Dickes Buch des Kleingewerbes

Heinz Büttel aus Pfungstadt hat ein Buch über die einstigen Geschäfte in der Kernstadt geschrieben.Foto: Guido Schiek  Foto: Guido Schiek

Einen dicken Wälzer hat der Pfungstädter Heinz Büttel verfasst. Auf gut 530 Seiten hat er einen Überblick erstellt über Firmen und Geschäfte in Pfungstadt zwischen 1890...

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PFUNGSTADT. Einen dicken Wälzer hat der Pfungstädter Heinz Büttel verfasst. Auf gut 530 Seiten hat er einen Überblick erstellt über Firmen und Geschäfte in Pfungstadt zwischen 1890 und heute und zeichnet damit die lokale Wirtschaftsgeschichte über mehr als 125 Jahre und ihren Wandel nach.

Heinz Büttel, ein gebürtiger Pfungstädter, der sich vor allem der Familiengeschichte verschrieben hat, kam auf das Thema durch die frühere Museumsleiterin Angelika Stieg, als diese in ihm 2011 einen Ansprechpartner für die Sonderausstellung „Alte Pfungstädter Firmen“ fand. „Aus anfangs zwei Seiten entstand über sechs Jahre in nahezu täglicher Arbeit nun mein Buch“, berichtet Büttel, der dazu noch ein Begleitheft zur Ansiedlung der Firmen und Geschäfte nach Straßen geordnet ediert hat.

Ausgewertet hat Heinz Büttel für diese Nachweise nicht nur Adressbücher, die er bereits für seine Forschung zu Pfungstädter Familien nutzte, sondern auch Gewerbebücher aus dem Stadtarchiv und den „Pfungstädter Anzeiger“ mit seinen Oster- und Weihnachtswünschen der örtlichen Betriebe für ihre Kunden unter den Lesern. Einige Betriebe kannte er aus eigener Erinnerung, andere hat er angesprochen. Auf das Jahr 1890 als Beginn seiner Aufzeichnungen kam er, weil er ab diesem Zeitpunkt auf Eintragungen zurückgreifen konnte. „In Pfungstadt waren es früher vor allem die Eberstädter Straße, die Pfarrgasse, die Borngasse und die Rheinstraße, in denen in fast jedem Haus ein Geschäft ansässig war“, erzählt er. Anderseits fand er bei seiner Recherche heraus, dass am Mühlberg viele Bauzulieferer ansässig waren. Eine Vielzahl von Firmen finden sich auch in der wechselvollen Geschichte des Muna-Gelände bei der neuen Bergstraße.

Erstaunlich sei es, wie viele Betriebe Kleingewerbe waren, in denen ausschließlich Zündhölzer, Milch, Handkäse oder Obst und Gemüse verkauft wurden. „Pfungstadt hatte eine derartige Fülle von Geschäften, dass sich seine Einwohner früher nahezu nur aus dem örtlichen Angebot mit den meisten Dingen versorgen konnten, die sie im Alltag benötigten“, sagt Büttel. Neben den Fakten enthält Büttels Buch auch viele alte und neuere Fotos oder Zeitungsannoncen. Sein Buch ist allerdings nicht nur ein historischer Überblick, sondern zeigt auch aktuelle Entwicklungen auf. So gibt es in Pfungstadt heute noch drei Bäckereien, von denen es früher einmal 23 gab. Eindrucksvoll ist auch die Zahl der Betriebe, die 2015 nach Auskunft der IHK bei 1639 lag.

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Heinz Büttel hat bei seiner Untersuchung die Ortsteile ausgespart und auch in Pfungstadt nicht alle örtlichen Gewerbe aufgenommen. So hat er Brauereien und Gaststätten ausgelassen, Ziegeleien Mühlen, landwirtschaftliche Betriebe und einige mehr. „Sie wurden oder werden schon in anderen Ausarbeitungen genannt“, stellt er dazu fest.