des stillgelegten Schwimmbads im Süden der Stadt als alternativlos. „Das große städtebauliche Projekt“ (Krück) sieht vor, dass der Investor die wirtschaftlich angeschlagene Brauerei kauft und ein neues Brauhaus auf einem Grundstück im Süden Pfungstadts baut, das er von der Stadt erwirbt. Das Brauereigelände in der Innenstadt will er zu einem Wohnquartier entwickeln.

Daran hält er fest. Gleichwohl gibt es mit Blick auf die Bonität des Investors auch in der Stadtverordnetenversammlung Vorbehalte. Deshalb hat sie dem Eckpunktepapier nur zugestimmt, weil es eine Reihe von Bedingungen beinhaltet. Mit ihnen sollen der Verkauf des Badareals und der Brauereineubau abgesichert werden.

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Damit hat Krück nach eigenen Ausführungen kein Problem. In den Verträgen „werden selbstverständlich anwaltlich geprüft belastbare vertragliche Absicherungen erfolgen“, heißt es in dem Papier. Gleiches soll für die Verträge mit der Brauerei gelten. Das entspricht den Forderungen der Stadtverordneten. Die in den vergangenen Wochen aufgekommenen Bedenken weist Krück, der nach Bekanntwerden der Brauereipläne nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen ist, zurück und geht in dem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden auf die Vorwürfe und die Berichte über ein gescheitertes Immobilienprojekt ein. 2016 wollte Krück das MLP-Hochhaus in Heidelberg kaufen und in ein Apartmenthaus umbauen. Der Deal platzte, weil der Investor die vereinbarte Zahlung nicht leistete, sagt MLP nach einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ). Krücks Darstellung ist eine andere: Er habe von dem Vorhaben Abstand genommen, „nachdem eine mir nicht offengelegte Altlastensituation des Grundstücks offenbar geworden war“. Der Verkäufer habe die Entscheidung „anstandslos akzeptiert“. MLP dagegen prüfte aber eine Strafanzeige.

Die RNZ hatte zudem berichtet, dass Krück, der in Bad Homburg gemeldet ist, vor mehr als zwölf Jahren in Salzburg offenbar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, weil er Geld von Firmenkonten zur privaten Verwendung abgezweigt haben soll. Im Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden spricht er in diesem Zusammenhang von einem „Formfehler“, weil ein notwendiger Gewinnverwendungsbeschluss nicht rechtzeitig vorlag. Dabei sei niemandem ein Schaden entstanden. Eine Anwaltskanzlei hatte dem ECHO zudem von nicht gezahlten Honoraren berichtet. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt ist derzeit ein Verfahren wegen einen Immobiliengeschäft von 2016 in Heidelberg anhängig.

Krück geht selbst in die Offensive und schreibt von Anfeindungen und dem Versuch „alte Rechnungen zu begleichen und den Brauerei-Neubau am früheren Schwimmbad zu torpedieren“. Den Kritikern wirft er vor, selbst keine Vorschläge zum Fortbestand der Brauerei vorzulegen.

Von Wolfgang Görg