Der frühere Mühltaler Bauunternehmer und Seniorensportler...

Alfred Fischer ist seit Kurzem 90 Jahre alt.Foto: Guido Schiek  Foto: Guido Schiek

Die Zeit, die Alfred Fischer (90) die „härteste meines Lebens“ nennt, liegt viele Jahre hinter ihm. Gemeint sind nicht die internationalen Sportwettbewerbe in Japan,...

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MÜHLTAL. Die Zeit, die Alfred Fischer (90) die „härteste meines Lebens“ nennt, liegt viele Jahre hinter ihm. Gemeint sind nicht die internationalen Sportwettbewerbe in Japan, Australien oder Puerto Rico, durch die er sich im Dress des TSV Eschollbrücken-Eich bis ins Greisenalter gebissen hat. Die Aussage fällt, wenn Fischer erzählt, wie ihm der Krieg Jahre seiner Jugend stahl, er die russische Gefangenschaft überlebte und er als Kriegskind seinen Weg zielstrebig ging, dabei die nicht vergaß, denen es dreckig ging.

Es war oft turbulent im Leben des Alfred Fischer, der schon als überdurchschnittlich begabter Schüler ein Ingenieurstudium zum Vermessungstechniker begann und noch Russisch lernte, weil er für „Großdeutschland“ in der Ukraine gestohlenes Land vermessen sollte. Mit 17 musste er in den mörderischen Krieg ziehen, um an der Ostfront prompt in Gefangenschaft zu geraten. Hinter Stacheldraht habe er erfahren, „wie weh Hunger tun kann“.

Weil er Kyrillisch konnte, kam er in die Schreibstube. Später musste auch er unter Tage in die von den Deutschen gefluteten Stollen. „Das vergesse ich nie. Es hat mich geprägt“, sagt er nachdenklich.

Sein Vater, ein Rämschter, musste vor den Nazis ins Ausland fliehen, beide Brüder kehrten nicht aus den Krieg zurück. Als er heimkehrte, war er arbeitslos. Seine Mutter unterstützte ihn, so gut sie konnte. Während des Studiums in Mainz habe er sich kein Zimmer leisten können. Er zog sein Examen durch, und schon gleich danach berief ihn ein deutsches Unternehmen in die Türkei, wo er als Vermessungs-Ingenieur an einem großen Tunnel baute.

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Im südlichen Sudan arbeitete er an einem gigantischen Kanal- und Bewässerungsprojekt, als ihn ein schwerer Autounfall fast das Leben kostete. „Ich bin im Blindflug im Wüstenstaub in einen querstehenden, dazu unbeleuchteten Lkw gerast. Ein weiterer „härtester Tag“ im Leben des Alfred Fischer. Er saß blutend am Straßenrand und kassierte eine Anzeige wegen zu schnellen Fahrens, musste vor Gericht, wurde schuldig gesprochen und „für 80 Mark freigekauft“.

Er folgte darauf dem Ruf in den Dschungel, In Malaysia baute er an einem ein unterirdisches Kraftwerk für einen Staudamm. Nach einem Jahr Heimweh, zurück nach Hause. Er machte sich vom Gesparten selbstständig, erzählt Fischer von den Anfängen als Architekt und Bauunternehmer.

Fischer stieg in den kommunalen Wohnungsbau ein, baute in Pfungstadt und Bickenbach Einfamilienhäuser und Wohnblocks, arbeitete in Griesheim, Reinheim und Darmstadt mit Akkord-Kolonnen, hatte Kräne, Mischmaschinen und einen Fuhrpark.

„Mit 59 habe ich erstmals Sport gemacht“, erinnert er sich, mit den Kindern auf dem Frankenstein beim Kreissportfest gewesen zu sein. Er habe beim ersten Start in seiner Altersklasse gewonnen und sei vom Erfolg ein bisschen süchtig geworden. Der TSV Eschollbrücken entdeckte ihn.

Als Unternehmer, dem nie etwas geschenkt wurde, verteilte er Wohltaten, engagierte sich viele Jahre im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, im Verband der Heimkehrer, erhielt 1986 den Landesehrenbrief, wurde mit der Friedland-Gedenk-Medaille ausgezeichnet, war acht Jahre lang im Gemeindevorstand Mühltal kommunalpolitisch tätig.

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Landesehrenbrief und Bundesverdienstkreuz

Ungezählte Verbände, Vereine und Hilfswerke hat Alfred Fischer unterstützt, halft dem Mühltaler Bundeswehr-Soldaten Jens Ruths, als dieser schwer verletzt, aber ohne staatliche Unterstützung aus dem Balkankrieg zurückkam oder dem jungen Turner Johannes Hablik, der beim Sport schwer verunglückte. „Ja freilich: Alfred Fischer kann es sich leisten, heißt es. Wichtig aber ist: Er tut es“, sagte der frühere Pfungstädter Bürgermeister Horst Baier, als er Fischer das Bundesverdienstkreuz überreichte.