Pfungstädter Brauerei: Bedenken auch beim Bürgermeister

Stapelweise Fässer lagern auf dem Gelände der Pfungstädter Brauerei. Foto: Hans Dieter Erlenbach

"Was man hört, macht nicht unbedingt Mut", sagt Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch (SPD). Die Kritik am eigenen Vorgehen weist Koch zurück.

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PFUNGSTADT. Bei den Brauerei-Plänen des Investors Uwe Dieter Krück hat Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch (SPD) inzwischen offenbar auch Bedenken. „Das, was man an unterschiedlichen Ecken hört, macht nicht unbedingt Mut“, sagte der Rathauschef am Montag vor den Stadtverordneten. Dabei sollen diese Woche die Verhandlungen für den Kauf des städtischen Schwimmbadareals an Krück beginnen.

Für die Gespräche hat die Stadt die Wirtschaftskanzlei White & Case aus Frankfurt hinzugezogen. Damit sei die Kommune „auf Augenhöhe mit den Anwälten des Investors und könne gewährleisten, dass nichts schiefgeht. Wir wollen keine Gefahren eingehen“, erklärte Koch. Ziel sei, die im Eckpunktepapier enthaltenen Forderungen umzusetzen.

Die waren formuliert worden, nachdem – auch durch ECHO-Recherchen – Zweifel an der Seriosität des Investors aufgekommen waren. Am 13. Dezember hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass Krück unter anderem Wirtschaftlichkeitsnachweise vorlegen muss. Das Papier beinhaltet auch eine Ausstiegsklausel.

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Die Eckpunkte sollen umgesetzt werden. Es sei seine Aufgabe, die Maßgaben in einen Kaufvertrag münden zu lassen, sagte Koch. Da werde sich zeigen, „ob das alles so wahrhaftig ist, was der Herr sagt“, machte er klar. Unterdessen wartet Koch nach eigenen Angaben auf den Wirtschaftlichkeitsnachweis von Krück, die er bei ihm angefordert habe: „Da bin ich mal gespannt.“ Koch hat in der Diskussion um die Brauerei bislang die Krück-Pläne als einzige Lösung dargestellt, um die Brauerei zu erhalten.

Für neue Skepsis hat eine Mail gesorgt. Diese hat Stadtrat Horst Knell (UBP) an den Bürgermeister weitergeleitet. Darin beschreibt der Absender seine negativen Erfahrungen mit Krück. Der Bürgermeister nehme diese „Informationen und Bedenken sehr ernst und begleitet den Grundstücksverkauf weiterhin kritisch“, lässt Koch durch den städtischen Pressesprecher Florian Hagenbruch mitteilen.

Die Brauerei hat sich am Montagnachmittag erneut für Krück ausgesprochen: Er habe „das attraktivste Angebot unterbreitet“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Auswahl der Investoren, deren Angebote in die engere Wahl kamen, seien nach festgelegten Kriterien erfolgt, dabei hätten unter anderem Erhalt und Fortführung des Betriebs sowie Nachhaltigkeit und Kaufpreis im Mittelpunkt gestanden.

Krück will das Traditionsunternehmen kaufen und auf dem jetzigen Standort ein Wohnquartier entwickeln. Auf dem städtischen Schwimmbadareal will er ein neues Brauhaus errichten. Gerade der Standort sorgt für Kontroversen. Denn dort plante die Stadt ursprünglich, ein neues Schwimmbad zu bauen. Für das müsste ein anderes Grundstück gefunden werden. Vor allem die UBP lehnte deshalb den Verkauf an den Brauerei-Investor ab.

Auch der SPD wäre der Erhalt des Schwimmbadgrundstücks lieb. „Ich will es klar sagen: Wenn es einen Investor gibt, der am Bestandsstandort der Brauerei diese vollumfänglich erhalten möchte und es auch kann, dann ist das der beste Weg“, sagte Fraktionschef Swen Klingelhöfer. Für ihn wäre das ein Grund, bei dem Krück-Projekt von der Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen.

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Zumindest einen Interessenten, der die Brauerei in der Stadtmitte erhalten will, gibt es. Ein Würzburger Geschäftsmann hatte Mitte Dezember, wenige Tage vor dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für das Eckpunktepapier Kontakt mit Bürgermeister Koch. Der hatte die Stadtverordneten darüber nicht informiert. Wodurch er in die Kritik geraten ist.

Die ECHO-Berichterstattung kritisierte er am Montagabend. „Haltlose Behauptungen auch aus Kreisen der Stadtverordneten und des Magistrats, ich hätte bewusst entscheidungsrelevante Informationen zurückgehalten und verschwiegen, entbehren jeglicher Grundlage“, erklärte er. In einer Stellungnahme auf der städtischen Homepage hatte er darauf verwiesen, dass er die Offerte aus Würzburg „lediglich zur Kenntnis genommen und nicht weiter bewertet“ habe. Er könne die Wirtschaftlichkeit nicht prüfen.

Von Wolfgang Görg