Windkraft in Ober-Ramstadt: Vorbereitungen laufen

Tilman Stolte von der Bürgerinitiative Gegenwind zeigt, wo das 200 Meter hohe Windrad errichtet werden soll. Für ihn und seine Mitstreiter ist es ein zu großer Eingriff in die Natur. Foto: Dirk Zengel

Nach der Genehmigung für eine Anlage auf dem Silberberg zeigen Markierungen an Bäumen, wo gerodet wird. Doch dazu wird es bis Herbst wohl nicht kommen, wie der Betreiber EnBW...

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OBER-RAMSTADT. Die roten Kreuze an den Bäumen zeigen: Hier darf gerodet werden. Auf dem Silberberg in Ober-Ramstadt laufen die Vorbereitungen zur Errichtung der Windkraftanlage Siemens SWT 130 langsam an. Es ist eine von zwei Anlagen, die der Energieversorger EnBW aus Stuttgart auf dem Silberberg errichten will. Die erste Anlage ist, wie berichtet, genehmigt. Wegen des öffentlichen Interesses hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) laut Mitteilung vom 13. Dezember den Sofortvollzug ausgesprochen. Die Klagefrist läuft noch, zumal auch die öffentliche Bekanntmachung noch ausstehe, wie RP-Sprecher Dieter Ohl am Donnerstag dieser Zeitung mitteilte. Der Ober-Ramstädter Revierförster Klaus Seifert bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Markierungen an den Bäumen im Zusammenhang mit der Windkraftanlage stehen. „Es ist die Kennzeichnung der Außengrenze“.

Etwa ein Hektar Wald muss pro Windrad umgelegt werden, hinzu kommen etwa 0,8 Hektar für die Zuwegung.

Genehmigung für die zweite Anlage in der Endphase

Doch vor Herbst wird auf dem Silberberg weder gerodet noch werde dort eine Baustelle eingerichtet. Das teilte am Donnerstag Jörg Busse von der Betreiberfirma EnBW auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Wir wollen die Genehmigung der zweiten Anlage abwarten und dann alles zusammen machen“. Daher mache es keinen Sinn, schon jetzt Wald zu roden. Die Markierungen seien nach einem Abstimmungstermin Mitte Dezember der EnBW mit Vertretern des Ober-Ramstädter Bauamts und dem zuständigen Förster gemacht worden. „Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht ausgeschlossen, dass die Genehmigungen für beide Windräder zeitgleich erteilt werden“, sagt Busse. Dann hätte im Idealfall im Februar mit der Rodung begonnen werden können. Die Genehmigung für die zweite Anlage auf dem Silberberg befindet sich laut RP in der Endphase. Dass noch einige Monate ins Land gehen, bis auf dem Silberberg etwas passiert, liege auch daran, dass sich die Betreiber nach der Genehmigung noch an einer bundesweiten Ausschreibung der Bundesnetzagentur beteiligen müssen. „Je nachdem, wie viele Projekte es gibt, kann es auch sein, dass wir erstmal keinen Zuschlag bekommen“, erläuterte Jörg Busse.

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Mit Sorge und Entsetzen verfolgen Tilman Stolte und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Gegenwind seit Monaten die Pläne auf dem Silberberg. Als Stolte von den markierten Bäumen erfahren hat, machte er sich gleich auf den Weg dorthin, um sich ein Bild zu machen. Nach wie vor hält er das Vorhaben mitten im Wald von Nieder-Modau für einen „Akt besonders ausgeprägten politischen Drucks“. Die Einwände der BI gegen die beiden Anlagen seien unberücksichtigt geblieben. „Die Natur wird in Mitleidenschaft gezogen. Das Landschaftsbild wird sich verändern. Denn insgesamt ist eine Anlage 200 Meter hoch“, gibt Stolte zu bedenken. Durch die Rodung werde eine große Schneise entstehen, die Greifvögel sowie Fledermäuse anziehen werde. Schon jetzt habe die BI zahlreiche seltene Vögel auf dem Gebiet gesichtet, darunter Kauz, Mäusebussard, Zaunkönig, Kleiber und Milan. All dies sei dokumentiert und die Unterlagen beim RP eingereicht. Dass trotzdem laut Genehmigungsbehörde die Voraussetzungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erfüllt werden und damit Beeinträchtigungen durch die betreffende Anlage nicht zu erwarten sind, hält die BI für fraglich. Für sie bedeutet der Bau der Anlagen eine Zerstörung eines über Jahrhunderte geprägten historischen Landschaftsbildes.

Energiewende voranbringen

Ober-Ramstadts Bürgermeister Werner Schuchmann (SPD) hat Verständnis für die Gegner der Windkraftanlagen. „Mir wäre es auch lieber, wenn wir es anders lösen könnten“, sagte er dieser Zeitung. Er hält aber an der Entscheidung für die Windräder fest. „Die Windkraftanlage ist unser Beitrag, die Energiewende voranzubringen. Wir können nicht alles an der Nordsee machen“.

Ein Vorteil der Anlagen sei, dass sie sich relativ einfach wieder zurückbauen lassen. „Sollte sich nach 20 Jahren herausstellen, dass es nichts bringt oder es bessere Möglichkeiten der Energiegewinnung gibt, sind die Anlagen schnell abmontiert“, sagt der Rathauschef.

Tilman Stolte und seine Kollegen von der BI Gegenwind wollen weiter gegen die Anlagen kämpfen. Auch bei der Genehmigung des ersten Windrads sei das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Wir behalten uns rechtliche Schritte vor“, sagte Tilman Stolte.